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Twitter und der Absturz : „Airplane crash @ Schiphol Airport Amsterdam!!“

Eines der ersten Bilder vom Absturz, veröffentlicht auf Twitter Bild: A. LUGTIGHEID

Twitter war wieder schneller. Doch die meisten Informationen stammten von Nachrichtenportalen und waren dort abgeschrieben. Die Stärke von Twitter lag - wie bei der Notlandung auf dem Hudson - woanders: Beim schnellsten Bild.

          Natürlich war Twitter schneller als die Nachrichtenagenturen und die Onlineportale: „Twitter beats the BBC by 15 minutes in reporting #schiphol crash“ twittert nanoamp. Das ist richtig. Wer den Informationsfluss auf einer Seite haben wollte, steuerte einen „Twitterfall“ zu diesem Thema an. Auf dieser Seite lief fast jede Sekunde ein Tweet ein zum Thema „Flugzeugabsturz Schiphol“. Es war faszinierend anzuschauen, wie aus aller Welt Nutzer in englischer, holländischer oder türkischer Sprache in 140 Zeichen über den Vorfall berichteten.

          Doch was haben die Twitterer geschrieben? Sie teilten mit, dass in der Nähe des Flughafens Schiphol ein Flugzeug von Turkish Airlines abgestürzt sei und verlinkten per Kurz-URL auf eine Homepage. Was sind das für Seiten? Es sind Nachrichtenseiten: CNN Turkey, RTL Niederlande, BBC und so weiter. Dort stehen letztlich die gleichen Informationen, die es auch auf Twitter zu lesen gab. Nur dass in den Medien nicht alle vermeintlichen Fakten präsentiert wurden, weil sich diese meist widersprachen und deshalb versucht wurde, verifizierte Informationen weiterzugeben. War es eine Boeing 737 mit 80 Passagieren? Gab es 80 Tote? Oder gab es 80 Überlebende? Ist das Flugzeug in zwei, drei oder vier Teile zerbrochen?

          „Don't know about survivors“

          Die Antworten können nur Augenzeugen oder die Rettungsmannschaften geben. Sie sind als erste vor Ort und können sehen, was passiert ist. Wobei es auch für einen Augenzeugen schwierig sein dürfte, die Anzahl der Passagiere zu schätzen oder gar die Opferzahl zu bestimmen. Das gilt für alle, die in der Nähe sind. Auch für „nipp“. Der Twitterer berichtete als Augenzeuge direkt vom Absturz: Um zirka 11 Uhr sendete er folgenden Tweet: „Airplane crash @ Schiphol Airport Amsterdam!!“ Dann folgten diese Tweets:

          „Looking at crashed airplane near Schiphol“
          „Don't know about survivors.“

          „A lot of emergency services rushing to the scene. Still no more info. Can't find any info on the net.“

          „It looks like the plane is shredded“

          „I can't make out whether there are survivors standing next to the plane or just the emergency crew.“

          „From here (few hundred metres away) the crashed plane looks to be in a very bad condition.“

          „Surreal is the right term for this experience.“

          „A lot of ambulances are arriving at the crash site.“

          „Again: Plane crash near Schiphol Airport, Amsterdam, Netherlands.“

          „It's appearing to be a Boeing 737 owned by Turkish Airlines. About 80 people on board.“

          „Out for a sec to get a better view.“

          „Total mayhem over here. A lot of sirenes and heli's.“

          „With a plane broken in half I can only imagine what happened to the passengers.“

          „I can't get a good photograph with my Blackberry from this distance.“

          Unklar ist zunächst, ob „nipp“ den Absturz live gesehen hat oder ob er auf der Autobahn vorbeifuhr und das Wrack schon auf dem Feld lag. Klar ist, dass er die Flucht und Rettung der Passagiere beobachten konnte. Und dann ist „nipp“ irgendwann bei den klassischen Medien angekommen: „Talking to Dutch news, it's really difficult to get close to the plane. Absolute traffic jam on the A9, which runs just passed the crash.“

          Nur Augenzeugen können schnell sein

          Welchen Vorteil bringt uns also Twitter in diesem Fall? Die bloße Nachricht konnten Twitterer etwas früher lesen als Nutzer von Nachrichtenportalen. Sie konnten aber nicht mehr lesen. Denn alle Informationen von Polizeisprechern, Flughäfen oder Einsatzleitern finden ihren Weg in die Öffentlichkeit über Nachrichtenagenturen oder Fernsehsender. Ein schnellere Verbreitung neuer Informationen könnte ein Twitterer nur leisten, wenn er direkt mit den Verantwortlichen spräche. Und das ist in diesem Fall nicht geschehen.

          Doch wie im Fall der Notlandung auf dem Hudson-River in New York zeigt Twitter seine ganze Stärke bei der Vermittlung von Quasi-Live-Fotos. Denn die ersten Aufnahmen der zerstörten Maschine lieferten natürlich Augenzeugen per Handy-Foto. Diese schnelle Verbreitung von visuellen Eindrücken kann keine Nachrichtenagentur leisten. Wieder werden diese ersten Bilder um die Welt gehen. Und wieder wird die Debatte um Bürgerjournalismus losgetreten werden.

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