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TV-App Waipu im Test : So lässt sich auch TV schauen

Einfach auf „Aufnehmen“ tippen und Waipu speichert die Sendung in der Cloud. Bild: Screenshot Dettweiler

Mit TV-Apps wie Waipu lässt sich genauso gut Fernsehen schauen wie mit Kabel, Satellit oder DVB-T2. Zudem bietet die App einen Video-Rekorder in der Cloud.

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          Fernsehen schauen ist ganz einfach: Gerät anschalten und mit der Fernbedienung durch das Programm zappen. Es gibt drei klassische Wege, die Sender zu empfangen: Satellit, Kabel oder DVB-T2. Moderne TV-Geräte mit einem Triple-Tuner können jedes der Signale wandeln. Ein Zusatzgerät ist meist nicht notwendig. Ist doch alles prima, oder? Ja, aber es geht auch anders. Auf dem Fernsehgerät schlummert eine vierte Möglichkeit. Mit Apps wie Waipu oder Zattoo lassen sich ebenso alle Programme anschauen, die über die klassischen Wege auf den Bildschirm kommen. Doch nicht nur das. Diese Apps dienen auch als Videorekorder. In der Programmübersicht wählt man einen Film oder eine Sendung aus, und der Anbieter speichert sie im eigenen Profil in der Cloud, jederzeit abrufbar.

          Die App muss sich im smarten Bereich des TV-Gerätes befinden, was bei aktuellen Modellen wahrscheinlich ist. Ältere Fernseher lassen sich mit Streaming-Boxen wie Amazon Fire TV, Apple TV oder Google Chromecast erweitern, auf denen die App installiert ist. Nach der Anmeldung muss sich der Nutzer für die Art des bezahlpflichtigen Abos entscheiden. Sinnvoll ist, die HD-Option zu wählen, damit die wichtigsten öffentlich-rechtlichen und privaten Sender in hoher Auflösung zu sehen sind. Sowohl bei Zattoo als auch Waipu fällt dann eine monatliche Gebühr von zehn Euro an.

          Dann kann es losgehen. Wir haben Waipu ausführlich mehrere Wochen genutzt. Der größte Unterschied zwischen diesem Anbieter und Zattoo ist ein eigenes Glasfasernetz mit einer Länge von 12 000 Kilometern, über das die Fernsehsignale transportiert werden. Erst für die letzte Meile übernimmt dann die Telekom die Übermittlung der Signale. Dadurch garantiert Waipu, dass kein Datenstau entsteht. Bisher wurde das Versprechen erfüllt. Wir hatten in all den Wochen keinen Moment, in dem das Programm hakte. Lediglich beim Zappen kommt die App manchmal nicht hinterher, das könnte aber auch am Smart-TV-Bereich des Fernsehers liegen, ebenso dass die App manchmal abstürzt und sich wieder öffnet.

          So sieht die Senderliste auf der Smartphone-App - und auch auf dem Fernseher - aus.

          Die anfängliche Skepsis, dass möglicherweise die Bildqualität im Vergleich zu klassischen Übertragungsarten schwächer sein könnte, hat sich nicht bestätigt. Nach mehrmaligem Hin- und Herschalten zwischen Kabelempfang und Waipu konnten wir keinen Unterschied feststellen. In den ersten Sekunden kann es allerdings etwas pixelig werden, wie man es vom Video-Streaming kennt. Ebenso ist kein Qualitätsunterschied zwischen Filmen und Sendungen, die man live schaut oder aufgenommen hat, zu erkennen. Allerdings lassen einige RTL-Sender aus rechtlichen Gründen nur komprimierte Daten zu.

          Es gibt zwei Arten, eine Aufnahme zu programmieren: Man geht auf den Menüpunkt Programme, wählt die Sendung oder den Film und drückt auf „Aufnehmen“. Das ist zunächst nichts anderes als der elektronische Programmführer vom klassischen Fernsehen, mit dessen Hilfe man ebenfalls Sendungen auswählen kann, um sie auf einer angeschlossenen Festplatte zu sichern. Bei Waipu werden die Filme oder Sendungen in der Cloud gespeichert. Im Perfect-Abo ist Platz für 100 Stunden Aufnahmen. Einige Privatsender schränken diese Möglichkeit je nach rechtlicher Situation aber ein.

          Die App wird sogar zum Fernseher

          Die zweite Möglichkeit, eine Aufnahme zu programmieren, ist noch viel smarter: Mit der Waipu-App auf dem Smartphone lässt sich das Gleiche wie auf dem Fernseher machen, nur dass der Nutzer dabei nicht zu Hause auf dem Sofa sitzen muss. Also mal schnell im Zug, Büro, in der U-Bahn oder als Beifahrer im Auto mit dem Smartphone kurz das Programm abklopfen und die Favoriten aufnehmen. Die App wird sogar zum Fernseher, wenn die Option „Unterwegs- und Reisenutzung“ für fünf Euro zusätzlich gebucht ist. Dann lassen sich die Sender über W-Lan oder Mobilfunk anschauen – auch auf Reisen im EU-Ausland.

          Eine Funktion, die besonders gefällt, ist Re-Start. Läuft gerade eine Sendung, die man von vorne schauen will, springt man an den Anfang zurück. Das hat hervorragend geklappt, als wir Waipu auf Amazons Fire TV genutzt haben. Auf unserem aktuellen Samsung-Fernseher suchten wir die Funktion vergeblich. Sie ist so neu, dass der Samsung sich noch nicht an die App angepasst hat. Es werde aber daran gearbeitet.

          Weil diese vierte Art des Fernsehschauens bisher tadellos funktionierte und kein Unterschied zum Kabelfernsehen zu bemerken war, wird der Autor in Zukunft nur noch über die Waipu-App zappen. Dank W-Lan kann das Fernsehgerät jetzt auch dort stehen, wo es soll. Nur eine Steckdose darf nicht fehlen.

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