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Huawei-Smartphone : Trumps Opfer

Nur eine Taste: Das Mate 30 Pro verzichtet sogar auf die Lautstärkeregler. Bild: Hersteller

Die Hardware überzeugt, und trotzdem hat das neue Huawei-Smartphone Mate 30 Pro keine Chance. Denn es fehlt ein wichtiges Detail.

          2 Min.

          Ein wunderschönes, leistungsstarkes Smartphone mit feinster Technik, das kaum jemand kaufen wird: Das Mate 30 Pro ist das erste Gerät von Huawei, das vorerst ohne Google-Dienste auskommen muss, Stichwort: Handelskrieg mit China. So startet das Mate 30 Pro für 1100 Euro als Versuchsballon, es ist allein im Online-Geschäft des Mediamarktes erhältlich. Das japanische Forschungsinstitut Fomalhaut Techno Solutions hat das Mate 30 Pro auseinandergenommen und kommt zu dem Ergebnis, dass auch in der Hardware keine amerikanischen Komponenten verbaut sind. Es wurden also in kürzester Zeit alle Zulieferer gewechselt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit der Glaseinfassung von Vorder- und Rückseite sieht das Mate 30 Pro sehr elegant aus, es ist nach IP68 gegen das Eindringen von Staub und Wasser geschützt und verblüfft mit der starken Biegung des Bildschirms am linken und rechten Rand. Das beeinträchtigt die Darstellung mancher Apps und Internetseiten, erlaubt es aber, auf sämtliche Seitentasten mit Ausnahme des Ein- und Ausschalters zu verzichten. Um die Lautstärke zu regeln, tippt man auf den linken oder rechten Rand und ruft damit ein Menü auf. Das funktioniert gut, bedeutet aber, dass man die Lautstärke nur bei entsperrtem Gerät justieren kann. Ein Gestensensor erlaubt sogar das berührungslose Bewegen durch Internetseiten mit Handbewegungen in der Luft. Das ist nur ein Gimmick. Die Oled-Anzeige hat eine Diagonale von 6,53 Zoll und löst mit leider nur 2400 × 1176 Pixel auf. Das ist dieser Preisklasse nicht würdig. Eine Kamera über der Anzeige erkennt die Augenstellung des Nutzers und verhindert damit ungewolltes automatisches Drehen des Bildschirminhalts.

          Sogar schon mit 5G erhältlich

          Unser Testgerät war das Mate 30 Pro ohne 5G. Es verwendet den aktuellen Top-Prozessor von Huawei, den Kirin 990, hat 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und wahlweise 128 oder 256 GB internen Speicher. Die 5G-Version kommt mit bis zu 512 Gigabyte Speicher. Stets ist der Speicher mit proprietären Speicherkarten erweiterbar. Das Format verwendet nur Huawei. Der Akku hat üppige 4500 Milliamperestunden, was für Laufzeiten jenseits von anderthalb Tagen ausreicht. Kabelgebunden wird er mit dem Netzteil mit 40 Watt befüllt – oder induktiv auf einer Ladeschale mit bis zu 27 Watt. Reverse Charging erlaubt es, mit dem Akku des Telefons andere Geräte induktiv zu befüllen.

          Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite löst mit spektakulären 32 Megapixel auf. Rückseitig findet sich eine Quad-Kamera mit einem Hauptsensor, der 40 Megapixel erfasst. Dazu kommt eine zweite 40-Megapixel-Optik für Videoaufnahmen und Ultraweitwinkel-Fotografie, ein 8-Megapixel Telezoom mit dreifachem optischem Zoom und eine weitere Einheit mit 3D-Tiefensensor. Die sehr hohe Fotoqualität folgt der Tradition des Hauses, insbesondere gelingen faszinierende Aufnahmen unter schlechten Lichtverhältnissen. Videos filmt dieses Huawei erstmals in 4K-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde. Spektakulär ist die Super-Zeitlupenfunktion, die 7680 Bilder pro Sekunde aufnimmt.

          Der Fingerabdrucksensor im Display arbeitet ebenso perfekt wie die biometrische Gesichtserkennung. Das Gerät bietet insgesamt eine Top-Performance mit langer Akkulaufzeit und faszinierenden Foto- und Video-Fähigkeiten. Aber ohne die Google Mobile Services, ohne Play Store und die Google-Apps kann man mit diesem Huawei nicht viel anfangen.

          Die fehlenden Dienste können zwar mit Tricks nachinstalliert werden, aber man gefährdet damit die Sicherheit des Smartphones. Anstelle des Play Store findet sich die App Gallery von Huawei, die indes nicht viel Brauchbares enthält. Der erstklassigen Hardware fehlt also die zugehörige Software. Deshalb bleibt diesem schönen Smartphone in der westlichen Welt der Erfolg versperrt.

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