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Loewe mit neuer Audio-Technik : Mimi mal Lösung

  • -Aktualisiert am

Mimi im Tonmenü der Loewe-Fernseher. Bild: Hersteller

Wenn sich die Nachbarn mal wieder über den lauten Fernseher beschweren, kann eine neue Software Abhilfe schaffen. Wir haben auf einem Loewe-Gerät hineingehört.

          Wenn der Fernseher nebenan mal wieder durch die Wände brüllt, ist sich der betagte Nachbar vielleicht gar keiner Schuld bewusst. Er hat die Lautstärke einfach so aufgedreht, dass er unangestrengt verstehen kann, was Claus Kleber gerade im ZDF kommentiert. Über mangelnde Sprachverständlichkeit aber klagen nicht nur alte Menschen. Wenn Til Schweiger sich als Hauptkommissar Nick Tschiller durch den Tatort nuschelt, hagelt es regelmäßig Zuschauerproteste, nicht nur, weil der Mann durch die Nase spricht, sondern auch, weil manchmal ein unglücklicher Mix aus Dialog, Musik und Geräuschen zusätzlich die Verständlichkeit erschwert. Die Fähigkeit des Gehörs, das gesprochene Wort vom Rest des akustischen Geschehens zu isolieren, hängt obendrein von Alterungsprozessen und anderen individuellen Einflüssen ab.

          Dagegen ist ein Kraut gewachsen, meint der fränkische Hersteller Loewe, und baut in seine Fernsehgeräte ab sofort ein System ein, das auf den Namen Mimi hört und das schon mehrere Kopfhörermodelle von Beyerdynamic veredelt. Mimi ist ein junges Unternehmen in Berlin, dass sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Tonwiedergabe an die individuellen Gegebenheiten des menschlichen Gehörs anzupassen, also auch an dessen natürlichen Alterungsprozesse. Zur Analyse dient eine App namens Mimi Hearing Test, zu haben für Android- und iOS-Geräte. Eine Prozedur mit Testtönen erstellt online ein persönliches Audiogramm, das fortan das Musikhören über die App Mimi Music verschönern kann oder eben das Lauschen mit einem tüchtigen Beyerdynamic-Kopfhörer.

          Wie macht Mimi das? Das System hebt nicht nur schwach wahrgenommene Frequenzen im Pegel an, wie es ein Equalizer in der HiFi-Anlage tun würde. Es arbeitet mit einer adaptiven Dynamik-Kompression, hebt also in Frequenzbereichen, die das Gehör nicht mehr so gut erkennt, die leisen Töne an, ohne gleichzeitig die lauten entsprechend zu verstärken. Und das in permanenter Anpassung an das jeweilige Spektrum von Musik und Sprache. So ändert sich nichts an der Gesamtlautstärke, wohl aber an der subjektiven Lautheit des Tons und vor allem an der Klarheit von Details und der Differenziertheit gleichzeitiger Schallereignisse. Mimi wendet darüber hinaus Algorithmen an, die Prozesse in der biologischen Signalverarbeitung des menschlichen Gehörs berücksichtigen. Unser Hören basiert auf komplizierten Wechselwirkungen zwischen dem Ohr als Schallaufnehmer und dem Gehirn, in der Regelprozesse und dynamische Kompression ebenfalls eine Rolle spielen. Auch diese Phänomene zieht das System ins Kalkül.

          Software-Upgrade bis Ende Oktober

          Jetzt also will auch Loewe das Mimi-System nutzen, nicht nur für seine Geräteneuheiten, sondern auch für Fernseher mit größeren Bildschirmdiagonalen oberhalb der 40-Zoll-Klasse, die von Mitte 2016 an auf den Markt gekommen sind. Sie lassen sich mit einem Software-Upgrade aktualisieren, das bis Ende Oktober zur Verfügung stehen soll. Im ersten Schritt wird das Mimi-System die mit der App ermittelten individuellen Audiokorrekturen noch nicht auf die Fernsehgeräte übertragen können. Ein späteres Update soll diesen Komfort ermöglichen.

          Doch Klangverbesserung ist schon jetzt möglich. Dazu ordnet sich der Zuhörer in den Toneinstellungen einer Altersklasse zu, was eine annähernd passende Wiedergabeoptimierung erlaubt. Und weil der Mensch nicht immer allein vor dem Bildschirm sitzt, lassen sich in den Einstellungen auch Gruppen definieren. Die Tonkorrektur arbeitet dann mit durchschnittlichen Parametern. Wir haben Loewes Mimi schon im Prototyp-Stadium ausprobiert und fanden es ausgesprochen überzeugend. So kann das System vor allem die Sprachverständlichkeit eindrucksvoll verbessern, ohne dazu die Lautstärke aufdrehen, die Klangfarben verfälschen oder hohen Tönen schrilles Timbre verleihen zu müssen.

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