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In-Ear-Ohrhörer im Vergleich : Angriffsversuch auf die Airpods von Apple

Die große Ladeschale der Plantronics Backbeat Fit 3200 links und rechts die deutlich kleinere der Jabra Elite 75t Bild: Fotos: Diana Cabrera Rojas, Montage: F.A.S.

Zwei kleine kabellose Ohrhörer von Plantronics und Jabra im Vergleich: Nicht nur die Größe ist entscheidend. Es gibt eine Überraschung hinsichtlich des Klangs.

          3 Min.

          Kabelfrei und im Ohr sitzend: True-Wireless-Ohrhörer sind seit dem Marktstart der Airpods von Apple im Jahr 2016 ein gut wachsendes Segment der Zubehörindustrie. Man hört mit den kleinen Stöpseln seine Musik, telefoniert und steuert Sprachassistenten. Unlängst hatten wir hier acht empfehlenswerte Produkte vorgestellt. Nun trudelten zwei Nachzügler in der Redaktion ein, die nicht weniger interessant sind.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Plantronics schickte uns den Backbeat Fit 3200. Wie das Vorgängermodell ist es für den Sport gedacht und wird mit einem Bügel über dem Ohr befestigt, was nicht jeder Brillenträger mag. Wir hatten indes keine Probleme, im Gegenteil: Aufsetzen lassen sich die Backbeat viel schneller als die ähnlich konstruierten Powerbeats Pro, und sie sitzen fortan stundenlang zwar gefühlt locker, aber stabil. Beiliegende Aufsätze erlauben eine individuelle Anpassung ans Ohr.

          Die Backbeat sind schweiß- und wasserdicht nach IP 57, und gegenüber dem nahezu identisch aussehenden Vorgänger Backbeat Fit 3100 hat der Hersteller die Akkulaufzeit um drei Stunden auf nunmehr acht Stunden Musikwiedergabe erhöht. Die Ohrenstöpsel wiegen jeweils 13 Gramm, und sie werden in einer recht großen, mitgelieferten Ladebox aufbewahrt sowie mit Strom betankt. Der Akku im Ladegehäuse soll zwei weitere Betankungen des Headsets erlauben. Ersteren befüllt man mit Micro-USB-Anschluss an der Außenseite. In die fünfte, kleine Jeanstasche passt die Ladeeinheit nicht.

          Jabra Elite 75t Bilderstrecke

          Wie beim Vorgänger stört die entsetzlich umständliche Bedienung. Um die Lautstärke zu justieren, muss man entweder den Finger sanft auf den linken Ohrhörer halten oder auf selbigen drücken und dann Wischbewegungen auf der Oberfläche vornehmen. Im Sporteinsatz ist das alles eine Qual. Auch das Koppeln mit Bluetooth ist kompliziert, das Headset verbindet sich zudem nicht mit mehreren Zuspielern gleichzeitig. Obwohl es auch Sprachansagen beherrscht, ist man doch immer wieder ratlos, in welchem Status sich die Ohrhörer gerade befinden. Ärgerlich zudem: Sie entkoppeln sich mitunter voneinander, es ist also im ungünstigen Fall nur einer der beiden Ohrhörer eingeschaltet. Kurzum: Wer wissen will, warum die kinderleicht zu bedienenden Airpods von Apple ein durchschlagender Erfolg sind, probiere die Umstandskrämerei von Plantronics aus und weiß sofort Bescheid.

          Vorsintflutliche Bedienung

          Neben dem guten und festen Sitz im Ohr und der langen Akkulaufzeit kann das Backbeat jedoch mit einem weiteren Pluspunkt glänzen: Der Klang ist sehr ordentlich, geradezu auf Airpods-Niveau mit guten Bässen und schöner räumlicher Tiefenstaffelung. In der App hat man die Wahl zwischen drei Equalizer-Einstellungen. Für einen Preis von rund 150 Euro kann man Plantronics-Ohrenstöpsel ungeachtet der umständlichen Bedienung nicht nur für den Einsatz während des Sports empfehlen. Sie haben uns gut gefallen.

          Die Jabra Elite 75t sind mit einem Preis von 180 Euro unwesentlich teurer und gleichen in vieler Hinsicht den Airpods: Die kompakte Ladeschale passt in die fünfte Jeanstasche, die Stöpsel verzichten auf einen Bügel hinter dem Ohr. Auch hier gibt es einen Schutz gegen Staub und Wasser (nach Schutzklasse IP 55), aber es fehlt, wie bei den Plantronics, eine aktive Nebengeräuschunterdrückung und die Möglichkeit des induktiven Ladens.

          Keine Nebengeräuschunterdrückung

          Die Jabra sitzen eher locker im Ohr, wir würden sie fürs Joggen und anderen Sport draußen nicht verwenden, für diesen Zweck hat Jabra auf der CES die Elite Active 75t vorgestellt, die zum Marktstart 200 Euro kosten sollen. Der Sitz der jetzt von uns erprobten Jabra-Knöpfe ist recht angenehm, nichts drückt, und man kann sie ebenfalls über Stunden hinweg tragen.

          Die Bedienung mit Tasten und App gerät weitaus einfacher als mit dem Plantronics-Headset, und dankenswerterweise lässt sich das Headset gleichzeitig mit zwei Geräten verbinden. Die Akkulaufzeit gibt Jabra mit siebeneinhalb Stunden an, das erscheint uns realistisch, und der Ladeanschluss ist ein zeitgemäßer USB Typ C.

          Der Equalizer in der App bietet sehr individuelle Klangeinstellungen. Man kann einzelne Frequenzbereiche separat justieren und zwischen sechs verschiedenen Voreinstellungen wählen. Aber am grundsätzlichen Problem der Elite 75t ändert das nichts, schrieben wir ursprünglich: Der Klang bleibt eher flach, es gibt kaum Wucht von unten, die Höhen sind viel zu stark betont, Klavier und Stimmen hören sich unnatürlich spitz an. Auch wenn man kein Freund starker Bässe ist, ist das Gebotene unzureichend und fällt hörbar hinter die Konkurrenz zurück. Seine Pluspunkte hat der Jabra bei der Telefonie, hier sorgen vier Mikrofone für eine gute Verständlichkeit. Einige Leserkommentare machten uns nach der Veröffentlichung jedoch stutzig. Die Leser meinten, die Jabra hätten eher zu viel Bass als zu wenig. Wie passen solche stark abweichenden Höreindrücke zusammen? Wir gingen der Sache auf den Grund und probierten unterschiedliche Ohreinsätze aus, die unten an den Jabra-Knopf angesteckt werden. Mit der größeren, eher zu großen Variante hörten sich die Elite 75t plötzlich wie ein anderes Gerät an, jetzt tatsächlich mit Bass und insgesamt überzeugend. So kann ein kleines Detail viel bewirken; nicht ohne Grund misst Apple bei seinen neuen Airpods Pro den Ohreinsatz per Software aus und gibt Hinweise, dass man den richtigen oder falschen gewählt hat.

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