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Lehrroboter Robomaster S1 : Um die Bildung wird hart gekämpft

Flexibles Kerlchen: Robomaster fährt in alle Richtungen Bild: Hersteller

Auf den ersten Blick könnte es sich um Kinderspielzeug handeln. Aber der neue Roboter von DJI hat eine ganz andere Mission.

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          Es könnte sich um ein Kinderspielzeug handeln, etwas martialisch aussehend mit fetten Reifen und einer Kanone. Tatsächlich schießt er auf Befehl sogar, aber nur mit harmlosen kleinen Gel-Kügelchen, aber immerhin. Der Robomaster S1 ist indes nicht in kriegerischer Mission unterwegs, sondern im Auftrag der Bildung. Es handelt sich um einen Lernroboter, der von oben bis unten mit Hightech bestückt ist. Er ist mit 31 Sensoren ausgestattet, darunter Kamera und Mikrofon, er hat einen Infrarot-Strahler und Räder mit 12 Rollen, welche eine Rundumbewegung erlauben und vor allem seitliches Fahren. Sechs Motoren bringen insgesamt 100 Watt auf die Straße oder den Wohnzimmerteppich. Mit dem Robomaster kann man spielen, man kann ihn fernsteuern über das Smartphone oder Tablet und die zugehörige App. Der Hersteller DJI spricht von 46 programmierbaren Komponenten.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das ist jedoch nicht der einzige Einsatzzweck. Gedacht ist er vielmehr, um jungen Menschen das Programmieren und die Robotik beizubringen. Deshalb sind in dem System auch Algorithmen für maschinelles Sehen implementiert. Etwa eine Linienverfolgung, die es dem Robomaster erlaubt, einen vorgegebenen Weg abzufahren. Mit der Erkennung von Sichtmarkierungen erkennt das Gerät Zahlen oder Buchstaben, es gibt eine Personenerkennung und eine Gestenerkennung wie bei den Drohnen des chinesischen Herstellers. Auf diese Art und Weise bietet also die Hardware und die eingebaute Software viele Möglichkeiten, sich mit Robotik auseinanderzusetzen.

          Das Erstellen eigener Roboter-Anwendungen erfolgt in der App oder am Rechner mit der Programmiersprache Python oder mit Scratch 3.0, das ist eine Entwicklungsumgebung, die sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet, auch auf dem Tablet läuft und zum Beispiel bei der Entwicklung von Lego-Programmen zum Einsatz kommt. Die Programmierung erfolgt visuell, einzelne Kommandos und Anweisungen lassen sich mit dem Finger auf dem iPad aus einer Liste vorhandener Bibliotheken zusammenstellen, man spricht vom Programmieren in Blöcken.

          Kinderleicht programmieren

          Damit das Ganze nicht zu akademisch wird, können die Robomaster für ein Kräftemessen untereinander programmiert werden. Dann kommen der besagte Gel-Kugelwerfer sowie die Infrarotstrahlen zum Einsatz. Treffer werden automatisch erkannt. Wenn sich mehrere Robo-Freunde zum Spielen treffen, geht es also nicht nur darum, wer am schnellsten und geschicktesten fährt, sondern entscheidend ist auch, wer seine Software so programmiert hat, dass Angriffe effektiv abgewehrt und neue Taktiken entwickelt werden. Dafür ist ebenfalls ein Basisprogramm implementiert. In einem Renn-Modus müssen die Spieler ihren Roboter so auf den Weg bringen, dass numerierte Schildchen in der richtigen Reihenfolge angefahren und gescannt werden. Es gewinnt, wer den Kurs am schnellsten beendet. Für anspruchsvolle Multiplayer-Abenteuer sind in der Software „Mystery-Boni“ enthalten, welche die Spieler gegen ihre Gegner einsetzen können, etwa „elektromagnetische Interferenz“.

          Sind Robomaster und sein Spieler fit für den Wettbewerb, können sie sich auf großen Events messen. Zuletzt traten im August 10 000 junge Ingenieure aus aller Welt mit ihren Robotern an. Das Finale wurde auf Twitch übertragen und erreichte zwei Millionen Zuschauer. So hat der Roboter zu einem Preis von 550 Euro vor allem einen Nachteil: Wenn man ihm alle Talente entlocken will, braucht man mindestens zwei.

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