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Smartphone übernimmt Kontrolle : Ausgespäht im Auto mit der App

Man kann eine Region festlegen

Tesla zeigt in der App leider keine Verbrauchswerte des Elektroantriebs, wohl aber, wo in der Nähe Supercharger stehen und wie viele Ladeplätze frei sind. Porsche wiederum bietet mit seiner App einen zusätzlichen Nutzwert für Menschen, die ihr Fahrzeug gern und intensiv auf Rundkursen bewegen. Das Programm erlaubt auf Rennstrecken eine synchrone Daten- und Videoaufzeichnung mit dem Ziel einer detaillierten Auswertung. Dazu hält sie digitalisierte Streckenverläufe von 60 internationalen Rundkursen abrufbereit. Nach dem Start visualisiert die App die Fahrdynamik mitsamt Traktion, Lenkverhalten, Längs- und Querbeschleunigung. Es werden Abweichungen zu einer zuvor gefahrenen oder vorgewählten Referenzrunde mit Hilfe einer Ghostcar-Darstellung gezeigt. Damit alles im grünen Bereich bleibt, kann der Hobby-Rennfahrer während der Aufzeichnung seinen Puls mit der Apple Watch kontrollieren lassen.

In der Mercedes-App namens Me konnten wir vor einiger Zeit erstmals die Fahrzeugüberwachung mit einem Geofence ausprobieren. Dieser virtuelle Zaun lässt sich über die Landkarte legen. Beim Verlassen oder Betreten des markierten Gebiets wird ein E-Mail-Hinweis verschickt. Man kann also eine Region festlegen, die Fahrer des Autos nicht verlassen sollen, bei Bedarf sogar mit Zeitplan an Wochentage und Uhrzeiten gekoppelt. Wenn sie es trotzdem tun, bekommt der Halter einen Hinweis. Wer das E-Mail-Konto entsprechend einrichtet, erhält gegebenenfalls eine Push-Meldung, sobald zum Beispiel das Kind den Radius des Erlaubten verlässt.

Mercedes zeigt zudem mit seiner App, was sich die Hersteller von ihrem Angebot versprechen: Das Smartphone wird zur Verkaufsplattform rund um Fahrzeuge und Dienste. In der Mercedes-App kann man einen Blick auf die neuen Modelle werfen, sich gleich die Finanzierung berechnen lassen oder Servicetermine in der Werkstatt vereinbaren. Dank des Kartenmaterials des Gemeinschaftsunternehmens Here bieten Mercedes und viele andere Autohersteller zudem eine Routenberechnung von Fahrzielen in der App an, wobei unter anderem Ford nicht nur auf die individuelle Mobilität setzt, sondern Angebote für Carsharing und Fahrradausleihe integriert. Dass man Ziele aus der App direkt ins Auto schicken kann, ist ebenfalls selbstverständlich.

So angenehm auch der Komfort der vielen Angebote rund ums Smartphone sein mag: Alle Daten aus dem Auto gelangen zum Hersteller. Wer wann wohin fährt, wie er fährt, mit wie vielen Passagieren, das ergibt eine höchst private Datenspur. Die Autofahrer selbst können jedoch nicht über ihre Daten bestimmen, weder die Freigabe steuern noch von der Vermarktung für datenbasierte Geschäftsmodelle profitieren. Wie beim Smartphone mit neugierigen Apps kommt man also auch beim Kauf des nächsten Neuwagens nicht umhin, sich mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, der Datenweitergabe und anderen Widrigkeiten auseinanderzusetzen. In naher Zukunft gelangen die Fahrdaten auch an Dritte, wenn nämlich vom Auto aus die Steuerung des Smart Home erfolgt, etwa das Einschalten der Beleuchtung und Öffnen der Garageneinfahrt für den Nachhausekommenden. Zu diesem Zweck sind dann Alexa und andere Assistenten nicht nur im Auto an Bord, sondern auch neue Mitfahrer im Datenverkehr.

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