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Lautsprecher zum Telefonieren : Freispruch für alle

Vermittlungsstelle: Mit Apples Homepod lässt sich telefonieren, indem das iPhone das Gespräch an den Lautsprecher übergibt. Bild: Hersteller

Beim Telefonieren mit dem Smartphone scheppert heute nichts mehr, denn die Mobilfunknetze bieten mit HD Voice Plus mittlerweile einen guten Klang. Dank ungewöhnlicher Boxen telefoniert man mit beeindruckender Akustik.

          Als der Autor vor mehr als 30 Jahren noch in den Monopolzeiten der Post mit den ersten Schnurlostelefonen experimentierte, hatten die Geräte einiges gemeinsam: Sie waren sündhaft teuer, kosteten bis zu 1000 Mark, ihre Reichweite war gering, die Akkulaufzeit sehr kurz und die Akustik gemessen an heutigen Maßstäben schlichtweg mangelhaft. Blechdosenscheppernder Klang an der Grenze der Verständlichkeit war für die Angerufenen ungemein irritierend, denn Erfahrungen mit ebenfalls schlechter Verständlichkeit im Mobilfunknetz, damals im C-Netz, hatte kaum jemand.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Heute haben wir zwar noch ein Schnurlostelefon pro forma an den Router angeschlossen, telefoniert wird jedoch ausschließlich mit dem Handy. Noch vor fünf Jahren hätte man hier abermals auf die unzureichende Akustik verwiesen und dazu geraten, bei langen und privaten Gesprächen eher das Festnetz zu nehmen. Doch mittlerweile hat sich in allen Mobilfunknetzen viel getan.

          Der erste Schritt war die Einführung von HD Voice in den Mobilfunknetzen, beginnend 2011 mit der Telekom, zwei Jahre später folgte Vodafone. HD Voice überträgt den Frequenzbereich der menschlichen Sprache zwischen 50 und 7000 Hertz. Früher lag die Bandbreite klassischer Telefonverbindungen bei 300 bis 3400 Hertz. HD Voice mit mehr Bässen und mehr Höhen klingt also weitaus natürlicher. HD Voice wird unentgeltlich in allen Netzen angeboten, vorausgesetzt, dass das Handy mitspielt. Alle neueren Geräte sind dabei.

          Die Stimme des Gesprächspartners steht glasklar im Raum

          HD Voice Plus heißt der nächste Schritt auf dem Weg zu noch besserer Sprachübertragung. In den LTE-Netzen von Telekom und Vodafone wird die Sprache seit einigen Jahren im Frequenzbereich bis 16000 Hertz übertragen, und O2 ist nun im LTE-Netz ebenfalls dabei. Der Nutzer muss nur das entsprechende Gerät mit der passenden Software haben, alles andere erfolgt automatisch. Auch hier gilt wie bei HD Voice: Beide Seiten, Anrufender und Angerufener, müssen den jeweiligen Audio-Standard unterstützen. Das ist derzeit nicht bei allen aktuellen Smartphones der Fall.

          Wer solche HD-Gespräche bereits führen kann, hört den Unterschied zur alten Technik sofort. Die Stimme des Gesprächspartners steht glasklar im Raum, und das ist keine Floskel aus dem Marketing, sondern man ist verblüfft, wie gut ein solches Telefonat klingen kann. Wenn die technischen Voraussetzungen für beste Akustik gegeben sind, macht auch der Freisprechbetrieb viel Spaß. Wir haben zwei Systeme ausprobiert, die sich sowohl im langen Telefonat mit der Familie wie auch während einer Konferenzschaltung mit mehreren Teilnehmern bewähren mussten.

          Die erste Idee ist naheliegend, aber kaum jemand weiß, dass es klappt: Apples Homepod-Lautsprecher lässt sich auch für die Telefonie verwenden, wenngleich es mit dem aktuellen iOS 11 nicht möglich ist, Anrufe über den Lautsprecher auf den Weg zu bringen oder entgegenzunehmen. Was jedoch funktioniert, ist die Übergabe des laufenden Telefonats an den Lautsprecher, dazu tippe man auf das Audio-Symbol auf dem Display des iPhones und wähle den Homepod als Wiedergabegerät.

          Die Akustik ist verblüffend gut. Die Stimme des Gegenübers hört sich satt und warm an, man kann sich einige Meter vom Homepod entfernen und wird trotzdem gut verstanden. Der größte Nachteil dieser Lösung besteht darin, dass sie nur mit dem iPhone zusammenarbeitet, denn der Homepod lässt sich nicht über Bluetooth an andere Telefone ankoppeln. Ist jedoch dieser Musiklautsprecher (für 350 Euro) ohnehin vorhanden, liegt seine Zweckentfremdung für die Telefonie nahe. Künftig soll iOS auch den Start von Telefonaten am Homepod erlauben, man kann dann mit „Hey Siri, rufe meine Frau an“ das Gespräch auf den Weg bringen.

          Telefonkonferenz: Mit dem Lautsprecher von Jabra können bis zu sechs Personen telefonieren.

          Mit jedem Bluetooth-Telefon und mit Büro-Telefoniesystemen kompatibel sind Konferenzfreisprechanlagen, die es von vielen Herstellern gibt. Die Idee: Im Tagungsraum liegt ein Lautsprecher mitsamt eingebauten Mikrofonen auf dem Tisch und erfasst die Stimmen aller Anwesenden. Derartige Geräte gibt es von Plantronics, Sennheiser – und von Jabra.

          Von diesem dänischen Hersteller haben wir das Modell Speak 710 ausprobiert, das zwar mit einem Preis von rund 200 Euro nicht günstig ist, aber den Vorteil bietet, dass sich zwei von den untertassengroßen und rund vier Zentimeter hohen Lautsprechern miteinander koppeln lassen. Ein Gerät allein kann man im kleinen Tagungsraum für bis zu sechs Personen verwenden, in größeren Räumen lassen sich zwei Lautsprecher maximal zwei Meter voneinander entfernt aufstellen. So können dann 10 bis 12 Personen im Freisprechbetrieb an der Telefonkonferenz teilnehmen.

          Akku ermöglicht 15-Stunden-Telefonate

          Für den Solo-Einsatz am Schreibtisch lässt sich rückseitig ein Klappstativ ausfahren, damit steht das Gerät nahezu hochkant, der Lautsprecher zeigt zum Nutzer.

          Der fest eingebaute Akku muss mit dem ebenfalls fest verbundenen USB-Kabel am Rechner oder einem (nicht mitgelieferten) Netzteil geladen werden. Das dauert einige Stunden, anschließend hält der Kraftspender rund 15 Stunden durch. Wer eine Telefonie-Lösung wie Skype oder Cisco am Rechner einsetzt, kann den Jabra-Sprecher entweder mit USB verbinden oder drahtlos mit einem beiliegenden Dongle. Im Handy-Einsatz nimmt man Bluetooth.

          Die weitere Bedienung ist kinderleicht. Sobald man sich mit dem Finger dem äußeren Lautsprecherrand nähert, erscheinen Menüsymbole für die Einstellung der Lautstärke, die Bluetooth-Kopplung und den Start von Assistenten wie Google Now oder Siri. Auch hier gefiel die Akustik außerordentlich gut.

          Mit zwei verbundenen Speaker-Pärchen lässt sich zudem Musik im Stereobetrieb hören. Zwar sind die Jabra-Lautsprecher nicht so bassstark wie der Homepod, aber ihr differenziertes und klares Klangbild bereitet viel Freude. Im Unterschied zum Homepod kann man die Mini-Lautsprecher gut transportieren, nötigenfalls auch im Reisegepäck, falls die nächste Telefonkonferenz im Hotelzimmer stattfinden soll.

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