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Michael Spehr (misp.)

Techtalk : Der Angriff

  • -Aktualisiert am

Regierungspolitiker in aller Welt wurden mit einer Cyberwaffe abgehört. Wer sich für Staatstrojaner einsetzt, öffnet auch Kriminellen und Terroristen die Tür.

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          Jetzt erfahren führende Regierungspolitiker in aller Welt von Europa bis hin zu den Vereinten Nationen, was passieren kann, wenn ihre Smartphones Sicherheitslücken haben und diese aktiv ausgenutzt werden: Die Überwachungssoftware Pegasus des israelischen Anbieters NSO hat auf Tausenden von überprüften Geräten ihre Spuren hinterlassen. Betroffen sind auch Journalisten und Menschenrechtsaktivisten.

          NSO stellt eine Cyberwaffe her, die von der internationalen Staatengemeinschaft wie eine biologische Waffe gesehen werden müsste, was aber nicht der Fall ist. Nicht nur das: Die abgehörten europäischen Politiker haben in der Vergangenheit immer wieder das Offenhalten von Sicherheitslücken und gar den Einbau von „Hintertürchen“ in IT-Systeme gefordert, um mit Staatstrojanern und anderen Werkzeugen effektiv abhören zu können. Dass sie selbst und ihre ebenfalls betroffenen Familienangehörigen nun ein Opfer dieses Ansatzes sind, mag vielleicht für ein Umdenken sorgen.

          Da sich Sicherheitslücken in komplexen Systemen nicht verhindern lassen, bleibt Politikern, Journalisten und Aktivisten nur eins: regelmäßig die verwendeten Geräte komplett zurücksetzen und die SIM-Karte wechseln. Der Aufwand ist hoch, auch weil der Erwerb einer neuen SIM-Karte nur mit Identitätsnachweis erfolgen kann. Diese bürokratische Übung soll ein Beitrag im Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus sein, ist aber vollkommen sinnfrei. Terroristen registrieren keine SIM-Karte auf ihren Namen. Sie sind deutlich klüger als die Politik, wie ihr Einsatz von Pegasus gegen die Staatsspitzen der Welt zeigt.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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