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Tablet Remarkable im Test : Für Montagsmaler und Papiertiger

Schreiben wie auf Papier. Bild: Ly, Martin

Schreiben wie auf Papier: Remarkable ist ein originelles Tablet mit Stift und E-Tinte-Bildschirm, das sich auch als elektronisches Buch eignet.

          Mit einer luftigen Bewegung lassen wir den Stift ganz sanft über die Oberfläche des Geräts streichen. Die entstehende Linie ist fein und filigran, man sieht geradezu, dass der Stift geschwebt haben muss. Im nächsten Moment drücken wir fest und kritzeln mit Wucht, auch dieser Anlauf wird perfekt umgesetzt. Schreiben und Malen wie auf dem Papier, mit dieser Faszination spielt ein ungewöhnlicher Tablet PC: Remarkable vom gleichnamigen Hersteller aus Oslo will ein Papier-Tablet sein. Papier fokussiert, lenkt nicht ab, sagt Unternehmensgründer Magnus Wanberg, hat aber den Nachteil, dass die Inhalte nicht elektronisch weiterbearbeitbar sind. Das Beste aus beiden Welten will nun der Remarkable bieten: ein Flachrechner mit Stiftbedienung für Menschen mit Bezug zum Papier, die dennoch elektronisch auf der Höhe der Zeit sein wollen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Hardware misst 18 × 26 Zentimeter: Deutlich kleiner als ein DIN-A4-Blatt, etwas größer als ein iPad, mit 6,7 Millimeter so dünn wie ein herkömmliches Tablet, aber leichter, es wiegt nur 350 statt rund 500 Gramm. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, rückseitig findet man Metall. Drei Tasten unterhalb der Anzeige dienen der Bedienung, Micro-USB sorgt für die Stromzufuhr. Die Verarbeitung wirkt ordentlich, aber nicht außerordentlich gut. Das Design könnte mehr Raffinesse vertragen, der umgebende Rand hat einen kleinen Wulst, so dass das Display tiefer liegt.

          Dieses wiederum ist ein E-Ink-Display, wie es auch in den E-Book-Readern von Amazon und anderen zum Einsatz kommt. Die Auflösung beträgt 1872 × 1404 Pixel über eine Diagonale von 10 Zoll. Die Anzeige ist monochrom und leider nicht beleuchtbar. Vergleicht man die Güte beispielsweise mit dem Amazon Kindle Oasis, dann liegen Welten dazwischen. Die Darstellung auf dem Kindle ist schärfer, kontrastreicher, heller, beleuchtbar. Remarkable führt als Pluspunkt seiner Anzeige ins Feld, sie sei unzerstörbar, da kein Glas verwendet werde.

          Einsatz als E-Book-Leser und Notizverwalter

          Eine E-Ink-Anzeige baut sich langsam auf. Auf dem Remarkable ist der Bildschirmaufbau träge, zwischendurch flackert es, wenn sich die schwarzen und weißen Pixel neu orientieren. Was beim Malen nicht stört, ist lästig, wenn es um die beiden Nebenjobs des Remarkable geht, nämlich den Einsatz als E-Book-Leser und Notizverwalter. Alle drei Bereiche sind schön im Hauptmenü getrennt, und mit einem schlanken Zusatz-Programm für den Rechner kann man seine Inhalte per Kabel auf das Tablet kopieren. Elektronische Bücher etwa im Epub-Format. Man blättert mit den unteren Menütasten. Aber man vermisst die Option, mit einem Fingerwisch umzublättern, und mit ZweiFinger-Gesten den Ausschnitt zu vergrößern, das gelingt ebenfalls nicht. Auch das schnelle Blättern ist ein Problem. Indes: Man kann mit dem Stift markieren, anstreichen oder unterstreichen, dergleichen klappt mit einem E-Book-Reader nicht so einfach. Bücher mit digitaler Rechteminderung (DRM) von den großen Online-Buchhandelsketten kann man nicht auf den Remarkable kopieren.

          Der zweite Bereich ist eigenen Dokumenten gewidmet, etwa PDFs. Wir schaufelten einige Dutzend herüber ins Gerät, abermals stört der lahme Bildschirmaufbau. Wenn Internetseiten mit vielen Grafiken und Tabellen als PDF gesichert sind, hat das Gerät mit 1-Gigahertz-Prozessor doch seine liebe Mühe beim Öffnen und Blättern. Acht Gigabyte Speicher sind eingebaut, das soll für 100 000 Seiten reichen. Auch in den PDFs kann man mit dem Stift markieren oder seine Anmerkungen erstellen. Synchronisiert hin zum Rechner wird per W-Lan oder USB-Kabel, Letzteres übernimmt auch das Befüllen des fest eingebauten Akkus. Er hält einige Tage durch, die Hersteller-angabe ist realistisch.

          Der mitgelieferte Stift kommt ohne Stromversorgung aus, muss auch nicht an das Tablet angekoppelt werden. Allein die Spitze ist gelegentlich auszutauschen. Bis zu 2000 verschiedene Druckstufen werden erkannt, sagt Remarkable. Wer das markante Schreibgefühl mag, wird dieses Gerät lieben. Außer der Stiftdicke lässt sich eine Erkennung der Schrägstellung einstellen, etwa für das Schraffieren. Neben einem druckempfindlichen Stift mit den Farben Schwarz, Grau und Weiß steht ein dickerer Filzstift zur Verfügung und sodann ein Fineliner mit konstanter Dicke sowie ein Modus, der den Stift zur Tintenfeder macht.

          Der Preis des Remarkable wurde unlängst von 630 auf 500 Euro gesenkt. In Europa kann das Gerät direkt auf der Seite remarkable.com bestellt werden. Als elektronischer Notizblock hat uns Remarkable gut gefallen, als Lesegerät weniger. Hier ist ein Tablet mit beleuchteter Anzeige und mehr Apps die bessere Wahl. In der Apple-Welt kann man mit dem iPad Pro und dem Apple Pencil hervorragend zeichnen, allerdings ist das Schreibgefühl auf Glas sehr glatt und nicht so „kratzig“ wie hier mit dem Remarkable. In der Android-Welt mag ein Blick auf das Note von Samsung lohnend sein, es verwendet ebenfalls einen Stift.

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