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Suchmaschine Squared : Google macht sein eigenes Bing

Bild: Google

Bing und WolframAlpha wollten Google angreifen. Doch der Marktführer muss niemanden fürchten und bastelt ruhig an seiner Super-Suchmaschine weiter. Das hauseigene Labor Google Labs hat eine erste Antwort gegeben: Squared.

          In dieser Woche wollte Microsoft mit Bing das große Ding landen und eine Suchmaschine im Netz präsentieren, die besser als der Vorgänger Live Search und mindestens genauso gut wie Google ist. Nach den ersten Tests zu urteilen, ist Microsoft zumindest Google auf den Fersen. Aber doch immer noch einen Schritt hintendran.

          Google hat mit seiner Suchmaschine das Referenzmodell geschaffen. Zurzeit genügt es also noch, mit etwas Feintuning den Konkurrenten zu entwischen und zu zeigen, wer in diesem Geschäft das Sagen hat. In Google Labs wird daher permanent gebastelt. Sobald eine Anwendung alltagstauglich wird, geht sie online. Aktuell hat das Unternehmen nun Google Squared vorgestellt.

          Instrumente und Autos

          Die Suchmaschine funktioniert wie Google, nur dass das Ergebnis „im Quadrat“ präsentiert wird. Genauer: Die Treffer werden in Tabellenform dargestellt. Ein Beispiel: Gibt man etwa „instruments“ ein, erhält man eine Tabelle mit Piano, Cello, Klarinette, Orgel, Tenor-Saxofon, Flöte und Mandoline bestehend aus Bildern und Kurzbeschreibungen. Mit der Mouse-Over-Funktion wird die Quelle sichtbar, die bei Bild und Beschreibung allerdings nicht die gleiche sein muss. In vielen Fällen ist es das englische Wikipedia, das die Erklärung liefert. Klickt man auf den Quellenlink, landet man dort auf der Seite. Am Ende der Tabelle führt der Link „Add next 10 items“ zu weiteren zehn Instrumenten: Fagott, Gitarre, Bratsche und so weiter.

          Die ersten Treffer bei „instruments” sind plausibel: Piano, Cello, Klarinette usw.

          Der Suchbegriff funktioniert ebenso solide wie bei dem Beispiel „cars“. Die Tabelle reiht Bilder auf mit Chevrolet, Honda, Nissan, Dodge, Toyota und so weiter. Die Liste der Instrumente und Autos ist wahrscheinlich nicht vollständig, aber sie ist zumindest sehr lang. Bei den gelisteten Automarken funktioniert allerdings die Beschreibung eher selten. Der Ausschnitt der jeweiligen Quellenseite bringt häufig keine sinnvolle Information. Dafür gibt es in weiteren Spalten Angaben zu Benzinsorte, Sitzanzahl oder Ladegewicht.

          Ein Stich gegen Bing oder WolframAlpha?

          Bei der ersten Nutzung wird einem nicht ganz klar, was der Zweck von Google Squared ist. Die Suche ist eingeschränkt auf Kategorien oder Gattungen, unter die Exemplare oder Arten fallen. Es funktioniert bei Metallen, Pflanzen, Elementen und Planeten. Es scheitert bei Twitter, Merkel und Berlin. Wer sich das vorher klar macht und eine willkürliche Auswahl von Beispielen seines Suchbegriffs übersichtlich gestaltet haben will, wird häufiger bei Google Squared unterwegs sein.

          Googles neuestes Spielzeug könnte allerdings eine Reaktion auf die frisch präsentierten Suchmaschinen Bing und WolframAlpha sein. Die beiden unterscheiden sich von Google unter anderem dadurch, dass Microsofts Suchmaschine eine Kategoriendarstellung anbietet. Sucht man etwa nach der Sängerin Beyoncé oder Britney Spears, zeigt Bing in der linken Spalte die Treffer nach den Kategorien Videos, Konzerttickets oder Liedtexten sortiert an. WolframAlphas Vorzüge sind statistische, tabellarische und anschauliche Aufbereitungen von Ergebnissen. Und die Darstellungsform ist ebenfalls eine Tabellenform.

          Doch schon WolframAlpha hat die Schwäche offenbart, dass der Nutzer nur eingeschränkt suchen kann. Die besten Ergebnisse liefert die Maschine bei der Suche nach naturwissenschaftlichen oder geographischen Informationen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass WolframAlpha auschließlich auf Datenbestände zugreift, die für diese Suchmaschine aufbereitet wurden. Ein ähnliches Problem dürfte Google Squared haben: Es wird jede Menge Suchbegriffe geben, zu der es keine oder nur sinnlose Tabellen gibt. Eine schnelle und erstaunlich gute Antwort hat Google jedenfalls auf Microsofts jüngste Veröffentlichung von Bing gegeben.

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