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Streit mit Google : Streben nach mehr Freiheit für die Android-Apps

  • -Aktualisiert am

Android App Entwickler streben nach mehr Unabhängigkeit Bild: dpa

Die Entwickler fühlen sich von Google bevormundet. Ein neues mobile Betriebssystem soll das Autoradio und andere Unterhaltungssysteme steuern. Doch wer erntet die Fahrzeugdaten?

          3 Min.

          In der Android-Entwicklergemeinde gärt es. Viele Programmierer fühlen sich von Google bevormundet. Sie glauben nicht mehr, dass das Google-Management wirklich am Android-Betriebssystem als einer offenen und freien Software interessiert ist. Deshalb streben sie nach mehr Unabhängigkeit von Google. In der kalifornischen Konzernzentrale wird die vor allen Dingen in Europa zu beobachtende Absetzbewegung der Entwickler durchaus ernst genommen.

          Schon auf der Droidcon-Entwicklerkonferenz Anfang Juni in Berlin wurde intensiver als je zuvor über die Perspektiven von Android als Open-Source-Projekt diskutiert. „Android wird meiner Ansicht nach immer Open Source bleiben“, sagte zum Beispiel Friedger Müffke, ein Entwickler der ersten Stunde. Gleichwohl gab er aber auch zu bedenken: „Es gibt natürlich die Entwicklung, dass Google viele Features in Google Services einbaut und damit eine Abhängigkeit schafft.“

          Zugriffsrechte von Apps eigenständig verwalten

          Und genau das missfällt den Codern. Denn Google hatte zunächst mehr Autonomie in Aussicht gestellt. Anfangen wollten sie damit bei den Anwendern. So kann im neuen Android M der Smartphone- oder Tablet-Besitzer Zugriffsrechte von Apps eigenständig verwalten. Bei der Installation kann er festlegen, welche Rechte er der jeweiligen App einräumen will. Denn eine App zum Sprachenlernen muss nicht unbedingt auf die Kontaktdaten des Handybesitzers zugreifen.

          Doch dieser Fortschritt wird ein wenig konterkariert, weil unter Android M App-Daten großzügig auf Google-Servern gespeichert werden. So mancher Entwickler hat sich deshalb gefragt, ob er in seine App unter Android M nicht einfach eine Routine integriert, mit der der Nutzer die Speicherung seiner Daten auf Google-Servern verbieten kann. „Das wäre so eine Art Opt-Out-Lösung“, erklärt der in Düsseldorf ansässige Android-Spezialist Marius Mailat.

          Microsoft bietet Clouddienste für Android-Entwickler an

          In der Google-Zentrale ist man von solchen Überlegungen nicht erbaut. Und Google-Manager haben auch schon auf diversen Entwicklerkonferenzen darauf hingewiesen, dass sie von solchen Plänen nichts halten. „Wer für seine Apps auf Google Services angewiesen ist und sie über Google Play verkaufen will, wird eine solche Option nicht in seine Apps aufnehmen“, erklärt ein App-Entwickler, der seinen Namen nicht genannt haben möchte - mit der Begründung, dass er keinen Stress mit Google wolle.

          Boris Jebsen, Mitorganisator der Berliner Droidcon, lässt solche Argumente nicht ohne weiteres gelten. „Man ist als Android-Entwickler nicht darauf angewiesen, Google Services in Anspruch zu nehmen“, sagt Jebsen. So bietet etwa Microsoft Clouddienste für Android-Entwickler an. Amazon unterhält einen App Store, über den der Vertrieb unabhängig von Google organisiert werden kann. Und auch Sony oder Intel bieten eine ganze Palette an Dienstleistungen und Unterstützungen für unabhängige Entwickler.

          Mobile Betriebssystem soll das Autoradio und andere Unterhaltungssysteme steuern

          Gleichwohl stehen die Google Services für die meisten Entwickler noch immer im Mittelpunkt. Wesentlichen Schub erhält die Diskussion durch den zunehmenden Einsatz von Android im Auto. Dort soll das mobile Betriebssystem das Autoradio und andere Unterhaltungssysteme steuern, das Navigationssystem betreiben und Fahrzeugdaten sammeln.

          An solchen Fahrzeugdaten, vom Brems- und Beschleunigungsverhalten über Fahrzeiten und -ziele bis hin zur bevorzugten Musikrichtung der Fahrzeuginsassen, sind viele interessiert. In erster Linie natürlich Google, weil über Android im Auto auch hervorragende Zugriffsmöglichkeiten auf diese Daten bestehen.

          Automobilhersteller haben Mitspracherecht

          Werden dem Fahrer hier Wahlmöglichkeiten in den unterschiedlichen Auto-Apps gewährt, welche Daten Android im Auto nach Hause funken darf, also auf Google-Server ablegen kann, wäre eine heftige Einschränkung dieses Geschäftsmodells die Folge. Das will Google verhindern. Ein gewichtiges Mitspracherecht haben da freilich die Automobilhersteller. Doch obschon für mehr als 30 Automarken Android M als Betriebssystem bereits angekündigt ist, haben sich die Automobilbauer noch nicht dazu geäußert, wie sie es mit Open Source und der Herrschaft über die Daten halten wollen.

          Wie sich die Automobilhersteller hier positionieren, wird nach Meinung von Marktbeobachtern davon abhängen, wie die Datenschutzdebatte in den nächsten Monaten in Europa verlaufen wird. Die Autobauer haben kein Interesse daran, Google das Geschäft mit den Fahrzeugdaten zu überlassen. Dass sie sich aber deshalb auf die Seite der unabhängigen Entwickler schlagen werden, ist auch nicht entschieden.

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