https://www.faz.net/-gy9-9bcr6

Neuer Streamingdienst im Test : Hat Google mit Youtube Music den Spotify-Killer?

So sieht das neue Youtube Music aus. Bild: Screenshot Dettweiler

Selbst Apple konnte Spotify nicht aus dem Markt drängen. Nun wird es noch enger im Kreis der Streamingdienste. Youtube Music von Google ist da - und versteht, was wir hören wollen.

          In Deutschland gibt es seit diesem Montag einen weiteren Streamingdienst: Mit Youtube Music will sich Google mit Spotify, Apple Music, Deezer, Amazon Music und anderen Mitbewerbern messen. Kosten und Zugang sind ähnlich. Für zehn Euro monatlich gibt es Millionen von Liedern in einer App zum Streamen. Ebenso lässt sich über einen Desktop-Player die Musik hören. Und es gibt eine werbefinanzierte Variante, die kostenlos ist und eine eingeschränkte Funktionalität hat.

          All das konnte Googles Play Music auch schon. Warum bietet das Unternehmen nun ein neues Produkt an, und mit welchen Funktionen will Youtube Music Kunden locken? Schließlich haben Anbieter wie Spotify auch die Apple-Music-Attacke überstanden. Wir haben Youtube Music bereits getestet, um herauszufinden, was an diesem Streamingdienst besser sein soll. Einen Nachteil schon mal vorab: Im Vergleich zu allen anderen Streamingdiensten hat Youtube Music derzeit mit 128 Kilobit pro Sekunde im AAC-Format eine sehr starke Kompressionsrate. Die soll sich laut Google „bald“ erhöhen auf 256 Kilobit pro Sekunde. Das wäre dann eine konkurrenzfähige Audioqualität.

          Es liegt nahe, dass das Besondere etwas mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat, weil Google in diesen Bereich viel investiert, reichlich Erfahrung hat und Erfolge bei anderen Anwendungen vorzeigen kann. Wir würden das KI-Gerede gern zur Seite schieben und von einem klugen Algorithmus schreiben. Wohin der Weg führt, erkennt der Nutzer bereits kurz nach dem Öffnen der App.

          Dann soll man zunächst in einer Liste anklicken, welche Musiker man mag. Scrollt man los, ohne zu klicken, scheint die List unendlich lang. Wir kamen vorbei an Ed Sheeran, Taylor Swift, Paul Kalkbrenner, Cro, Abba, Rammstein, Nils Frahm, Udo Jürgens, Kendrick Lamar, Helene Fischer, Wolfgang Amadeus Mozart, Igor Strawinsky, Max Giesinger und Johann Sebastian Bach. Nach dem 400. Musiker sind wir dann zurück auf Start und haben uns entschieden. Google wollte gar nicht so viele Hinweise, nach einigen Dutzend Musiker-Klicks gab sich der Algorithmus schon zufrieden.

          Warum Mark Forster ähnlich wie Pink Floyd ist, versteht auch nur Google. Bilderstrecke

          Während des Künstler-Klickens fühlt man sich an einen Psycho-Tests erinnert, in denen man schon bei der Auswahl überlegt, was sie später in der Gesamtbewertung bewirken könnte. U2 anklicken oder nicht? Coldplay, ja oder nein? Soll Led Zeppelin in die Liste aufgenommen werden? Früher gehörten die Bands zur Favoritenliste. Wenn eines ihrer Lieder im Radio oder auf einer Party erklingt, macht es Spaß, aber aktiv hören wir sie nur selten. Andererseits entdeckt man Musiker, die man immer schon hören wollte, und könnte jetzt die Gelegenheit nutzen, sie kurzerhand zu Favoriten zu erklären.

          Interessanterweise führt Google einige Künstler auf, die in Spotify zu unseren Favoriten gehören, aber eigentlich im Vergleich zu den anderen aufgeführten Musikern so unbekannt erscheinen, dass die Vermutung nahe liegt, ein anderer Google-Algorithmus hätte schon mal Daten gesammelt. Ein paar Beispiele: The War on Drugs, Jon Hopkins, Carl Graig, Bap oder Aphex Twin. Die hätten wir zwischen Helene Fischer und Robbie Williams nicht unbedingt erwartet.

          Die Startseite ist dynamisch

          Wie auch immer: Hat der Algorithmus sein Futter bekommen, kann es losgehen. Dann wird es erwartbar und etwas langweilig. Die App schlägt folgendes Kategorien oder Playlists vor: “Musik zum Durchstarten”, “Neuerscheinungen”, “Entspannter Morgen”, “Musik für die Arbeit”, “Ähnlich wie George Michael”, “Glücklich in den Tag”, “Sommer, Sonne, Sonnenschein”, “Brandneue Musik” und “Ähnlich wie Edgar Varèse”. Weil die App Youtube Music heißt, dürften natürlich “empfohlene Musikvideos” nicht fehlen. Die sind unterteilt in “Live-Auftritte” und “Neue Videos”.

          Weitere Themen

          Drinks mit KI Video-Seite öffnen

          Roboter ersetzt Barkeeper : Drinks mit KI

          An der Roboter-Bar in Prag werden die Drinks über einen Touchscreen bestellt. Dabei stehen 16 Cocktails zur Auswahl. Die Maschine schafft bis zu 80 Cocktails pro Stunde.

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.