https://www.faz.net/-gy9-9bcr6

Neuer Streamingdienst im Test : Hat Google mit Youtube Music den Spotify-Killer?

Die Empfehlungen auf der Startseite sind dynamisch und wechseln mit dem Nutzerverhalten. So empfiehlt Youtube Music heute unter anderem “Ähnlich wie Kraftwerk”. Darin findet sich zum Beispiel eine Playlist von “New Order” oder “Hypnotischer Krautrock”, was uns an dem Algorithmus zweifeln lässt. Unter “Meine Favoriten” wartet übrigens “Mein Mixtape”, ein “endloser personalisierter Mixtape”, bestehend aus zufällig ausgewählten Liedern der Musiker, die am Anfang zu Favoriten auserkoren wurden.

Erfreulich ist die reduzierte Konzeption der App. Die untere Leiste besteht aus Start, Hotlist und Bibliothek. Letztere ist bekannt von Streamingdiesten wie Spotify. In Youtube Music werden dort verwaltet: Downloads, Playlists, Alben, Songs, die ich mag, und Künstler. Das ist schön überschaubar und häufig entspannter als die Komplexität anderer Streamingdienste. Aber es lässt sich nicht -- wie bei Spotify -- eine strukturierte Playlist-Ordnung erstellen. Dafür setzt Google zu sehr auf seinen Algorithmus, der sowieso weiß, was man gern hört.

Zeile suchen, Lied finden

Youtube Music genügt es sogar, dass Nutzer nur eine Textzeile eingeben, also gar nicht den Titel des Songs kennen. Dann hilft die “Smart Search”. Wir haben einige ausprobiert. Bei diesen Zeilen klappt es:

“There is something in my head but it’s not me”: Braindamage von Pink Floyd

“Alles tanzt alles lacht”: Hulapalu von Andreas Gabalier

“Body or a boy make”: We will rock you von Queen

“We are just two lost souls”: Wish you were here von Pink Floyd

“Der pisst höchstens a zet in de schnie“: Kristallnaach von BAP

“Du in deinem Einfamilienhaus lachst mich aus”: Mein Block von Sido

“And now you do what they told ya”: Killing in the name of von Rage against the machine

F.A.Z. Digitec: jetzt testen!
F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

Mehr erfahren

Bei diesen Zeilen listet Youtube Music nur das Video:

“Your sister's gone out, she's on a date”: Captain Jack von Billy Joel

“I saw you dance in the devil's arms”: Monster von Mumford & Sons

Das Mixtape immer dabei

Diese Funktion macht Spaß und ist praktisch. Google behauptet sogar, es müsste nur ungefähr passen. Youtube Music lässt sich auch mit einer semantischen Suche füttern. Die beiden einzigen Beispiele von Google: „Titelsong von Til Schweiger Film“ und „Dieser Rap-Song mit der Flöte”. Dann erscheint “Go Solo“ von Tom Rosenthal und „Mask Off“ von Future. Leider fielen uns kaum smarte Beispiele ein, um diese Funktion zu testen. “Dieser Rock-Song mit dem Pfeifen” führt nicht zu Wind of Change von den Scorpions.

Eine weitere schöne Funktion gibt es noch: Youtube Music lädt - wenn man zustimmt - im Offline Mixtape automatisch bis zu hundert Lieder aus dieser Playlist, sodass auch für ein paar Stunden Musik gesorgt ist, wenn keine Mobil- oder W-Lan-Verbindung zur Verfügung steht. Das geht schnell, denn die Kompressionsrate der Lieder, die heruntergeladen werden, ist nur 128 Kilobit pro Sekunde. Somit sind die Dateien relativ klein.

Wie intelligent wird der Algorithmus?

Auf den ersten Blick ist Youtube Music kein Streamingdienst, der die Kunden von Spotify, Apple Music weglocken kann. Zu sehr ähnelt das Produkt der Konkurrenz. Die Smart Search ist nett, mitunter praktisch und recht zuverlässig. Aber allein aus diesem Grund wird keiner wechseln, gerade dann nicht, wenn die aktuelle App mit gut gepflegten, selbst erstellten Playlists bestückt ist.

Es sei denn, es stellt sich im Laufe der nächsten Monate heraus, dass der kluge Algorithmus doch den Namen Künstliche Intelligenz verdient hat und die Empfehlungen maßgeschneidert sind. So formuliert Google seine Ansprüche: “Je mehr einem gefällt und man anhört desto genauer werden die Empfehlungen.“ Dann werden auch die Freunde von Apple Music, die seine von Redakteuren kuratierten Playlists mögen, möglicherweise über einen Wechsel nachdenken.

Weitere Themen

Topmeldungen

Wada-Ermittler Younger: „Uns ging es nicht darum, Russland zu diffamieren, sondern die Wahrheit herauszufinden.“

Wada-Chefermittler Younger : „Die Russen löschten im großen Stil“

Günter Younger, Doping-Ermittler der Wada, hat mit seinem Team Manipulationen durch russische Behörden bewiesen. Im Interview spricht er über Ermittlungsmethoden und russische Athleten, Trainer und Offizielle, die Doping „satt hatten“.
Die Kulisse steht: Der Saal der Semperoper in Dresden.

Umstrittene Ehrung für El-Sisi : Ärger um den Semperopernball

Der Chef des Semperopernballs hat dem ägyptischen Staatschef El-Sisi einen Preis verliehen. Das trug ihm heftige Kritik ein. Nun könnte der Ball platzen, die Moderatoren Judith Rakers und Roland Kaiser drohen mit Absage. Was wird jetzt?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.