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Apple Music im Test : Musik für die Massen

Groß angekündigt, aber beileibe keine Revolution: Apples neuer Streaming-Dienst „Apple Music“ Bild: dpa

Am Dienstagabend ist Apple Music gestartet. Der neue Streaming-Dienst soll eine Revolution - und ein Spotify-Killer - sein. Aber ist er das wirklich? Wir haben verglichen.

          5 Min.

          Apple Music ist da - und die Spekulationen haben ein Ende. Sie begannen im November des letzten Jahres mit Medienberichten, dass Apple einen Streaming-Dienst präsentieren wird. Anfang Juni wurden die Gerüchte konkreter, als Tim Cook auf der Keynote des WWDC in San Francisco mehr Details zu Apple Music bekanntgab.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wegen der hektischen Bühnenshow konnte man sich damals als Zuschauer allerdings noch nicht wirklich vorstellen, wie Apple Music funktioniert. Aber eine Einordnung bezüglich der Konkurrenz von Spotify, Deezer, Google Play Music, Napster und Xbox Music war durchaus möglich.

          Installation

          Seit diesem Dienstagabend liegt die Wahrheit nun auf dem iPhone. Der neue Streaming-Dienst „Apple Music“ ist in die iOS-App „Musik“ integriert, die jeder schon auf seinem iPhone oder iPad hat und nur aktualisieren muss. Das bedeutet im ersten Schritt die Aktualisierung des Betriebssystems auf iOS 8.4. Selbst kurz nach Veröffentlichung am Dienstagabend dauerte die Installation im heimischen W-Lan „nur“ 20 Minuten. Danach muss man auf die App „Musik“ klicken, um sich anzumelden.

          Preis

          Die ersten drei Monate sind kostenlos, danach kostet der Streamingdienst - ähnlich wie die Angebote der Konkurrenz - 9,99 Euro im Monat. Interessant für manche Nutzer könnte das Abo „Familie“ für 14,99 Euro monatlich sein: Bis zu sechs Personen dürfen dann gleichzeitig Apple Music nutzen.

          Abgerechnet wird nach drei Monaten - und zwar automatisch Bilderstrecke
          Abgerechnet wird nach drei Monaten - und zwar automatisch :

          Der Betrag wird nach den drei Monaten automatisch über das iTunes-Konto abgebucht. Das ist gleichzeitig praktisch und verlockend für den Nutzer. Er muss sich nicht mehr separat irgendwo anmelden. Für viele bequeme Nutzer, die noch keinen Streaming-Dienst abonniert haben, dürfte damit die Entscheidung gefallen sein. Neugierige sollten trotzdem aufpassen: Wer nur die drei Monate testen will, muss das Abo aktiv beenden.

          Titelangebot

          Zahlen über das Titelangebot wie 20 Millionen (Spotify) oder 30 Millionen (Apple Music) bis hin zu 35 Millionen Liedern (Deezer) sagen wenig aus. In der Regel findet man bei allen populären Streaming-Angeboten die Musik, die man sucht. Der Geschmack muss noch nicht einmal Mainstream sein. Selbst eher unbekannte Tracks aus dem Techno-Bereich lassen sich häufig finden. Worauf die Anbieter nun stattdessen setzen (und was man von den Video-Streaming-Diensten schon kennt), sind exklusive Songs und Alben. Nach dem Motto „Willst du etwas Bestimmtes, musst du zu uns kommen“ wirbt Apple mit dem neuen Song „Freedom“ von Pharrell Williams und dem Album „1989“ von Taylor Swift. Im Gegenzug kann Spotify damit angeben, dass Musikfans nur bei ihnen alle Rammstein-Alben hören können. Auch AC/DC haben jetzt kapiert, dass man an Streaming nicht mehr vorbei kommt. Ihre Alben gibt es sowohl auf Apple Music als auch auf Spotify.

          Apple Music : Apple startet Musik-Streamingdienst

          Bedienung

          Es dürfte niemanden überraschen, dass die App sehr schick gestaltet ist, reibunglos funktioniert und in das Betriebssystem perfekt integriert ist. Die Albumcover und Porträtfotos wirken gestochen scharf und sind größer als etwa bei Spotify. Es gibt am unteren Rand die fünf Zugänge „Für dich“, „Neu“, „Radio“, „Connect“ und „Meine Musik“. Am rechten oberen Rand lässt sich nach Liedern suchen. Etwas unübersichtlich wird es, wenn man in den Rubriken nach unten scrollt. Beispiel „Neu“: So sind untereinander angeordnet „Neue Musik“, „Aktuelle Songs“, „Kürzlich erschienen“, „Top-Titel“, „Tolle Playlists fürs Workout“, „Auf Connect entdeckt“, „Newcomer im Spotlight“ und so weiter. Da hat Apple zu viel gewollt. Der Nutzer verliert da leicht den Überblick.

          Ein ausgewähltes Lied kann auf verschiedene Weisen behandelt werden. Es kann auf eine „Nächste Titel“-Liste oder Playlist gesetzt, zu „Meine Musik“ hinzugefügt oder offline bereitgestellt werden. Diese Möglichkeiten sind vielfältig, aber nicht einmalig. Spotify bietet nahezu die gleichen Auswahlmöglichkeiten an.

          Qualität

          Apple Music streamt in einer Auflösung von 256 Kilobit pro Sekunde im AAC-Format. Spotify schafft bis zu 320 kbit/s im MP3-Format und Tidal unkomprimierte CD-Qualität. Für den Einsatz auf dem Smartphone mit einem durchschnittlichen Kopfhörer dürfte Apples und Spotifys Streaming-Qualität reichen. Wer seine CDs und Platten verkauft hat und auch zu Hause an seiner hochwertigen Anlage gestreamte Musik hört, sollte die Angebote miteinander klanglich vergleichen. Musikliebhaber mit sehr guten Ohren könnten sich dann möglicherweise doch für Tidal entscheiden. Sowohl der Betrieb im W-Lan als auch mit einer Mobilfunkverbindung funktionierten im Test sehr gut. Die Lieder starteten nach ein bis zwei Sekunden und brachen nicht ab.

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