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Steve Wozniak : Der Brüter vom Silicon Valley

Steve Wozniak: Der Erfinder des PC Bild: AFP

Er hat Apple gegründet und den PC erfunden. Dann stahl ihm Steve Jobs die Show. Jetzt kämpft Steve Wozniak um seinen Platz in der Geschichte. Doch in der Öffentlichkeit hat er einen schweren Stand - als Prototyp des Nerds.

          5 Min.

          Manche Menschen pflegen in den besten Tagen ihrer Jugend außergewöhnlich langweilige Hobbys wie das Amateurfunken. Sie blättern in Ingenieurzeitschriften, löten obskure Geräte zusammen, und bums! haben sie die Welt verändert. Vielleicht hätte ein zärtlicher Kuß alles verhindert. Aber kein interessiertes Mädchen kreuzte den Weg dieser einsamen Brüter.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          „Ich habe mich weiterhin mit Elektronik beschäftigt, als viele der anderen abends ausgingen, mit dem Trinken begannen und auch zu Knutschpartys gingen, so muß man sie wohl nennen“, schreibt Steve Wozniak. Man spürt in diesen Worten Verwunderung und leichte Empörung. Das muß 1965 oder 1966 in Sunnyvale mitten im heutigen Silicon Valley gewesen sein, Wozniak war 15 Jahre alt.

          Elektronik statt Knutschpartys

          40 Jahre später in einem Hotel in Frankfurt. Wozniak hat eine Reihe von Interviews hinter sich. Es geht um sein Buch iWoz, das jetzt auf deutsch erschienen ist. Er setzt sich für die Fotografin auf ein Sofa der Eingangshalle und versucht seinem Blick etwas Magisches zu geben, indem er seine Lider aufreißt. Gewöhnlich schaut Wozniak eher lauernd. Er trägt Bart, Pullover und einen Bauch. Er trinkt Tee und ist freundlich.

          Wozniak präsentiert sein Buch iWoz

          Dieser Mann hat das Leben vieler Menschen verändert. Er hat nicht nur die erste richtige Computerfirma Apple mitgegründet, er hat im Alleingang den Apple II konstruiert und damit das Vorbild für alle Personalcomputer, die danach folgten, gegeben. Wozniak hilft gerne, die Lebensleistung richtig einzuordnen. „Das, was Henry Ford für die Automobilindustrie war, das war ich in meiner Zeit, als ich die ersten Personal Computer sehen und konstruieren konnte.“ Ein Satz, wie ihn nur Amerikaner von sich geben können.

          Ein Angeber?

          Es wäre falsch, Wozniak als Angeber abzutun. Er sagt die Wahrheit. Zwei Männer haben Apple gegründet. Der eine heißt Steve Jobs, ist wieder Chef und immer noch Großaktionär von Apple, gilt als Retter des Konzerns, hält visionäre Reden auf Computermessen und hat der Welt zuletzt den iPod geschenkt. Jobs ist heute Apple. Und wer war noch mal der andere?

          Steve Wozniak geht es um Richtigstellung: „Vieles, was über mich geschrieben wird, ist falsch. Deshalb begann ich die Bücher über Apple und über die Entwicklung des Unternehmens aus tiefstem Herzen zu hassen. Da gibt es beispielsweise Geschichten, daß ich das College abgebrochen hätte - das stimmt nicht - oder daß ich von der University of Colorado geflogen wäre - stimmt auch nicht -, daß Steve (Jobs) und ich in der High School Klassenkameraden gewesen wären - wir waren einige Jahrgänge auseinander - und daß Steve und ich die ersten Computer gemeinsam konstruiert hätten - auch das stimmt nicht, ich habe sie ganz alleine gebaut.“

          Im Schatten von Steve Jobs

          Wozniak hat es schwer, die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. Er ist der Prototyp des Nerds. Das ist ein amerikanischer Ausdruck, für den das Internetlexikon Wikipedia folgende Übersetzung liefert: „Nerd ist eine meistens abwertend gebrauchte Bezeichnung für Personen, die sich besonders mit Computern oder anderen Bereichen aus Wissenschaft und Technik beschäftigen, deren soziale Kompetenzen aber entweder schwach ausgeprägt sind oder diesen Eindruck zumindest erwecken. Des weiteren liegen die Interessen der Nerds häufig bei Science fiction oder Fantasy. Manchmal wird als besondere Kennzeichnung ein überdurchschnittlicher Intelligenzquotient (IQ) genannt.“

          Wozniak wurde in der Schule ein IQ von über 200 bescheinigt. In der sechsten Klasse begannen seine Klassenkameraden, sich von ihm abzuwenden. Wozniak hat das nie richtig verstanden. Im Buch steht der nüchterne Satz: „Also gehörte ich nicht mehr dazu.“ Gleichzeitig hatte Wozniak eine Vorliebe für die Science-fiction-Figur Tom Swift jr., der Held einer Buchreihe war.

          Der Prototyp des Nerds

          Einen gravierenden Unterschied allerdings gibt es: Man ahnt eine große innere Kraft in Wozniak. Er wollte mit technischen Erfindungen die Welt besser machen und mit alten Regeln brechen.

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