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Spracherkennung : Jetzt wird in der Cloud diktiert

Wie gehabt muss jedoch am Mac die Integration in bestehende Anwendungs-Software als mangelhaft bezeichnet werden. Wir probierten Dragon 5 in Word 2016, in Pages und in Apple Mail. Alles läuft prima, bis der erste Fehler auftaucht. Mit den bekannten Befehlen aus der Windows-Welt kommt man nur begrenzt weiter, viele Standardkommandos fehlen, etwa „gehe zum Zeilenende“. Sobald man manuell mit der Tastatur in den Text eingreift, sind Hopfen und Malz verloren, fortan ist das Korrigieren und Bearbeiten mit Sprachkommandos nahezu unmöglich. Es wird falsch markiert, irrtümlich gelöscht und überschrieben. Es kann sein, dass ein neu hinzugefügter Satz zwei vorhergehende ohne Rückfrage löscht.

Zwei Leerzeichen statt einem eingefügt

Aber es sind nicht nur die Macken der Korrektur: Schon beim Diktat, selbst wenn es fehlerfrei erkannt wird, ist man genervt, dass immer wieder zwei Leerzeichen statt einem eingefügt werden. Bei der Übersetzung der Bildschirmtexte ins Deutsche wurde schlampig wie nie gearbeitet: Im Hilfefenster angezeigte Befehle wie „Wählen 1“ für die Festlegung von Formaten, etwa bei Währungen, werden nicht richtig umgesetzt, weil richtigerweise „Nimm 1“ zu sagen wäre.

Dass wir mit dieser Version 5 nicht ganz brechen wollen, ist an erster Stelle der faszinierend hohen Erkennungsleistung geschuldet: Je besser man diktieren kann, je flüssiger das Diktat läuft, umso fehlerfreier ist die Transkription - und man wird vom ganzen Korrektur-Kuddelmuddel weitgehend verschont. Auch das Arbeiten mit einem Diktiergerät gelingt prima, wenngleich die Mac-Version nicht in der Lage ist, DSS-Dateien umzusetzen, man nehme also MP3 und ein möglichst gutes Gerät mit Nebengeräuschunterdrückung. Die Transkription kann im Hintergrund erfolgen, man diktiert also zunächst alles in einem Rutsch in eine Datei - und erhält dann den fertigen Text nach einer gewissen Wartezeit.

Mac-Variante ist mit Einschränkungen brauchbar

Konnten wir im ersten Schritt schon mit dem eingebauten Mikrofon des Macbook 12 sehr ordentliche Ergebnisse erzielen, wechselten wir in einem zweiten das Mikrofon und passten das Philips Speechmike Premium an, was problemlos gelang. Es handelt sich dabei um eines der besten Diktiermikrofone für Spracherkennung in der Windows-Welt. Dankenswerterweise hat der Hersteller nunmehr auch seine Speechcontrol-Software für den Mac bereitgestellt, so dass man die Tasten des Handmikrofons zum Beispiel für Start und Pause der Aufnahme nutzen kann. So sehr man sich über diesen Komfort auch freut: Wer die Finessen der Korrektur nutzen möchte, findet in der Mac-Welt leider nur einen Bruchteil der Möglichkeiten aus Windows vor. Das gilt auch für die Funktionalität der Software insgesamt. Vorläufiges Fazit: Die Mac-Variante ist mit Einschränkungen brauchbar, und zwar umso eher, je besser man diktieren kann.

Abschließend ein Blick auf die mobilen Systeme mit Dragon Anywhere: Die Apps gibt es für iOS und Android, sie erlauben ein Live-Diktat, das nach jeder Sprechpause transkribiert wird. Dazu muss wie bei Siri eine Internetverbindung vorhanden sein. Man kann also nicht mit dem iPhone aufnehmen und später transkribieren lassen. Der Vorzug gegenüber Siri besteht nicht nur in der höheren Erkennungsleistung und der Integration des eigenen Vokabulars, sondern in vielen Möglichkeiten der Weiterbearbeitung. Allerdings gibt es keinen „Korrigier das“-Befehl, um neue Begriffe mit der Verbesserung falsch erkannter lernen zu lassen. Während die Android-App derzeit noch sehr fehlerhaft läuft, zeigt sich auf dem iPhone eine neue Welt der Spracherkennung, die durchaus begeistert. Wer diktieren kann und will, braucht nicht mehr als sein Smartphone. Das ist die Vision, und sie zeigt in eine Zukunft ohne Tastatur und Maus. Sich dafür zu wappnen, heißt das Diktieren zu lernen.

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