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Sportuhr oder Smartwatch? : Sie haben es an der Hand

Hermes Edition: Apple Watch Series 3 mit Mobilfunk für 1400 Euro. Bilderstrecke

Dass Smartwatches und Sportuhren gleichermaßen Informationen vom Handy aufs Handgelenk bringen, ist mittlerweile selbstverständlich. Meist lässt sich fein einstellen, was wie ankommt: Der Facebook-Hinweis lautlos, allein an einem Symbol erkennbar, die Whatsapp-Nachricht mit Vibration und nur das Wichtigste auch akustisch. Selbst die Nutzung der Uhr als Freisprecheinrichtung für das per Bluetooth angebundene Telefon ist kein Hexenwerk.

Hilferuf vom Handgelenk

Eine Ausnahme ist die Uhr mit eingebauter Sim-Karte für Telefonate ohne jedes Smartphone in der Nähe. Die Samsung Gear S2 3G (für rund 200 Euro) und die neue Apple Watch Series 3 verwenden dazu eine E-Sim, eine fest eingebaute Sim-Karte, die allerdings einen Zusatztarif erfordert. Wir haben die Telefonie mit der Apple Watch ausprobiert, es ist faszinierend. Man selbst hört zwar das Gegenüber ob der kleinen Uhren-Lautsprecher etwas blechern, aber die Angerufenen merkten in der Regel nicht, dass über eine Uhr telefoniert wurde, sogar im fahrenden Auto mit entsprechenden Nebengeräuschen. Besser wird der Klang für den Anrufer, wenn er mit Apples Ohrhörern Airpod telefoniert, dann ist der Unterschied zum Smartphone kaum zu hören. Allerdings funktioniert die Telefonie nur in Gegenden mit LTE oder UMTS-Mobilfunk, und sie kostet viel Akku-Laufzeit. Jedoch kann der Jogger im einsamen Wald auf diese Weise schnell Hilfe rufen.

Seine Sportergebnisse muss der Besitzer einer Apple Watch jedoch noch immer am iPhone auswerten. Das geschieht mit der neuen Series 3 in zwei Apps: Aktivität zeigt Rundenzeiten, Streckenverlauf, Geschwindigkeiten und Höhenmeter und ganz neu eine Pünktchengrafik der gemessenen Herzfrequenz. Hier entdeckt man sogleich den ersten Minuspunkt der Apfeluhr: Sie misst zwar sehr präzise, aber die Messung setzt gelegentlich aus. Die Durchschnittsherzfrequenz ist dann falsch. Die Health-App kennt nun neben vielen Gesundheitsdaten auch die Herzfrequenzvariabililtät und die VO2max- Sauerstoffaufnahme. Beide Werte sind für optimales Training und die Kontrolle der eigenen Leistung wichtig.

Wer noch viel mehr Details sehen will, werfe einen Blick auf die gehobenen Sportuhren etwa von Suunto (ab 400 Euro), Polar (ab 200 Euro) oder von Garmin. Von diesem amerikanischen Hersteller haben wir das hauseigene Sportsystem Connect einige Monate erprobt. Mit ihm arbeiten die Garmin Fenix (ab 600 Euro) oder die günstigere Forerunner (ab 200 Euro) zusammen. Hier ist nicht nur die Herzfrequenzmessung besser, sondern auch die Analytik jedes einzelnen Workouts. Während unseres 5-Kilometer-Laufs am vergangenen Sonntag hatten wir demnach durchschnittlich 170 Schritte in der Minute, das ist befriedigend. Die Balance der Bodenkontaktzeit, gemessen mit einem zusätzlichen Brustgurt, war auch nicht so toll. Die Garmin-Uhr berechnet Trainingseffekte, die Laktatschwelle und viele weitere Werte. Im Klartext liest man dann, dass zum Beispiel die Trainingsbelastung der vergangenen Wochen zu hoch gewesen sei und der Körper mehr Erholung benötige. Oder dass man sich nach einer reduzierten Trainingsbelastung jetzt in Höchstform befinde. Die Darstellung erfolgt übersichtlich im Web-Browser. Man ist also nicht an ein bestimmtes Smartphone gebunden.

Die Inhalte sind entscheidend

Um Leistungen zu vergleichen oder virtuelle Wettrennen zu starten, verbindet man sich in der Garmin-Welt mit anderen Sportlern oder Familienmitgliedern. So sieht man, dass der Neffe gerade zehn Kilometer in weniger als 45 Minuten gelaufen ist. Noch mehr Wettbewerb, sogar mit automatischer Auswertung, enthält der Menüeintrag „Segmente“ in Garmin Connect: Hier zeigt die Software einzelne Wegstrecken aus eigenen Aktivitäten im Vergleich mit Garmin-Sportlern, die ihr Profil veröffentlicht haben. So schnell waren andere beim Laufen oder Radfahren auf Strecken, die man selbst absolviert hat. Zudem kann man Trainingspläne am Rechner erstellen und zur Uhr senden. Ein Kräftemessen mit der Apple-Uhr und Dritten gelingt ebenfalls. Man verbindet sich mit anderen Personen und erhält eine tägliche Trainingsübersicht der Sparringspartner in der App Aktivität.

Wenn man es ernst meint mit einer Sportuhr oder Smartwatch, steht also die Beschäftigung mit den jeweiligen Ökosystemen ganz oben auf der Prioritätenliste: Nicht mehr die Uhr an sich ist in Zukunft wichtig, sondern ihre Einbindung in Betriebssysteme und Sport-Datenbanken. Liegt der Fokus eher auf Assistenz am Handgelenk, gilt Gleiches: Die Uhr der Zukunft ist nur das Terminal, die Inhalte sind entscheidend.

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