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Garmin Vivoactive 3 im Test : Mit den Genen der großen Brüder

Sportsfreund: Garmin Vivoactive 3. Bild: Hersteller

Es muss nicht immer teure Spitzentechnik sein, aber verlässliche Resultate sind wichtig. Die Vivoactive 3 von Garmin bietet viel Finesse für einen moderaten Preis.

          Es muss nicht immer teure Spitzentechnik sein. Wir suchten eine günstige Sportuhr, die zur regelmäßigen Vermessung der körperlichen Ertüchtigung taugt. Billige Sportarmbänder zu Preisen von 100 Euro oder weniger sind schnell defekt, und im Training sieht man auf meist viel zu kleinen Anzeigen so gut wie nichts. Verlässliche Resultate beim Erfassen von Radtouren, Lauftraining und Crosstrainer-Aktivitäten waren ebenfalls gefordert, und schließlich sollte der Kandidat in eines der großen Ökosysteme für die Sportanalytik eingebunden sein.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Wahl fiel auf die Vivoactive 3 von Garmin, die es in zwei Versionen gibt. Eine mit Musikunterstützung für empfohlene 330 Euro und die von uns erprobte ohne Musik für 300 Euro. Die günstigere Version ist mit 11,7 Millimeter deutlich flacher als die teure, die 13,6 Millimeter misst. Der Unterschied scheint gering zu sein, macht sich aber spätestens dann bemerkbar, wenn man die Uhr auch jenseits sportlicher Aktivitäten im Alltag tragen will. Zwar ist die Vivoactive nicht ganz so flach wie eine Apple Watch (10,7 Millimeter), aber sie passte jedenfalls bei uns noch unter den Hemdärmel.

          Im Vergleich mit den professionellen Sportuhren für besonders ambitionierte Menschen fallen indes einige Unterschiede auch jenseits der Größe sofort auf: Es gibt nur eine einzige Seitentaste zur Bedienung, während die Profimodelle mit mehreren Tasten ein präzises Bedienen mit wenig Aufmerksamkeit auch dann erlauben, wenn es schnell oder gar hektisch zugeht. Garmin verwendet für die Vivoactive neben der physischen Taste eine berührungsempfindliche Anzeige, auf der man mit einem vertikalen Fingerwisch durch unterschiedliche Bildschirme blättert. Der linke Seitenrand der Uhr ist eine Sensorfläche, die ebenfalls mit Streichbewegungen eine Bedienung erlaubt. Das alles funktioniert ganz gut, lässt aber das letzte Quentchen Professionalität vermissen. Man will sich nicht so viele Gedanken machen über die Bedienung. Am Ende eines Schwimmtrainings drückten wir die Seitentaste wohl zu lange, und die gesamte Trainingsaufzeichnung war futsch.

          Das Display ist gut ablesbar

          Die Verarbeitungsqualität der Vivoactive ist ganz in Ordnung, das Gehäuse besteht aus Polymer, dazu kommt Gorillaglas, die Lünette wirkt allerdings billig. An der Unterseite messen drei grüne Leuchtdioden fortwährend die Herzfrequenz. Mit dem dreipoligen Ladeadapter von Garmin kann der Uhrenakku wieder befüllt werden. Er hielt bei uns – eine Sportaktivität pro Tag – rund vier bis fünf Tage durch. Die Uhr ist wasserdicht bis fünf Meter Tiefe, und das Display ist mit und ohne Beleuchtung gut ablesbar.

          15 Sportarten mitsamt Datenfeldern sind abrufbar, weitere kann man online laden. Die Uhr misst VO2max, also die maximale Sauerstoffaufnahme, die wiederum die Ausdauerleistungsfähigkeit wiedergibt. Die Messwerte waren identisch mit jenen der Garmin Fenix 5X Plus. Ein Brustgurt lässt sich mit Bluetooth oder ANT+ anschließen, und es gibt natürlich auch die Anbindung ans Smartphone mit Push-Meldungen und Anrufsignalisierung. Nur telefonieren kann man mit der Uhr nicht, W-Lan zur Datenübertragung fehlt, und die GPS-Genauigkeit bei Läufen in der Stadt lässt wie gehabt zu wünschen übrig, ein altes Garmin-Problem.

          So gut wie alles für so gut wie alle nur denkbaren Trainings kann man konfigurieren, anpassen, einstellen. Am Ende des Tages fließt alles in Garmin Connect auf dem Smartphone oder im Web-Browser zusammen. Man bekommt also ein leistungsfähiges und flexibles Auswertungssystem für seine eigenen Aktivitäten. In Garmin Connect sieht man dann, wie sich Messwerte wie VO2max über die vergangenen Monate oder gar Jahre hinweg geändert haben, auch die neue Uhr fügt sich hier prima in den vorhandenen alten Datenbestand ein. Spannend wird es, wenn man die Uhr nicht nur während sportlicher Aktivitäten trägt, sondern ganztägig. So sieht man den Verlauf der Herzfrequenz über den Tag hinweg, Bewegungsphasen, Intensitätsminuten und einen berechneten Stresswert. Das kann sehr aufschlussreich sein. Insgesamt waren wir nach einigen Wochen mit der Vivoactive überrascht: Man bekommt sehr viel, und vor allem: valide Werte für einen moderaten Preis. Die Anbindung an das Ökosystem Garmin Connect ist ebenso ein Pluspunkt wie die Vielzahl der unterstützten Sportarten.

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