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Spielkonsolen : Microsoft greift mit Xbox One an

  • -Aktualisiert am

Der neue Controller der Xbox Bild: dpa

Der Softwarekonzern stellt die nächste Generation seiner Konsole vor, deren Absatz schwächelt. Die Konkurrenz billiger Smartphone-Spiele erschwert die Ausgangslage. Die neue Xbox soll über Spiele hinaus ein Multifunktionsgerät sein.

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          Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft Corp. hofft, eine seiner wenigen Erfolgsgeschichten im Geschäft mit der Konsumelektronik fortzuschreiben: Auf einer Pressekonferenz am Firmensitz in Redmond bei Seattle stellte das Unternehmen am Dienstag die nächste Generation seiner Videospielekonsole Xbox vor, die den Namen „Xbox One“ trägt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mehr noch als die aktuelle Version Xbox 360 soll die neue Konsole nach dem Willen von Microsoft zu einem Multifunktionsgerät werden, das neben Videospielen auch für andere Formen der Unterhaltung wie Fernsehen genutzt wird. Spiele für die Xbox 360 werden auf der neuen Konsole nicht funktionieren. Die Xbox One soll im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen, ein genaues Datum ließ Microsoft ebenso wie den Verkaufspreis noch offen.

          Spielkonsolen-Branche im Wanken

          Mit dem neuen Gerät befindet sich Microsoft in einer völlig anderen Ausgangslage als mit dem schon 2005 eingeführten Vorgängermodell, denn seitdem hat sich der Videospielemarkt dramatisch verändert. Smartphones und Tabletcomputer, die damals noch kaum auf dem Markt waren, sind zu konkurrierenden Plattformen für Videospiele geworden. Kostenlose und billige Spiele für diese Geräte haben das Geschäftsmodell der Branche mit Konsolen und zugehöriger Spielesoftware ins Wanken gebracht. In den Vereinigten Staaten ist der Umsatz mit Hard- und Software im vergangenen Jahr nach Angaben des Marktforschungsinstituts NPD Group um 22 Prozent gesunken.

          Der für das Videospielegeschäft von Microsoft verantwortliche Don Mattrick stellt in Redmond die Xbox One vor

          Microsoft hofft, dass die Xbox One zu einem Universalsystem im Wohnzimmer wird, von dem aus der Anwender auf Zuruf oder mit einem Wink Zugriff auf seine Inhalte hat. Der Bewegungssensor Kinect gehört jetzt zur Grundausstattung, und die Xbox One kann sowohl mit Gesten als auch mit Sprachbefehlen gesteuert werden. So können zum Beispiel Fernsehkanäle durch Sprechen des Sendernamens gewechselt werden, und zum Hauptbildschirm lässt sich mit einer Geste zurückkehren, bei der die geballten Fäuste zusammengeführt werden.

          Die Xbox One hat ein Bluray-Laufwerk und wurde als vollwertiger Fernsehempfänger konzipiert, so dass Nutzer auf das laufende Programm ebenso zugreifen können wie auf Spiele oder aufs Internet. Die neue Konsole lässt sich nach wie vor auch mit einem Steuerungsgerät (Controller) bedienen, außerdem auch über Smartphones und Tablets, die zum Beispiel als zusätzliche Eingabegeräte fungieren können, wenn es mehrere Spieler gibt. Dazu wurde die Anwendung „Smartglass“ in die Xbox One integriert. Microsoft hat außerdem seinen Telefondienst Skype mit der Xbox One verknüpft und ermöglicht Videotelefonate parallel zu anderen Funktionen.

          Viele der technischen Spezifikationen sind nahe am Personalcomputer: Dazu gehören Prozessoren mit acht Kernen von Advanced Micro Devices, ein Arbeitsspeicher von acht Gigabyte und eine Festplatte mit 500 Gigabyte. Die üppige Hardwareausstattung macht es möglich, mehrere Betriebssysteme auf dem Gerät laufen zu lassen, zwischen denen nahtlos gewechselt werden kann.

          Nicht nur Microsoft frischt sein Konsolengeschäft auf. Auch der japanische Sony-Konzern steht vor der Einführung der nächsten Generation seiner Playstation. Sony hat im Februar bei einer Veranstaltung in New York erste Details seiner kommenden Playstation 4 preisgegeben, aber anders als nun Microsoft noch nicht das ganze Gerät gezeigt. Dies wird in wenigen Wochen im Rahmen der Videospielemesse E3 in Los Angeles erwartet. Am Vortag der Microsoft-Veranstaltung veröffentlichte Sony ein Video mit verschwommenen Bildern, die wohl die Playstation 4 zeigen, verbunden mit einem Hinweis, dass es das Gerät am 10. Juni zu sehen geben werde. Auch Microsoft wird am gleichen Tag eine weitere Xbox-Pressekonferenz auf der Messe abhalten und dann wohl weitere Details zu seiner neuen Konsole verraten.

          Wii U verkauft sich schlechter als erwartet

          Microsoft und Sony hoffen, dass die neuen Konsolen auch in dem schwierigeren Umfeld einen Schub für den gesamten Videospielemarkt bringen. Die Börse setzt offenbar auf eine Belebung auch über die Konsolenhersteller hinaus: So haben die Aktienkurse von Spieleherstellern wie Electronic Arts und Activision Blizzard seit Jahresbeginn deutlich zugelegt. Der japanische Nintendo-Konzern hat indessen schmerzhaft zu spüren bekommen, dass neue Konsolen den Herstellern nicht zwangsläufig aus den Händen gerissen werden. Die im Herbst herausgekommene Wii U von Nintendo verkauft sich schlechter als erwartet. Trotzdem zieht der Markt neue Anbieter an: So bringt der Mikrochiphersteller Nvidia in Kürze seine erste Spielekonsole heraus.

          Microsoft kann die Xbox als einen seiner wenigen Erfolge in der Unterhaltungselektronik verbuchen. Die Konsole kam erstmals 2001 heraus. Die Resonanz war zunächst bescheiden, aber nach und nach wuchs der Marktanteil. In Amerika war die Xbox 360 nach Angaben der NPD Group nun 21 Monate am Stück die meistverkaufte Spielehardware. Weniger erfolgreich war Microsoft mit anderen Hardware-Initiativen wie etwa dem Musikspieler Zune und einer Handyreihe mit dem Namen Kin. Auch die Verkaufszahlen für den im vergangenen Jahr herausgekommenen Tabletcomputer Surface halten sich bislang offenbar in Grenzen.

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