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Spielemesse Gamescom : Nächstes Level: selbstgemacht!

Mittendrin statt nur dabei: Besucher auf der Gamescom 2013 Bild: dpa

Die Computerspielemesse Gamescom in Köln wird in dieser Woche zeigen, dass Spieler und Spiele immer mehr miteinander verschmelzen. Die neuen Gestaltungsmöglichkeiten der Entwickler kennen keine Grenzen.

          3 Min.

          Wenn Maximilian Schenk über Computerspiele redet, dann zeichnet der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware mit Worten blühende Landschaften. Von Grashalmen schwärmt Schenk, die innerhalb mancher Spiele so programmiert seien, dass sie wie echt wirkten. Oder von Lichtreflexen und ganzen Spielewelten – so ausgeklügelt gestaltet, dass sie den Spieler einfangen wie nie. Eine bisher nicht dagewesene Detailtiefe macht Schenk in vielen neuen Spielen aus.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass die Spiele so ins Detail gehen, liegt auch an den Ende des vergangenen Jahres erschienenen Spielkonsolen Xbox One von Microsoft und Playstation 4 von Sony. Die beiden Geräte werden auch auf der Mitte der Woche beginnenden Computerspielemesse Gamescom in Köln die Besucher wieder anziehen – wenngleich wohl nicht mehr so massiv wie auf der Messe vor einem Jahr. Damals waren die Konsolen noch nicht im Handel erhältlich. Die Messebesucher konnten sie aber mit den ersten Programmen ausprobieren.

          Besucherrekord soll gebrochen werden

          Im Jahr eins nach der Einführung stehen nun die Spiele im Mittelpunkt der Messe, die die Veranstalter schon vor ihrem Beginn als ausverkauft bezeichnen. Mehr als 300.000 Tagestickets seien verkauft worden. Allerdings können Kurzentschlossene je nach Auslastung des Messegeländes noch Nachmittagstickets erstehen. Die Koelnmesse und der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) peilen als Veranstalter an, ihren eigenen Besucherrekord aus dem vergangenen Jahr zu brechen. Damals kamen 340.000 Menschen zur Gamescom in die Messehallen am Rhein – so viele wie noch nie. Superlative überall: Ähnlich wie die Spielewelten blüht auch die Messe selbst.

          Rund 700 Aussteller werden ihre Produkte präsentieren. Und einige davon werden einen Trend abbilden: Spieler sind längst nicht mehr nur Konsumenten von vorgegebenen Abläufen. Sie greifen immer öfter selbst in die Spielegestaltung ein, designen eigene Level, teilen diese mit anderen Spielern oder präsentieren das abgefilmte Spielgeschehen auf Videoplattformen wie Youtube oder Twitch. Spieler und Spiel verschmelzen miteinander.

          Computerspiel-Fans testen Neuheiten auf der Gamescom
          Computerspiel-Fans testen Neuheiten auf der Gamescom : Bild: dpa

          Für den BIU-Mann Schenk eine logische Konsequenz: „Die Spieleindustrie ist so eng verwoben mit ihren Konsumenten wie keine andere Medienindustrie“, sagt er. Das beginne oft schon bevor eine Zeile Programmcode geschrieben sei. Inzwischen finanzieren künftige Spielekonsumenten über Crowdfunding die Programme mit und entscheiden so vorab, was überhaupt produziert wird. Das zeigt sich laut Schenk aber auch in der weiteren Entwicklung. Mit sogenannten Beta-Tests laden die Entwickler eine begrenzte Gruppe von Nutzern ein, die dann die erste Version eines Programms Stück für Stück spielend testen – und verbessern.

          Einfachheit im Vordergrund

          In einem solchen Beta-Test befindet sich gerade auch das „Project Spark“ des Software-Herstellers Microsoft. Das Unternehmen bewirbt das Programm, das auch auf der Gamescom zu sehen sein wird, als „digitale Leinwand“, mit der der Spieler alles Erdenkliche erschaffen, spielen und teilen könne. Entwickelt hat das Spiel das Unternehmen Team Dakota. Auf einer Internetseite erklärt es den Testern in Lernvideos, wie sie ihre eigenen Spielewelten gestalten können.

          Die rund zwei Minuten langen Filme erinnern ein wenig an die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel. Mit der „Einführung in die Landformung“ schaffen die Spieler am Anfang ihre individuellen digitalen Himmel und Erden. Die „Einführung in die Landfärbung“ erklärt ihnen dann, wie sie Wiesen oder Wege anlegen können. Ganz am Ende der Kreation steht wie in der Bibel dann die Erstellung von Lebewesen, welche die selbstgestalteten Welten bevölkern sollen. Besondere Programmierkenntnisse braucht es für all das nicht: Gesteuert wird der Schöpfungsprozess über eine grafische Bedienungsoberfläche, die es dem Spielgestalter leichtmachen soll, kreativ zu werden.

          Die Einfachheit steht auch bei einem weiteren Spiel im Vordergrund, bei dem der Spieler seine Umwelt maßgeblich beeinflusst. Das japanische Videospiele-Urgestein Nintendo legt mit dem „Mario Maker“ einen weiteren Teil der erfolgreichen „Super Mario“-Reihe auf. Das Spiel, das allerdings erst im Laufe des nächsten Jahres erscheinen wird, kennzeichne vor allem eine einfache Handhabung, sagt Silja Gülicher, die in der deutschen Nintendo-Niederlassung die Pressestelle leitet. „Wir wollen, dass unsere Spieler sich ohne große Umstände gleich ins Vergnügen stürzen können.“ Laut Gülicher finden sie dafür im „Mario Maker“ viele Elemente vor, die sie aus den bisherigen Teilen des Lauf-und-Spring-Spiels kennen: von Gegnern über mit Münzen gefüllte Blöcke bis hin zu magischen Pilzen oder Piranha-Pflanzen. Diese Elemente können die Selbstgestalter dann so platzieren, dass individuelle Hindernisparcours entstehen.

          Mit vereinfachten Instrumenten sei es den Nutzern möglich, den professionellen Nintendo-Designern nachzueifern. Genau wie diese „entwickeln sie einen Spielabschnitt, probieren aus, wie er funktioniert, und ob er womöglich zu einfach oder zu kompliziert ist“, sagt Gülicher. So entstehe irgendwann eine ganze Spielebene. Der ständige Wechsel aus Kreieren, Testen und Spielen mache den Reiz des Spiels aus.

          Wie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware ist auch Nintendo davon überzeugt, dass Computerspiele ein Medium sind, das mehr eigenes Handeln und eigene Ideen erfordert als etwa das Anschauen eines Films. Und so ganz neu sei denn auch die Idee der Selbstgestaltung nicht, heißt es bei Nintendo. Schon bei früheren Konsolengenerationen und Spielen habe es ab und zu Level-Editoren gegeben. Doch so offen und umfangreich wie heute waren die Gestaltungsmöglichkeiten noch nie.

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