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Spekulation um neues Gerät : Auch Apple will mit uns reden

Will auch Apple mit uns im Wohnzimmer reden? Bild: AP

Es ist nur Spekulation, aber eine erwartbare: Nach Amazon und Google will nun auch Apple ein Gerät auf den Markt bringen, dem wir zu Hause unsere Wünsche zurufen. Wozu eigentlich?

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          Apple will angeblich einen Lautsprecher auf den Markt bringen, der auch zuhören und Anweisungen befolgen kann. Das berichtet das amerikanische Portal „The Information“. Die Tech-Blogs „Techcrunch“ und „The Verge“ haben die Information bereits aufgenommen und weiter gedreht. Apple hat sich natürlich noch nicht dazu geäußert, könnte es aber auf der Entwicklerkonferenz WWDC tun, die ab dem 12. Juni stattfindet.

          Wer sich davon noch kein Bild machen kann, schärft seine Vorstellung am besten mit einem Blick auf Produkte von Amazon und Google. Als erstes hat das Unternehmen aus Seattle ein solches Gadget vor etwa eineinhalb Jahren vorgestellt. Echo spielt nicht nur Musik ab, sondern versteht auch Sprache und kann Antworten geben. Da es einen aufladbaren Akku hat, kann es irgendwo im Raum plaziert und in einen anderen mitgenommen werden.

          Amazons Stimme im Wohnzimmer

          Echo ist ins heimische Netzwerk eingebunden, mit den Codewort „Alexa“ wacht es auf. Bisher kann das Gerät nur in den Vereinigten Staaten bei Amazon für 180 Dollar bestellt werden. In der „New York Times“ sagte ein Analyst, Amazon sei auf dem Weg dazu, mit dem Gerät einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar zu erzielen. Angeblich seien bislang schon 3 Millionen Exemplare verkauft. Der Verkauf in Deutschland dürfte noch in diesem Jahr starten.

          Google will ins Heim

          Nun hat jüngst Google ein Echo-Konkurrenzprodukt auf der Entwicklerkonferenz I/O angekündigt. „Home“ soll im Herbst auf den Markt kommen und in etwa das gleiche wie Echo können. Der ebenfalls zylindrische Lautsprecher redet mit seinem Besitzer. Die „Blumenvase“, wie Home häufig bezeichnet wird, soll zum einen den Haushalt steuern.

          Googles „Blumenvase“ auf der I/O präsentiert

          Das könnten zum Beispiel intelligente Thermostate und andere Geräte sein, die das zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehörende Unternehmen Nest Labs herstellt. Zum anderen soll Home all jene Anfragen annehmen, die Android-Nutzer in ihr Smartphone sprechen, beginnend mit „Okay Google“. Das Smartphone kann zu Hause also in der Tasche bleiben. Es reicht, die Worte in den Raum zu sprechen.

          Agent verdreht den Kopf

          Auch Sony hat übrigens ein ähnliches Produkt. Es ist allerdings noch im Prototypen-Status. Der „Agent“ ist ein kleiner Roboter, der Bilder an die Wand oder auf den Tisch werfen kann. Sprechen kann er ebenfalls, dabei dreht er seinen „Kopf“. Der Apparat versteht auch den Nutzer, somit kann er Anfragen direkt mit Hilfe des Internets beantworten. Welche Spracherkennungssoftware dahinter steckt, sagt Sony nicht. Da die Japaner in diesen Hinsicht keine eigene Infrastruktur haben, dürfte dies der entscheidende Nachteil gegenüber der Konkurrenz sein.

          Sonys Agent, noch im Prototypen-Status

          Und für Apple dürfte die Erfahrung mit seiner Spracherkennungssoftware Siri wohl der Grund sein, ein solches Produkt auf den Markt zu bringen. Insofern kann die aktuelle Spekulation eigentlich nur sehr wahrscheinlich sein. Apple setzt Siri nicht nur auf seinen mobilen Geräten wie iPhone oder iPad sein, sondern auch auf Apple TV. Damit holte das Unternehmen nach, was Amazon bei Fire TV bereits erfolgreich vorgemacht hatte. Dass man nämlich die Set-Top-Box komfortabel mit Sprache bedienen kann. Im Vergleichstest hört Amazon im Übrigen besser als Apple.

          Warum sollte also Apple nicht ein ähnliches Gerät wie Echo, Home oder Agent auf den Markt bringen, wenn die Infrastruktur bereits vorhanden ist? Zu den Spekulation um ein mögliches neues Produkt gehört auch die Information, dass Apple angeblich seinen digitalen Assistenten Siri für fremde App-Entwickler öffnet. Dieses Entwicklungstool (SDK) könnte dem Produkt den nötigen Schub geben. Zudem könnte Apple ebenso wie Google mit seiner Homekit-Plattform die Steuerung von Haushaltsgeräten in das Konzept mit einbeziehen.

          So einen Zugriff auf Smarthome hat Amazon wiederum nicht. Aber dort kann man auf ein anderes Pfund setzen. Für Amazon-Prime-Kunden stehen mit „Music“ und „Video“ zwei Flatrates zur Verfügung. Music lässt sich direkt mit Echo nutzen, weil es ein Lautsprecher ist. Und das Bestellen über Amazon dürfte nun noch verführerischer sein, wenn man nur noch die Bestellung in den Raum spricht.

          Eine Frage bleibt bei allen Produkten offen. Sind die Nutzer schon so weit, dass sie im Alltag mit Sprache ihre Geräte bedienen? Keine Frage: Die Möglichkeiten sind da und sie funktionieren sehr gut. Gerade die Bedienbarkeit des iPhones per Siri und die von Android-Smartphones mit Googles Sprachassistenten überzeugen. Doch die Mehrheit der Nutzer dürfte weder mit seinem Smartphone noch mit seinem Fernseher sprechen. Echo, Home und ein neues Gerät von Apple könnten die Nutzungsgewohnheiten stärker ändern, weil es zur Spracheingabe keine Alternative gibt. Vielleicht ist genau dies das Spannende an dieser neuen Gerätegattung.

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