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Spam : Die digitale Plage und der Frust mit der E-Mail

  • -Aktualisiert am

Nur Müll: Posteingang mit Werbung und Viren Bild:

Unerwünschte Werbung, die die PC-Mailbox verstopft, ist mehr als lästig. Blocken, Filtern, Kontrollieren: Viele Maßnahmen gegen den Mailmüll sind möglich, nicht alle sind auch erlaubt.

          6 Min.

          Die Flut an unerwünschter E-Mail nimmt groteske Ausmaße an. Mittlerweile bestehen mehr als 70 Prozent der täglich rund 30 Milliarden um den Globus flitzenden E-Mails aus lästiger Werbung. Das wichtigste bidirektionale Kommunikationsmittel des Zeitalters droht in einer Flut aus Informationsmüll unterzugehen. Juristische Schritte gegen die Versender versanden meist im Gefüge der internationalen Strafverfolgungsbehörden. Um ihren Kunden weiterhin einen reibungslosen Schriftverkehr zu ermöglichen, setzen deutsche Unternehmen wie der Internet-Provider T-Online oder der Mailbox-Anbieter GMX daher auf aufwendige technische Methoden. "Spam", so der Ausdruck für diese Art der unerlaubten Werbung und Belästigung, soll vom Provider abgefangen werden und nicht mehr beim Kunden ankommen. Dabei muß zwischen zwei Verfahren unterschieden werden, die nacheinander zum Einsatz kommen: dem Blocken und dem Filtern von Mail.

          Keine Chance für den Spam-Host

          Beim Blocken schaut der Server im Rechenzentrum des Empfängers in einer internen Liste nach, ob er überhaupt willig ist, Post von dem Mail-Server des Versenders anzunehmen. Diese sogenannte "Blacklist" besteht aus einer Reihe von Rechneradressen (IP-Adressen), von denen bekannt ist, daß schon einmal Spam über sie versandt wurde. Während der Empfänger am heimischen PC nicht mitbekommt, daß eine an ihn adressierte Mail bereits an den Toren seines Providers abgefangen wurde, erhält der Versender eine kurze Nachricht über seine Klassifizierung als Spam-Host.

          Abwehr erfolgreich: Spam-Filter im Einsatz

          75 Prozent Spam

          Die schwarzen Listen werden von den E-Mail-Anbietern mühsam gepflegt, bei AOL Deutschland beispielsweise beschäftigen sich 30 Mitarbeiter mit dem Thema Spam. Die in aller Welt postierten Server erhalten täglich 1,6 Milliarden E-Mails, bei 75 Prozent handelt es sich nach Angaben von Tobias Riepe, Pressesprecher bei AOL Deutschland, um reinen Spam. Mittlerweile bieten Unternehmen und Organisationen die Blacklists zum Kauf an. Die meisten deutschen Mail-Dienste werten verschiedene Listen aus und gleichen sie mit den IP-Adreßlisten ab, von denen auf jeden Fall Mail angenommen wird (Whitelists). Gleichwohl kommt es immer wieder zu Pannen. So landete im vergangenen Jahr ein Mail-Server des deutschen Anbieters Web.de auf einer Blacklist. Die Folge: Die Kunden von Web.de konnten für einige Zeit keine Mail an bestimmte Adressen versenden.

          Heute wird Spam auch über Privat-PCs versandt, die durch Würmer oder Viren infiziert sind. Sie sind Teil eines "Bot-Net", eines Netzwerks von "Zombie-PCs", die ferngesteuert und unbemerkt vom Benutzer als Datenschleuder für den massenhaften Versand von Spam-Mail agieren. Die Betreiber solcher Netze haben zeitweilig die Gewalt über 30000 Rechner und vermieten das Netzwerk an Interessenten. Die IP-Adressen der ahnungslosen Spam-Versender stehen auf keiner Blacklist, weisen aber doch einen Nachteil auf: Die meisten Nutzer des Internets wählen sich über einen Provider ins Netz der Netze ein und erhalten eine dynamische IP-Adresse, die sich bei jeder Einwahl ändert. Einige E-Mail-Diensteanbieter wie beispielsweise Web.de sind daher dazu übergegangen, grundsätzlich keine E-Mails von solchen DSL- oder Modem-Verbindungen anzunehmen. Privatleute oder kleinere Unternehmen, die ihren eigenen Mail-Server über DSL betreiben, können also keine Nachrichten an Web.de-Kunden senden.

          Enges Kontrollnetz

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