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Soziale Netzwerke : Wiedersehen mit alten Bekannten

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Lösen soziale Netzwerke nun die E-Mail ab? „Wir merken immer mehr, dass unser Nachrichtensystem die Funktion der privaten E-Mail ablöst“, so Karin Rothgänger. Die Nutzer fänden es „natürlicher“, weil die Mitglieder „nicht an eine E-Mail-Adresse schreiben, sondern an eine Person mit Namen und Vornamen“. MySpace-Gründer Tom Anderson habe mit seinem sozialen Netzwerk ähnliche Erfahrung gemacht: „Vor allem bei jungen Leuten sehen wir den Trend, dass sie keine E-Mails mehr benutzen. E-Mail ist etwas sehr Elitäres, das man benutzt, wenn man sich irgendwo registriert. Junge Leute nutzen lieber MySpace als E-Mails“.

Mit 72 Jahren ins WWW

Tom Anderson hat noch radikalere Visionen. „MySpace wird wahrscheinlich früher oder später irgendwie Telefonie, Text-Messaging und E-Mail integrieren und die E-Mail ersetzen. E-Mail ist noch immer die Killer-Applikation im Internet“. Noch scheint letzteres aber nicht der Fall zu sein. Zumindest nicht in Deutschland. Das Ergebnis der Studie zum „Kommunikationsverhalten deutscher Internet-Nutzer“ zeigt nämlich, dass die E-Mail als Kommunikationsmittel noch immer an erster Stelle steht. Demnach besitze nahezu jeder deutsche Internetnutzer eine E-Mail Adresse, wohingegen „nur“ 58 Prozent in sozialen Netzwerken aktiv seien.

Zu den vier Prozent der über 60-Jährigen, die auf wer-kennt-wen aktiv sind, zählt auch Wolfgangs Schwiegermutter Gertrud. Die 72-Jährige hat sich im Sommer 2008 angemeldet. „Aus Neugier“, wie sie verrät. „Schon seit ein paar Jahren beschäftige ich mit dem Computer, schreibe Mundartgedichte und zum Teil auch meine Lebensgeschichte auf. Und weil ich eben eine furchtbare Handschrift habe, mache ich das am Computer“, sagt sie und kichert dabei. Seit der Zeit könne sie eben auch ins Internet, das habe sie interessiert und so sei sie auf wer-kennt-wen gelandet.

„So weit geht meine Vertrauen dann doch nicht“

Hauptsächlich nutzt Gertrud den Dienst, um mit ihrer Nichte oder mit Leuten aus ihrem früheren Dorf zu kommunizieren. Gertrud hat so Menschen mit Hilfe des Dienstes gefunden, die sie über Jahre weder gesehen noch gehört habe. „Zum Beispiel war da eine Frau auf meinem Profil. Ich habe mir ihr Bild angesehen und ihren Namen, aber beides hat mir nichts gesagt. Irgendwann habe ich sie dann angeschrieben und gefragt, wer sie sei. Es stellte sich heraus, dass wir im selben Dorf wohnten und sie öfters bei uns zu Besuch war. Dort sind wir vor etwa 40 Jahren weggezogen. Das letzte Mal haben wir uns vor 30 Jahren gesehen. Inzwischen hatte die Frau geheiratet und einen anderen Namen angenommen.“

Bedenken, sich der Öffentlichkeit im Internet zu präsentieren, habe sie keine gehabt: „Ich habe ja nur die angeklickt, die ich wirklich kenne. Ich glaube kaum, dass da irgendjemand böse Absichten hat. Ich bin ja nie auf Foren unterwegs, in denen ich mich nicht auskenne und würde auch nie meine Kontonummer oder ähnliches angeben. So weit geht mein Vertrauen zu der Sache dann doch nicht“.

„Wer im Internet surfen kann, kann auch arbeiten“

Soziale Netzwerke bergen dennoch Gefahren. Die Privatsphäre kann im World Wide Web schnell zur öffentlichen Angelegenheit werden. Sorgt man selbst nicht mit einem einfachen Klick für den Schutz der eigenen Intimsphäre, in dem man seine Profile oder Fotos zum Beispiel nur für „Freunde“ sichtbar macht, kann das Konsequenzen haben, weil die Informationen für alle sichtbar sind. Dieser fahrlässige Umgang mit privaten Daten ist keine Seltenheit.

Arbeitgeber überprüfen potentielle Mitarbeiter seit langem über soziale Netzwerke. Hat sich ein Interessent beworben und ist in einem sozialen Netzwerk mit Privatfotos zu finden, macht es keinen guten Eindruck das Alkoholgelage des letzten Wochenendes in Form eines Fotos zu präsentieren, Gruppen wie „Arbeit nervt!“ auf seinem Profil stehen zu haben oder eine Statusmeldungen wie die einer studiVZ-Nutzerin zu verfassen: „Seit Montag besoffen. Meine Leber stirbt“.

Ein konkretes Beispiel für den leichtfertigen Umgang mit sozialen Netzwerken kam im April aus der Schweiz. Dort hatte sich eine Versicherungsangestellte wegen Migräne für einen Tag krank gemeldet. Ihrem Arbeitgeber sagte sie, dass sie Aufgrund ihrer starken Migräneattacken im Dunkeln liegen müsse und nicht an einem Bildschirm arbeiten könne. Trotzdem entdeckte ihr Chef, dass die 31 Jahre alte Baselerin auf Facebook unterwegs war und kündigte ihr. Die Begründung des Unternehmens: „Wer im Internet surfen kann, kann auch arbeiten“.

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