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Soziale Netzwerke : Foursquare kommt nach Deutschland

  • -Aktualisiert am

Foursquare ist ortsbezogenes soziales Netzwerk Bild: Foursquare

Zwei Millionen Menschen in 200 Ländern tun es täglich: „Einchecken“ bedeutet, seinen Freunden den eigenen Aufenthaltsort mitzuteilen. Der Erfinder Foursquare muss sich inzwischen gegen Google, Facebook und Groupon behaupten.

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          Foursquare hat seine internationale Expansion begonnen. Auf der Mobilfunkmesse in Barcelona hat der Geodienst Versionen seiner mobilen Apps in deutscher, französischer, italienischer, spanischer und japanischer Sprache eingeführt. „Um als soziales Netzwerk in Deutschland Fuß zu fassen, muss man in deutscher Sprache präsent sein. Und alles, was wir von Facebook oder Twitter sehen, führt ein Angebot in der lokalen Sprache zu einem Anstieg der Anmeldungen“, sagte der Foursquare-Gründer Dennis Crowley dieser Zeitung.

          Foursquare ist ortsbezogenes soziales Netzwerk. Die Nutzer können an Orten „einchecken“ und damit ihren Freunden auf Foursquare mitteilen, wo sie sich gerade aufhalten. Dabei hilft das Smartphone, das per Satellitennavigation GPS den aktuellen Standort ermittelt und in der Nähe liegende Orte anzeigt, zum Beispiel öffentliche Gebäude. Die Nutzer können ihren Freunden auch Informationen über die besuchten Orte hinterlassen, zum Beispiel welche Sehenswürdigkeit oder welches Restaurant in einer fremden Stadt lohnenswert sind.

          Wer am häufigsten an einem Ort eincheckt, kann Bürgermeister werden. Foursquare ist aber nur vordergründig ein Spiel. Crowley will Foursquare zu einem Marketinginstrument für lokale Händler machen, die ihre eincheckenden Besucher zu wiederkehrenden Kunden machen können. „Wir zeigen den lokalen Händlern Möglichkeiten, nicht nur neue Kunden in ihre Läden zu bringen, sondern auch die Loyalität zu fördern. Zum Beispiel: Beim fünften Besuch bekommt der Kunde ein Produkt geschenkt. Oder wenn ein Kunde seine Freunde mitbringt, bekommt er eine Belohnung. Wir bauen Instrumente, zu denen lokale Händler bisher keinen Zugang hatten“, sagte Crowley. Die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks gilt als Pionier des Foursquare-Marketings, aber auch deutsche Unternehmen wie die Lufthansa haben den Ortsdienst schon eingesetzt.

          Nicht nur die Apps in deutsche Sprache übersetzt

          Und was hat Foursquare davon? „Im Moment müssen die lokalen Händler nichts dafür bezahlen. Wir wollen so viele Nutzer wie möglich auf die Seite holen. Künftig können wir uns aber so etwas wie Google Adwords vorstellen, also dass wir jedes Mal Geld bekommen, wenn wir einen Kunden in den Laden locken. Oder wir können uns auch vorstellen, dass die Händler zahlen, wenn sie unsere Instrumente nutzen. Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, sehen aber einige Möglichkeiten, Geld zu verdienen“, sagte Crowley. Foursquare hat dazu nicht nur die Apps in deutsche Sprache übersetzt. Um die Werbekunden anzusprechen, sollen am Ende der Woche auch die Geschäftsseiten in deutscher Sprache erscheinen. Zudem bietet Foursquare eine Schnittstelle (API) für seine Daten an. Damit können Entwickler zum Beispiel Landkarten programmieren, auf denen die beliebtesten Orte der Nutzer angezeigt werden. Lokale Händler können dort sehen, welche Läden in der Umgebung besonders beliebt sind.

          Die lokalen Händler werden zurzeit heftig umworben. Die Verlagerung des Internet auf die Straße, die von den immer beliebter werden internetfähigen Handys (Smartphones) ausgelöst wird, macht ortsbezogene Dienste populär. Das lokale Internet schafft nämlich Möglichkeiten, auch die Unternehmen an das Internet heranzuführen, die bisher wenig von Online-Werbung gehalten haben. Inzwischen buhlen daher gleich mehrere Internetunternehmen wie Google, Facebook, Groupon und nun Foursquare um ihre Gunst. „Es könnte ein Problem werden, wenn es zu viele Unternehmen sind. Die lokalen Händler wollen höchstens mit zwei oder drei Unternehmen zusammenarbeiten. Alles andere ist zu kompliziert. Daher ist unser Problem, schnell groß genug zu werden, damit wir zu den relevanten Unternehmen gehören“, sagte Crowley. Das könnte allerdings schwierig werden, denn die Konkurrenten haben zum Teil schon beachtliche Vertriebsmannschaften im deutschen Markt auf die Straßen gebracht.

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