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Sennheiser Ambeo im Test : Meterweise Sound

  • -Aktualisiert am

Die Soundbar Ambeo von Sennheiser misst 1,25 Meter. Bild: Hersteller

Sennheiser Ambeo heißt eine Soundbar mit beeindruckenden 3D-Fähigkeiten. Kein Wunder: Auch Fraunhofer-Gene sind im Spiel.

          Ob Sony, Samsung, Panasonic oder LG: Wer flache Fernseher verkauft, hat zumeist auch passende Soundbars im Programm. Das sind schmale Zusatzlautsprecher, die dem Ton zum Bild mehr Saft und Kraft verleihen. Jetzt steigt auch Sennheiser ins Geschäft mit den Schallzeilen ein. Das überrascht, denn Lautsprecher fürs Wohnzimmer zählten bisher nicht zur Kernkompetenz des Hauses. Erst auf den zweiten Blick erscheint das Vorhaben plausibel. Aber der Reihe nach: Wir haben Sennheisers Soundbar schon vor 19 Monaten als Prototyp auf der Fachmesse CES in Las Vegas kennengelernt. Allerdings nicht am Stand des niedersächsischen Multis, sondern in einer Präsentation des Erlanger Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen – derselben Forschungseinrichtung, die mit ihren Arbeiten zu MP3 und vielen weiteren Tonformaten globale Bedeutung erlangte.

          Das fränkische Institut hatte damals schon maßgeblich zur Entwicklung des Standards MPEG-H beigetragen, einer Tonkodierung, die, ebenso wie das Kino-Tonsystem Dolby Atmos, auf der Beschreibung von Audio-Objekten beruht. Das sind Tonspuren, die keinem festen Kanalschema zugeordnet sind. Ihre akustische Positionierung im dreidimensionalen Raum wird stattdessen mit Metadaten festgelegt. Auch die Virtualisierung von 3D-Sound gehört seit Jahren zu den Kernthemen der Erlanger – beste Voraussetzungen also für die Entwicklung einer Soundbar mit Heimkino-Talenten.

          Zur gleichen Zeit beschäftigte sich Sennheiser intensiv mit der Aufnahmetechnik für virtuelle Realität. Unter dem Familiennamen Ambeo erschienen ein Profi-Mikrofon für 3D-Ton und ein Headset für private 3D-Aufzeichnungen. So wuchs zusammen, was bis dahin nicht zusammengehörte: Die neue Soundbar ist ein Gemeinschaftswerk der 3D-Spezialisten von Sennheiser und Fraunhofer, und auch sie zählt nun zur Ambeo-Produktfamilie.

          Die Soundbar verbirgt immerhin 13 Chassis

          Sennheisers Soundbar gehört zu den mächtigsten Exemplaren, die wir je aus einem Karton hieven mussten: 18,5 Kilogramm ist ihr Einsatzgewicht, ihre Spannweite beträgt 125 Zentimeter. Damit geriet sie sogar noch etwas breiter als ein 55-Zoll-Fernseher. Auch mit seinem Preis beeindruckt das Gerät: 2500 Euro verlangt der Händler, deutlich mehr als für die meisten Konkurrenzfabrikate. Hat es auch entsprechend mehr zu bieten? Hinter einer schwarzen Stoffbespannung verbirgt der Lautsprecher immerhin 13 Chassis. Sechs Tief-Mitteltöner strahlen den Schall nach vorn ab. Links, rechts und in der Mitte bestreiten drei Kalottenmembranen den Hochtonbereich. Zwei weitere Hochtöner verbreiten den Schall in Richtung der Seitenwände, und zwei Breitband-Lautsprecher richten den Ton gegen die Zimmerdecke. Von dort wird er dann reflektiert; der Zuhörer nimmt ihn als virtuelle Schallquelle wahr und gewinnt so einen Eindruck von Raumhöhe. Das gesamte Ensemble soll ein 5.1.4-Surroundsystem simulieren – also eine Heimkinoanlage mit drei Front- und zwei Surround-Lautsprechern, einem Subwoofer und vier Lautsprechern an der Decke.

          Einmessprozedur mit mitgeliefertem Mikrofon

          Als Quellsignale kommen Tonspuren in den 3D-Formaten Dolby Atmos oder DTS:X in Frage, aber auch alle gängigen Surround-Kodierungen und natürlich auch Stereo-Ton. Drei HDMI-Eingänge halten sich bereit, eine vierte HDMI-Buchse dient als Video-Ausgang und gleichzeitig als Eingang für den Fernsehton. Ein optischer Eingang nimmt digitale Audio-Signale entgegen, zwei Cinch-Buchsen transportieren den Ton analog, eine weitere gibt tiefe Bässe an einen Subwoofer aus, eine Ethernet-Buchse stellt den Kontakt zum Heimnetz her. Auch drahtlose Übertragung funktioniert über Bluetooth direkt vom Smartphone oder via Chromecast über das WLan-Netz.

          Bevor der Ambeo loslegt, ist eine Einmessprozedur mit dem mitgelieferten Mikrofon fällig. Dabei wird die Elektronik an die Dimensionen das Hörraums angepasst – eine entscheidende Voraussetzung für überzeugenden 3D-Ton. So präpariert, vermittelt die Soundbar höchst eindrucksvolle Raumillusionen, und das schon mit Testsignalen für ein 5.1.4-

          Setup. Die virtuellen Schallquellen hinten im Raum, die imaginären Deckenlautsprecher, alle lassen sich verblüffend gut lokalisieren. Kommen dann Dolby-Atmos-Filmsequenzen ins Spiel, etwa Überflugszenen röhrender Düsenjets, aber auch Subtileres wie fallendes Herbstlaub oder prasselnder Regen aus finsteren Gewitterwolken, so gelingt der Traum vom Raum.

          Noch besser geht es wirklich nur mit einer sperrigen Installation aus zehn echten Lautsprechern. Die Ambeo-Virtualisierung lässt sich auch abschalten – etwa um ihre Wirkung auszuloten. Dann klingt der Ton immer noch unverfälscht, doch wo eben noch großer, luftiger Raum die Akustik bestimmte, schnurrt nun alles ernüchternd zusammen auf die üblichen Wohnzimmerdimensionen. Die Raum-Virtualisierung klappt übrigens auch mit Stereo-Musik. So werden Konzert-Videos zu einem ganz neuen Erlebnis: Musikarenen wachsen weit über die Grenzen des Hörraums hinaus, große Hallen tragen auch mit ihrer Höhen zum wirklichkeitsnahen Erlebnis bei.

          Und das Gute daran: Die Elektronik greift dabei nicht lästig in die Klangfarben ein. Und weil die Soundbar auch noch ein kräftiges, tiefes Bassvolumen liefert, in mittelgroßen Räumen deshalb ohne Unterstützung durch einen zusätzlichen Subwoofer auskommt, können wir sie guten Gewissens empfehlen, selbst wenn sie das Konto stärker strapaziert als so manches Konkurrenzmodell.

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