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Sony Vaio P : Totalversagen im Einsatz unterwegs

Schön und schlecht: Sonys Netbook Bild:

Das schönste und gleichzeitig schlechteste Netbook kommt von Sony. Die P-Serie der Vaios überzeugt einzig und allein mit ihrer Bauform. Kurz und schmerzlos: Das Sony ist als mobiler PC für den Einsatz unterwegs völlig unbrauchbar.

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          Ja, wenn es eine Studie wäre, dann könnte man wohl das eine oder andere Lob verteilen: Sonys erster Netbook erheischt sofort jedwede Aufmerksamkeit, weil es unter den Kleinen das Kleinste ist, ein Mini-Rechner im Format einer 300-Gramm-Schokoladentafel, das nur ungefähr ein Viertel der Fläche einer Standardtastatur einnimmt. Mit seinen 24,5 × 12 × 2 Zentimeter und einem Gewicht von 650 Gramm passt das Vaio P 11Z sogar in eine größere Sakkotasche. Dazu kommt die spektakuläre Ausstattung. Hat ein Netbook üblicherweise eine Display-Auflösung von 1024 × 600 Pixel, gibt es hier 1600 × 768, ganz klar ein Gewinn. Neben Wireless-Lan sind ferner ein UMTS-Modem und GPS-Modul eingebaut. Da auch die Verarbeitungsqualität des Minis überzeugt und die Tastatur gefällt, ließe sich schnell eine Jubelarie anstimmen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber das Lob bleibt einem sofort im Halse stecken, wenn man das Gerätchen einige Zeit ausprobiert hat. Kurz und schmerzlos: Das Sony ist als mobiler PC für den Einsatz unterwegs völlig unbrauchbar, und dafür gibt es etliche Gründe: Zunächst ist das Vaio von der Hardware her deutlich schlechter ausgestattet als die meisten Netbooks der 300- bis 400-Euro-Klasse, nämlich mit einem gering getakteten Atom-Prozessor von Intel, der gerade mal mit 1,33 Gigahertz läuft. Dazu kommt die schwache Grafikeinheit GMA 500, ebenfalls von Intel, die sich bis zu 800 Megabyte vom 2-Gigabyte-Hauptspeicher einverleibt.

          Der kleine Akku hält keine zwei Stunden durch

          Auch der Datendurchsatz der Toshiba-Festplatte, die nur 50 Gigabyte hat (Sony spricht von 60), ist geringer als bei anderen Zwergrechnern. Und der kleine Akku mit 2100 Milliamperestunden hält keine zwei Stunden durch, das erklärt Sonys Werbespruch auf der Vaio-P-Seite „Unterwegs ist Zeit besonders kostbar“. Andere Netbooks bieten vier bis sechs, etliche sogar zehn Stunden Laufzeit. Das Sony braucht zudem rund sieben Stunden, bis er wieder geladen ist.

          Schlechte Voraussetzungen also für den mobilen Einsatz. Kann es noch schlimmer kommen? Kein Problem, dazu nehme man nur Windows Vista als Betriebssystem. Was schon bei den etwas leistungsstärkeren Netbooks gründlich in die Hose geht – und nahezu alle Hersteller zur Rolle rückwärts auf Windows XP bewogen hat –, setzt Sony trotzig durch. Mit Vista ist der Kleine indes vollends überfordert. Das Hochfahren oder Aufwachen aus dem Ruhezustand dauert Ewigkeiten, verschiebt man Fenster auf dem Bildschirm, sieht man Geisterbilder ihrer Bewegung, und die Festplatte läuft selbst dann ununterbrochen, wenn der Rechner nichts macht und nur seinen Desktop zeigt.

          Bei 1024 × 768 oder 800 × 600 Pixel ist die Anzeige stark verzerrt

          Die Hälfte der ohnehin kurzen Nutzungszeit ist man mit Warten auf das Betriebssystem und Programme beschäftigt. Vista ist auf diesem Mini ein Aberwitz, ein vernünftiges Arbeiten mit Standardsoftware ist nicht möglich. Dazu kommt, dass zwar die Auflösung hoch, aber die Schrift auf dem spiegelnden Display viel zu klein ist. Das Umschalten auf niedrigere Auflösungen bringt nichts, bei 1024 × 768 oder 800 × 600 Pixel ist die Anzeige stark oval verzerrt.

          Das Sahnehäubchen in der Disziplin „Wie richte ich einen PC zugrunde“ ist schließlich die von Sony aufgespielte Crapware, unnützer Mist (Crap), der den Rechner ausbremst und mit aufploppenden Kauf-mich-Fenstern nervt. Sony gehört in Sachen Crapware zu den führenden Herstellern. Die Kundenbeschwerden vor allem in Amerika sind mittlerweile so massiv, dass man dort zeitweilig einen „sauberen“ Sony für einen Aufpreis von 50 Dollar kaufen konnte. Mittlerweile erhält der Kunde in den Vereinigten Staaten einen PC ohne Crapware, wenn er sich für das teure Vista Business entscheidet.

          Was Sony hier macht, ist eine unsägliche Zumutung

          Was dieser Schrott mit dem ohnehin unterdimensionierten Maschinchen anrichtet, ist grauenhaft: Ständig wird irgendwas geladen, stören irgendwelche „Nur noch ein Schritt bis zum vollkommenen Rechnerglück“-Fenster, und minutenlang wartet man bis zum Aufbau einer Internetseite, weil zunächst Reklame von Ebay, die Sony-Seiten „Style Europe“ und „Vaio Business Center“ geladen werden, sich Googles Toolbar installieren will, ein Mc-Afee-Programm dazwischenfunkt und das GPS-Modul meckert, dass es den aktuellen Ort nicht speichern kann. Keines der im Internet Explorer verankerten „Add Ons“ lässt sich löschen oder entfernen. Was Sony hier macht, ist eine unsägliche Zumutung.

          Rund 1000 Euro verlangt der Hersteller für das Vaio P 11Z. Dafür erhält man anderswo drei Netbooks, die in jeder Hinsicht besser sind als dieses Ding, das letztlich nur mit seiner Bauform bei oberflächlicher Betrachtung eine gewisse Faszination hervorzurufen vermag. Wer es aus diesem Grund gekauft hat, wird es spätestens nach zwei Tagen wieder umtauschen, und wer es behalten will, sollte als Erstes ein vernünftiges Betriebssystem aufziehen.

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