https://www.faz.net/-gy9-va1q

Sony Ericsson P1i : Tolle Form und ein heilloses Durcheinander

Sony Ericsson P1i: Tolles Gerät, leider nicht für jeden Bild: Hersteller

Das P1i von Sony Ericsson sieht schick aus, ist gut verarbeitet und üppig ausgestattet. Leider kränkelt es derart an seinem verbastelten Betriebssystem, dass wohl kaum jemand seine rechte Freude daran haben wird.

          2 Min.

          Bei den Business-Handys für den geschäftigen Manager gibt es derzeit drei starke Fraktionen: Nokia mit seinen Communikatoren und Topgeräten wie dem E61i, die Blackberry-Familie und die Apparate mit Windows-Betriebssystem. Die Versuche von Sony Ericsson, sich ebenfalls ein schönes Stück vom Kuchen abzuschneiden, waren in den vergangenen Monaten alles andere als erfolgreich: Das P990i ist ein Reinfall ohnegleichen, es stürzt ständig ab und leidet unter dem Symbian-Betriebssystem UIQ.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun kommt zwar nicht der Nachfolger des P990i, sondern eine Mischung aus M600i und P990i in den Handel, das P1i für 450 Euro ohne Kartenvertrag. Vom M600i hat es die Bauform und die eigenwillige Tastatur übernommen. Rechts und links neben den Ziffern liegt eine weitere Reihe, und alle Tasten sind als Wippe angelegt. Man kann jede Taste auf der linken oder rechten Seite drücken und arbeitet auf diese Weise beim Schreiben von SMS oder E-Mail mit einer Qwertz-Tastatur. Allerdings ist das Ganze sehr gewöhnungsbedürftig und nichts für kräftige Finger. Das Schreibtempo lässt sich erhöhen, wenn man die eingebaute Wortvervollständigung nutzt, die nach der Eingabe der ersten Buchstaben mehrere Vorschläge für das ganze Wort macht.

          Bietet alles und zwar durcheinander

          Und um es auf die Spitze zu treiben, gibt es außerdem eine Handschrifterkennung für Buchstaben, die man mit einem rückseitig verstauten Stift auf das berührungsempfindliche Display (320 × 240 Pixel) schreibt. So ist für jeden etwas dabei, aber mit der Fülle der Möglichkeiten wird man im praktischen Einsatz nicht glücklich: Eine reine Tastaturbedienung ist nicht möglich, man muss immer wieder Felder auf dem Bildschirm anklicken, mit dem seitlichen Drehrädchen bestimmte Einträge auswählen, es gibt Menüs unten am Bildschirm und ein weiteres oben links, und die Handschrifterkennung ist nicht gelungen.

          Zudem ist die gesamte Menüstruktur wie beim P990i unübersichtlich und unlogisch, und man vermisst eine rote und grüne Hörertaste zum Annehmen oder Ablehnen eines Gesprächs. Bis man mit dem Gerät zurechtkommt, vergeht viel Zeit. Während sich ein Blackberry nahezu perfekt mit dem Drehrädchen an der Seite und der rechten Hand bedienen lässt oder ein Nokia E61i konsequent mit der Minitastatur gesteuert wird, bietet das P1i alles - und alles durcheinander. Schon deshalb taugt es nicht als Business-Handy.

          Heillos verbasteltes Betriebsystem

          Und damit sind wir gleich beim nächsten Kritikpunkt: die ewig langen Wartezeiten, nicht nur beim Einschalten (45 Sekunden bis zur Pin-Eingabe), sondern auch bis das Gerät auf erste Kommandos oder den Start eines Programms reagiert. Kurzum: Im Unterschied zum P990i stürzt das neue Sony Ericsson zwar nicht mehr so häufig ab, aber die Schwächen von Symbian UIQ sind nicht ausgemerzt. Das ganze Betriebssystem ist unlogisch, total verbastelt und nicht mehr zu retten. Man sollte die Weiterentwicklung einstellen und von vorn anfangen - oder auf bewährte, alltagstaugliche Symbian-Systeme zurückgreifen.

          Doch es gibt auch Pluspunkte: Die Ausstattung ist erfreulich vollständig, wenn man einmal davon absieht, dass Situationsprofile (leise, Besprechung) und eine sprecherunabhängige Sprachwahl nicht angeboten werden. UMTS und Wireless-Lan sind vorhanden, auf den Datenturbo HSDPA muss man jedoch ebenso verzichten wie auf einen eingebauten GPS-Empfänger.

          Üppige Ausstattung auf kleinstem Raum

          Die Multimedia-Abteilung gefällt mit guter Kamera (3,2 Megapixel mit Autofokus), auch der MP3-Betrieb überzeugt. Der Internet-Browser beherrscht Frames und Javascript. Zu den Organizer-Anwendungen gehören Quickoffice zum Betrachten und Bearbeiten von Word-, Excel-, Powerpoint- und PDF-Dateien sowie ein RSS-Reader.

          Mit Exchange-Active-Sync von Dataviz kann man sich einen Blackberry-ähnlichen Push-Dienst für die E-Mail einrichten. Auch die kompakte Bauform von 10,6 × 5,5 × 1,7 Zentimeter, das Gewicht von nur 125 Gramm und die sehr gute Verarbeitung machen es attraktiv. Aber mit seinem eigenwilligen Betriebssystem bleibt es ein Nischenprodukt und ist nichts für jedermann.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.
          Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Partei, wirft ihren Wahlzettel in eine Wahlurne.

          SVP bleibt stärkste Kraft : Grüne legen bei Schweizer Parlamentswahl deutlich zu

          Bei der Parlamentswahl in der Schweiz gab es Verschiebungen: Die rechtskonservative SVP bleibt zwar stärkste Kraft, konnte aber nicht mehr so gut punkten. Den größten Zuwachs verzeichnen die Grünen – in die Landesregierung schaffen sie es jedoch nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.