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Software für Musiker : Synchrones Jammen über das Internet

  • -Aktualisiert am

Der virtuelle Mixer am Windows- oder Mac-Rechner: Jamulus mischt die Einzelstimmen zum Ensemble-Klang. Bild: Wolfgang Tunze

Zusammen musizieren ist zu Corona-Zeiten schwierig und geht fast nur online. Ein Client-Server-System verbindet Musiker zur gemeinsamen Live-Übung ohne Latenzzeiten.

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          Es gibt Erfindungsbedarf, schrieben wir kürzlich in einer Glosse über den chronischen Frust von Chorsängern in Zeiten der Pandemie. Denn als Gruppe dürfen sich Vokalisten schon seit Monaten nicht mehr treffen. Also behelfen sich viele mit Solo-Übungen – oder sie setzen notgedrungen auf Konferenz-Software wie Zoom oder Microsoft Teams. Aber eigentlich bleiben auch solche Bemühungen solitär, den Vorgaben des Chorleiters mit stummgeschalteten Mikrofon folgend: Die langen und unterschiedlichen Laufzeiten der Übertragung schließen synchrones Musizieren über Konferenzplattformen aus, Hindernisse sind auch die automatischen Lautstärkeregelungen, die stets versuchen, einen Wortführer hervorzuheben. Doch es gibt Abhilfe, sagen Anbieter von Lösungen wie Jamkazam, Soundjack oder Sonobus. Wir haben Jamulus für einen Selbstversuch ausgewählt, denn diese Software ist gratis, kommt ohne kostenpflichtige Dienste aus und verspricht, selbst mit größeren Gruppen in echter Chorstärke zu funktionieren.

          Jamulus kann Übertragungszeiten natürlich nicht in Luft auflösen, doch das System versucht sie so stark zu reduzieren, dass gemeinsames Musizieren möglich wird. Und das geht ausschließlich mit Tönen; auf bewegte Bilder muss man verzichten. Die Software, die jeder Sänger oder Instrumentalist auf seinem Rechner installiert, verbindet sich mit einem der vielen Jamulus-Server im Netz. Natürlich muss jedes Ensemble-Mitglied dieselbe Adresse wählen. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist die Laufzeit eines Signals zwischen Client und Server, „Ping“ genannt. Sie wird im Verbindungsmenü angezeigt.

          Der Server-Rechner sammelt nun alle Vokalbeiträge ein, passt ihre Lautstärke mit einem virtuellen Mixer an und schickt den Gesamtklang wieder an jeden einzelnen Mitstreiter zurück. Allerdings sind die im Netz für jedermann erreichbaren Server quasi öffentlich, das heißt, neben dem Chor kann plötzlich noch eine Rockband Lust verspüren, über dieselbe Musik-Sammelstelle zu proben. Muss sich also jedes Ensemble einen eigenen Server zulegen? Das hätte sicher Vorteile, und die nötige Software gibt es ebenfalls gratis. Zur Not geht es aber auch so: Mit virtuellen „Solo“-Knöpfchen kann man jeden gewünschten Musikanten exklusiv zuschalten, alle anderen Server-Nutzer verstummen dann und können auch nicht mithören.

          Allerdings setzt die Nutzung des Systems Technik-Affinität voraus. Das beginnt schon mit der Installation der Software für Windows oder den Mac. Die Windows-Fraktion wird dabei aufgefordert, einen Asio-Treiber zu installieren. Er optimiert die Tonübertragung. Apple-Jünger haben es besser. Das Asio-Gegenstück, Core Audio genannt, gehört auf Macs und iOS-Geräten zu den festen Bestandteilen der Betriebssysteme. Die Rechner sollten auch Ethernet-Kabel zur Router-Anbindung nutzen; W-Lan könnte die Übertragung ein bisschen bremsen. Die Anforderungen an die Internet-Bandbreite sind überschaubar: Mit einer Download-Geschwindigkeit von 50 Megabit je Sekunde ist man auf der sicheren Seite.

          Dennoch sind die realen Tonverzögerungen nicht harmlos: Wir haben mit guter Anbindung und flottem Rechner Ping-Zeiten um 10 Millisekunden und Gesamtverzögerungen zwischen 25 und 30 Millisekunden erzielt. Der Rücklauf aus dem Netz folgt dem gesungenen Ton also schon als kurzes Echo. Was kann man dagegen tun? Jamulus empfiehlt die Verwendung eines drahtgebundenen Kopfhörers. Das ist ohnehin sinnvoll, um Rückkopplungen zu vermeiden. So ausgerüstet, kann man üben, sich vom eigenen Echo nicht irritieren zu lassen – und das gelingt auch nach kurzer Zeit besser, als wir anfangs dachten.

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