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Raumkorrektur : So klingen Ihre Lautsprecher besser

Ab hier entscheidet der Raum über den Klang. Bild: Patrizio Martorana

Die besten Lautsprecher liefern schlechten Klang, wenn sie am falschen Platz stehen. Schuld daran sind die akustischen Eigenheiten eines Raumes. So bekommt man den Klang elegant in den Griff.

          7 Min.

          Wenn ein Mann ein Paar Lautsprecher kaufen will, braucht er die Einwilligung seiner Frau. Das klingt nach Klischee, ist in vielen Ehen aber Realität. Schließlich stehen die Boxen meist im gemeinschaftlichen Wohnzimmer. Nach Preis, Größe und Design gilt es, die letzte Hürde zu nehmen: den geeigneten Platz. Meist landen sie in der hintersten Ecke, damit sie bloß nicht stören. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sie hier schlechter klingen als dort, wo man sie beim Kauf gehört hat. Egal, wie viel sie kosten. Schuld daran ist der Raum. Wenn die Musik die Lautsprechermembran verlässt und sich die Schallwellen auf den Weg zum Ohr machen, ist meist noch alles unkritisch. Doch obwohl der Direktschall als erstes am Sessel ankommt, mischen sich ein paar Millisekunden später Reflexionen hinzu. Das ist die Musik, die schon bei den Ohren direkt ankam und sich durch Reflexionen an allem, was im Wohnzimmer vorkommt, dazugesellt: Wände und Decken, Fensterscheiben, Gardinen, Teppich, Holzboden, Sofa, Fernseher oder Tisch.

          Solche Reflexionen und der sich daraus ergebende diffuse Schall sind erwünscht und notwendig für einen guten Klang. Ohne ihn würde die Musik unnatürlich und unangenehm klingen. Doch Reflexionen können den Klang auch verderben. Zudem können schlimme Raummoden entstehen. Dann brummt der Bass mächtig oder klingt dünn. Es geht mit anderen unschönen Klangfärbungen weiter.

          Nun gibt es zwei Möglichkeiten, den Klang zu verbessern. Entweder wandern die Lautsprecher solange im Raum umher, bis sie einen Platz gefunden haben, an dem sie ganz gut klingen. Dort werden sie vermutlich mitten im Weg stehen. Oder man geht das Problem von der anderen Seite an. Damit sich die Reflexionen anders verhalten, verrückt man die Möbel, legt einen Teppich auf den Boden, hängt mehr Gardinen hin oder stellt ein Bücherregal auf. Wenn das nicht zum Ziel führt, helfen Diffusoren, Resonatoren oder Absorber für Wände, Decke oder Boden. Sie streuen oder eliminieren Schallwellen. Auch wenn solche raumakustischen Maßnahmen die Lautsprecher häufig am besten klingen lassen: So etwas sieht halt nicht gut aus im Wohnzimmer.

          Für den ersten Versuch wurden die A35 von Canton an den R-N803D von Yamaha für 800 Euro angeschlossen. Bilderstrecke

          Die verträglichste und familienfreundlichste Methode, Lautsprecher in beliebigen Räumen am besten klingen zu lassen, ist deshalb die Messung und daraus resultierende Korrektur des Raumes mit Hilfe von Software. An der Stelle, wo sich der Lieblingsort des Hörers befindet, also zum Beispiel der Sessel, wird ein Mikrofon aufgestellt. Die Lautsprecher schicken nun Töne los, die das Frequenzspektrum von 20 Hertz bis 20 Kilohertz abdecken. Das Mikrofon misst, welche Frequenzen bei welcher Lautstärke wann am Hörplatz ankommen. Eine Software nimmt die Daten auf, wertet sie aus und manipuliert bei der Wiedergabe der Musik die Töne so, dass sie am Hörplatz etwa so ankommen, wie sich das der Toningenieur bei der Produktion der Musik vorgestellt hat.

          Die Signale werden zwischen CD- oder Netzwerkspieler und Verstärker, an dem die Lautsprecher hängen, in nahezu Echtzeit verarbeitet und angepasst. Die Aufgabe übernimmt ein digitaler Signalprozessor (DSP) mit Algorithmen. Er setzt Filter ein, um den Schalldruck des Frequenzbandes zu verändern. Sind einzelne Bereiche in den Tiefen, Mitten und Höhen zu laut, werden sie im Idealfall auf den gleichen, linearen Schalldruck gedrückt. Zudem kann der DSP die Laufzeit korrigieren. Das ist die Differenz, die entstehen kann, wenn etwa die linke Box die Signale einen kurzen Moment später losschickt. Oder er berücksichtigt, wenn durch unterschiedliche Beschaffenheit der Wände die Signale an beiden Ohren unterschiedlich ankommen. Die Software kann im Idealfall mit Hilfe einer Richtungsanalyse unterscheiden zwischen dem Einfluss von Direktschall und dem von reflektierten Schallwellen, um unterschiedliche Maßnahmen zu treffen. Je leistungsstärker der DSP und komplexer die Software, desto differenzierter lässt sich das Signal anpassen.

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