https://www.faz.net/-gy9-7ph3y

Wordpress & Co. : So baut man schnell eine Homepage

About.me: Hier ist der eigene Auftritt in sekundenschnelle eingerichtet Bild: Spehr

Weder steinig noch schwer: Der Weg zur eigenen Homepage ist heute einfach wie nie. Schon in wenigen Minuten lässt sich eine eigene Seite bauen.

          6 Min.

          Ein eigener Internetauftritt ist in vielen Bereichen des täglichen Lebens geradezu Pflicht. Der gute Eindruck zählt, etwa beim Handwerker, der mit einem größeren Auftrag bedacht werden soll. Selbst von manchem Bewerber für eine Arbeitsstelle wird mittlerweile erwartet, dass er oder sie nicht nur die formalen Voraussetzungen erfüllt, sondern auch ansprechend im Netz vertreten ist. Die Tücke liegt wie immer im Detail. Will der Bäcker um die Ecke seine Homepage selbst basteln, oder nimmt er ein Bausatz-System, das angeblich das Zusammenstellen hochwertiger Auftritte mit wenigen Mausklicks erlaubt? Der schlichte Auftritt ist ohne Programmierkenntnisse schnell im Netz. Anspruchsvolle Seiten sind ein Job für Spezialisten und Designer.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wir haben uns dem Problem schrittweise genähert. Mit einer simplen Lösung verschafft man sich als Privatperson in wenigen Sekunden einen Webauftritt, etwa auf der Seite about.me, die früher zu AOL gehörte, aber nun wieder in den Händen ihres Gründers Tony Conrad ist. Die elektronische Visitenkarte des Autors findet sich beispielsweise auf about.me/spehr, und damit ist das Prinzip klar: Die URL der eigenen Profilseite wird hinter dem Schrägstrich frei gewählt, nach der Anmeldung setzt man ein Hintergrundbild ein, ergänzt um Biographie oder Arbeitsstelle, und erstellt gegebenenfalls Verweise zu seinen Social-Media-Profilen. Das alles ist unentgeltlich, gegen Aufpreis erhält man Zusatzfunktionen. Diese Art der Selbstvermarktung ist in wenigen Minuten eingerichtet und spricht vor allem Einzelpersonen an.

          In die gleiche Richtung, jedoch mit deutlich mehr Komfort und weiteren Funktionen, zielt das unlängst von Yahoo aufgekaufte Tumblr für die private Homepage oder das eigene Blog. 180 Millionen Tumblr-Seiten gibt es, und auch hier ist die Anmeldung leicht. Schon kann man Texte, Bilder, Zitate und Filme veröffentlichen, das Layout individuell anpassen oder aus vorgefertigten „Templates“ wählen. Diese auch „Themes“ genannten Designvorlagen lassen sich den Inhalten wie ein neues Kleid überziehen, nur das Äußere ändert sich, der Kern bleibt. Beeindruckend ist neben der einfachen Gestaltung schöner Seiten auch die Option zum Teilen von Inhalten aus anderen Tumblr-Seiten. Tumblr wird oft als soziales Netzwerk beschrieben.

          Tumblr mit vielen Optionen

          Diese kleinen Schritte hin zur Digitalpräsenz sind so etwas wie das Beziehen einer Mietwohnung. Die Internetadresse (URL) ist stets an den Dienstbetreiber gebunden, bei Tumblr lautet sie zum Beispiel spehr.tumblr.com. Wer höhere Ansprüche hat, will das digitale Eigenheim mit eigener Domain und einem Server, auf dem man frei schalten und walten kann. Der Gewinn an Unabhängigkeit und Flexibilität geht mit Kosten und Aufwand einher: Die Registrierung der Domain ist dabei der erste Schritt. Weitere sind dann vorgezeichnet: Wie und wo erfolgt das Server-Hosting inklusive Wartung und Datensicherung, wie sieht es aus mit den Web-Inhalten oder der Seitengestaltung? Und wahrscheinlich wird man zur Domain noch ein passendes E-Mail-System, gegebenenfalls mit Mail-Server haben wollen.

          Hier schlägt nun die Stunde der Rundum-sorglos-Anbieter, die beispielsweise eine auf die Buchstaben „de“ endende Domain mit einigen Gigabyte Web-Speicherplatz plus Dutzende E-Mail-Adressen für eine Monatsgebühr von weniger als zehn Euro anbieten. Solche Pakete müssen nicht schlecht sein, aber man ertrinkt in den Details des Leistungsumfangs. Da fehlen dem günstigen Basispaket wichtige Funktionen, und es bleibt eben doch eine Lösung von der Stange. Was für die Bäckerei gut geht, funktioniert beim Rechtsanwalt oder Steuerberater spätestens dann nicht, wenn das Baukasten-Klicksystem keine Option zur Anzeige von Word-Dokumenten oder PDF-Dateien bietet. Wer den Fertigbau ins Auge fasst, sollte die Musterlösungen genau prüfen. Spätere Erweiterungen sind meist nicht möglich. Und man bindet sich ja an diesen einen Anbieter und seine proprietäre Software. Ein Umzug mitsamt Webbaukasten und individuellen Anpassungen ist nicht möglich.

          Mehr Flexibilität versprechen Content-Management-Systeme (CMS), mit deren Hilfe man Websites Stein auf Stein errichtet: Seiteninhalte, die Navigation auf der Gesamtseite, Suchfunktion, Seitengerüste wie Kopf- und Fußzeilen, das Layout und Design sowie Multimediales lassen sich vollkommen unabhängig voneinander verwalten und bearbeiten. Funktionalität, Form und Inhalt ergeben zwar ein Ganzes, aber in den Teilbereichen bleibt man flexibel und modular, Spezialisten bearbeiten ihre jeweiligen Aufgabenbereiche, Inhalt und Optik sind getrennt.

          Ein beliebtes deutsches Programm ist seit mehr als zehn Jahren „Web to Date“, das bis Ende März von Data Becker vertrieben wurde. Nun hat der Düsseldorfer Softwareverlag seine Geschäftstätigkeit eingestellt und Programmierer Thomas Henrichs die Rechte an seiner Software zurückerhalten. Mit Web to Date können Laien ohne Programmierkenntnisse sehr anspruchsvolle Websites erstellen. In der aktuellen Version 8 wird HTML 5 für aufwendige dynamische Präsentationen (ohne Flash) sehr tiefgreifend unterstützt. So flexibel Web to Date in seinen Details auch sein mag, liefert es stets einen eher statischen Internetauftritt. Zwar kann man eigene Inhalte einpflegen, aber es bleibt im Kern ein schöner Baukasten für Internetseiten, die sich nicht jeden Tag ändern. Zudem kann man seine Netzpräsenz nur an jenem Windows-PC pflegen, der die Software mit Kopierschutz und Produktaktivierung aufgespielt hat. Änderungen werden lokal vorgenommen und anschließend mit FTP auf den Server hochgeladen.

          Themes hübschen das Layout auf

          Für einen modernen Auftritt, der überall und jederzeit, selbst unterwegs im Internetcafé, aktualisiert werden soll und sowohl das kleinste Blog wie auch die größten Nachrichtenseiten der Welt tragen kann, kommt vorzugsweise WordPress zum Einsatz. Die freie und quelloffene Software wurde früher überwiegend von Bloggern eingesetzt und kommt mittlerweile auch bei kommerziellen Auftritten (etwa techcrunch.com) als Publishing-System zum Einsatz. WordPress gibt es seit zehn Jahren, und es läuft plattformunabhängig. Hat man, wie oben beschrieben, eine Domäne mitsamt Web-Hosting erworben, lassen sich alle weiteren Schritte in Eigenregie erledigen, und man bleibt mit einem WordPress-System so unabhängig, dass sich später zum Beispiel der Web-Hoster problemlos wechseln lässt.

          Der Anfang ist stets die WordPress-Installation auf dem eigenen Server. Sie kann in fünf Minuten bewältigt sein - oder Hilfestellung erfordern. Der Web-Hoster ist der erste Ansprechpartner. Oft bietet er eine Installation „ab Werk“ an. Andernfalls müssen nur die Programmdateien, die man von wpde.org lädt, mit dem FTP-Protokoll auf den Server geschickt und einige Pfade angepasst werden. Kein Hexenwerk, aber mancher bekommt feuchte Hände. WordPress-Profis gibt es zuhauf, und es lohnt sich, auf die Preise für Beratung und Einrichtung zu achten. „Die Technik ist leicht beherrschbar. Wichtiger sind die Grundüberlegungen für Präsentation und Inhalte, hier lohnt eine gute Beratung“, sagt der WordPress-Experte Marco Ripanti von 42 Medien in Weinheim, der Dutzende von namhaften Web-Auftritten betreut.

          Im Unterschied zu Web to Date benötigt man keine Software auf seinem PC, sondern nur einen Internetzugang und einen Web-Browser. Man ruft seine Seite auf und meldet sich als Nutzer an. Das ist alles. WordPress installiert zu Beginn ein Standard-Thema, eine Art Musterdesign. Diese Themen lassen sich wie bei Tumblr nachträglich wechseln und über den vorhandenen Inhalt ziehen. Die Tagesarbeit erledigt man mit dem „Dashboard“, abermals im Browser. Hier sieht man Artikel, Medien, Links, Themen und Plug-ins. Für neue Einträge gibt es einen Editor, und natürlich kann man Texte auch aus Word sowie Bilder, Audiodateien und andere Medien einfügen. Artikel werden im Browser erstellt, man kann also jederzeit und überall arbeiten. Die Bildverwaltung erlaubt das Skalieren und Ändern der Größe, die Objekte lassen sich in mannigfacher Weise in den Text einfügen. Es bleiben kaum Fragen offen, WordPress ist nahezu selbsterklärend. Im Unternehmenseinsatz lassen sich Benutzerkonten mit unterschiedlichen Zugriffsrechten anlegen. Beispielsweise „Autoren“, die nur Texte bearbeiten und veröffentlichen dürfen, aber keine administrativen Tätigkeiten ausüben sollen.

          Mit Systemerweiterungen und Mini-Programmen (Plug-ins) lässt sich WordPress nahezu beliebig erweitern, verschönern und ausbauen. Man sollte allerdings wissen, was man tut. Manche Plug-ins enthalten Schadcodes. Auch ein im Prinzip sinnvolles Tool wie der mitgelieferte und automatisch installierte Filterdienst Akismet gegen Kommentar-Spam darf nicht unbedacht eingesetzt werden. Er erfordert, wie WordPress Deutschland sagt, eine Datenschutzerklärung und die ausdrückliche Zustimmung des Besuchers, dass seine Kommentare und persönlichen Daten erhoben und auf ausländischen Servern gespeichert werden.

          Weitere juristische Fußnoten betreffen das Impressum. Die Idee des Gesetzgebers war, dass der Besucher einer Seite erfährt, mit wem er es zu tun hat. Weiterhin muss eine ladungsfähige Anschrift vorhanden sein, um rechtliche Ansprüche notfalls gerichtlich durchzusetzen. Leider will der Gesetzgeber die Anforderungen für ein rechtssicheres Impressum nicht darlegen. Deshalb blüht in Deutschland eine Abmahn-Industrie, die von tatsächlichen oder vermeintlichen Verstößen gegen die Impressumspflicht lebt. Nach Paragraph 5 des Telemediengesetzes benötigt jeder „geschäftsmäßige“ Online-Dienst, der Inhalte, Waren oder Leistungen auf seiner Website gegen Entgelt anbietet, ein Impressum. Geschäftsmäßiges Handeln ist sehr weit auszulegen. Selbst wenn man auf seiner Seite nur ein einziges Werbebanner plaziert oder mit Verlinkungen an einem Partnerprogramm teilnimmt, ist ein Impressum anzulegen. Nach Paragraph 55 des Rundfunkstaatsvertrages benötigt auch derjenige ein Impressum, der journalistisch-redaktionell gestaltete Inhalte anbietet, die zur Meinungsbildung beitragen können. Das Impressum muss im Übrigen „leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar“ sein.

          Juristische Fallstricke können ferner durch die Einbindung von Social-Media-Buttons und -Plug-ins entstehen. Mit den Schaltflächen für Facebook, Google Plus oder Twitter wird eine Datenübertragung an den jeweiligen Social-Media-Anbieter ausgelöst, ohne dass der Besucher der Seite die Möglichkeit hat, über diese Datenübertragung informiert zu werden oder diese zu unterbinden. Weitere Vorsichtsmaßnahmen ergeben sich spätestens dann, wenn die eigene Homepage nicht nur weithin bewundert und angesteuert wird, sondern auch in das Blickfeld der dunklen Mächte gerät. Kommentar-Spam und Hackerangriffe rund um die Uhr sind ärgerlich, unvermeidlich - und ein Zeichen des Erfolgs. Damit das eigene digitale Heim geschützt bleibt, muss man fortwährend am Ball bleiben und alle paar Tage in jeder Ecke nach dem Rechten sehen.

          Weitere Themen

          Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

          Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

          Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

          Topmeldungen

          Gladbach besiegt Bayern : Großartig für die Bundesliga

          Gladbach gewinnt ein verrücktes Topspiel gegen die Münchner. Die sind spielerisch so gut wie die Bayern-Teams, die in den vergangenen sieben Jahren Meister wurden. Aber nun fehlt die Cleverness eines Champions.
          Bei welcher Krankenkasse man unter welchen Bedingungen durch Vorauszahlungen Geld sparen kann, hängt auch vom Einzelfall ab.

          Die Vermögensfrage : Mit Vorauszahlungen Steuern sparen

          Wer seine Krankenversicherungsbeiträge im Voraus bezahlt, kann damit nicht unbeträchtlich Steuern sparen. Ob dies im Einzelfall immer möglich ist, hängt allerdings auch von Versicherung und Krankenkasse ab.
          Krippen-Kinder in Hamburg

          Konsequenzen aus Pisa : Deutsch lernen in der Kita

          In der jüngsten Pisa-Studie haben die deutschen Schüler nur mittelmäßig abgeschnitten. Bildungsministerin Karliczek will deshalb das frühe Vorlesen fördern – schon vor der Grundschule.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.