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Smartwatches : Sind sie schon smart genug?

Die erste Generation der Android-Wear-Modelle wirkt billig, hier die Samsung Gear Live. Bild: Foto Hersteller

Smartphone und Armbanduhr ergänzen sich, das ist die Idee der Smartwatch. Google erweitert dafür sein Betriebssystem. Wir haben erste Geräte ausprobiert.

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          Der Fahrer hebt kurz seine Hand vom Lenkrad, sagt „Okay, Google“ und diktiert eine SMS in die Armbanduhr. Wenig später vibriert diese, ein schneller Blick auf das Display zeigt: Neue E-Mails, nichts Wichtiges, lieber auf den Verkehr konzentrieren. Der nächste Hinweis der intelligenten Uhr betrifft dann das Verkehrsgeschehen: Stau voraus, ein rotes Fahrzeugsymbol erscheint, Google kennt Standort und Ziel - und die Störung dazwischen. So funktioniert das mit den ersten Smartwatches, die jetzt im Handel sind.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Neu ist nicht die Verbindung von Uhr und Smartphone. Das gibt es schon lange, und zwar als eine Art Display-Erweiterung des Mobiltelefons. Auch die telefonierende Armbanduhr ist nicht neu. Die Idee wurde bereits in den Detektiv-Comics der 1930er Jahre mit Dick Tracy gezeigt. Vor vier Jahren präsentierten Samsung und LG ihre ersten funktionierenden „Watchphones“. Mit diesen teuren Apparaten konnte man tatsächlich telefonieren, sie haben sich indes nicht durchgesetzt.

          Die Innovation der aktuellen Smartwatch, der schlauen Uhr, besteht darin, dass sie auch bei den Inhalten aufs engste mit dem Smartphone in der Jacken- oder Handtasche verknüpft ist. Sie bringt nicht nur die Daten und Informationen vom großen Gerät aufs kleine am Handgelenk, sondern wird zu einem Bestandteil des mobilen Betriebssystems, beherbergt eigene Apps. Das in die Smartwatch diktierte „Okay, Google, sende SMS an Frauke - Ich komme später“ wird als Sounddatei per Bluetooth an das Telefon übertragen. Dort ist der Sprach-Erkenner von Google für die Umsetzung zuständig, insbesondere das Auseinanderdividieren von Kommando und Inhalt, das Heraussuchen von Fraukes Handynummer und schließlich das Absenden der SMS.

          Kaum Unterschiede in Ausstattung und Bedienung

          Damit Uhr und Smartphone zusammenwachsen, hat Google sein Betriebssystem modifiziert und ein neues „Android Wear“ entwickelt. Als besonders schicker Begleiter wurde schon vor Monaten die Motorola-Uhr „360“ präsentiert, sie ist zweifellos ein Hingucker - aber noch nicht lieferbar. Schon im Handel sind zwei neue Smartwatches: „G Watch“ von LG und „Gear Live“ von Samsung. Beide Geräte sind groß und klobig. Die LG misst 3,8 × 4,7 Zentimeter und ist einen Zentimeter dick. Das IPS-Display erstreckt sich über eine Diagonale von 1,65 Zoll, 63 Gramm hängen am Handgelenk. Die Samsung wiederum ist mit 3,8 × 5,6 Zentimeter noch ein bisschen höher, jedoch weniger dick (9 Millimeter) und vier Gramm leichter. Ihre Amoled-Anzeige löst mit 320 × 320 Pixel über 1,63 Zoll auf, während die LG nur 280 × 280 Pixel hat. Beide nutzen Bluetooth 4 in der Energiesparvariante Low Energy und einen vier Gigabyte großen Speicher. Die LG-Uhr hat den leistungsstärkeren Akku mit 400 Milliamperestunden, die Samsung muss mit 300 auskommen.

          Für 200 Euro erhält man viel Plastik. Möchte man das wirklich tragen? Wir haben die LG seit Anfang Juli ausprobiert: Die Größe ist eine Zumutung, die Uhr stößt sich am Hemdärmel, und sie muss wie die Gear Live jeden Abend auf eine Ladestation. Die Samsung sieht mit ihrem Rahmen aus gebürstetem Edelstahl etwas schicker aus, hat zudem einen Pulsmesser auf der Rückseite, und das Amoled-Display stellt Farben lebendiger dar. Aber auch sie ist groß, wirkt letztlich billig - und das Andocken an ihre Ladeeinrichtung ist kompliziert.

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