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Smartphone P30 Pro : Huawei hat einen Knick in der Optik

Das neue P30 Pro von Huawei in vier Farben. Bild: Dettweiler

Huawei prescht mal wieder vor. Das neue Smartphone P30 Pro hat unter anderem einen fünffachen optischen Zoom. Beim Preis lässt Huawei die Konkurrenz davon ziehen.

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          Wenn heutzutage ein neues Smartphone vorgestellt wird, steht die Kamera im Fokus. Das ist nicht nur bei Apple, Samsung, Nokia oder Sony, sondern eben auch bei Huawei so. Deswegen hat Richard Yu an diesem Dienstag in Paris während der Vorstellung des neuen P30 Pro sehr viel Zeit damit verbracht, die Kamera zu erklären und zu loben.

          Das geht aus zwei Gründen in Ordnung. Erstens hatte Huawei vor drei Jahren den richtigen Riecher, als sie eine Kooperation mit Leica eingegangen sind und mit dem P9 eines der ersten Smartphones mit Doppelkamera präsentierten. Zweitens zieht so ziemlich jeder Hersteller momentan eine Studie aus der Tasche, dass die Nutzer an einem Smartphone die Kamera am meisten interessiert.

          Doch wie soll man mit der Kamera punkten, wenn das Niveau der Bilder – zumindest bei den Kameras der Flaggschiffe – sehr hoch ist? Man baut einfach von Grund auf eine neue Kamera ins neue Smartphone. Das erzählt jedenfalls Huawei. Folgt man der Beschreibung der Zoom-Technik, blieb den Chinesen auch keine andere Wahl. Denn das P30 Pro hat einen fünffach optischen Zoom. Dass diese Technik bisher noch nie – oder jedenfalls sehr selten – in einem Smartphone eingesetzt wurde (Oppo hat allerdings auf dem Mobile World Congress einen zehnfachen optischen Zoom angekündigt), liegt wahrscheinlich daran, dass das Kameramodul zu weit aus dem Gehäuse ragen würde. Je höher der optische Zoom desto mehr Linsen müssen hintereinander angeordnet werden.

          Das Display ist 6,47 Zoll groß. Bilderstrecke

          Also hat sich Huawei etwas einfallen lassen. Die Chinesen arbeiten mit einem Periskop-Aufbau. Das Licht fällt durch die dritte Öffnung im Kameramodul und wird dahinter durch ein Prisma um 90 Grad nach rechts umgelenkt. Dann folgt die Anordnung der Zoomlinsen. Weil diese um 90 Grad gedreht sind, kann Huawei die Breite des Gehäuses nutzen, um einen fünffach Zoom zu erreichen. Dieses Objektiv hat acht Megapixel Auflösung und eine Blende von 3,4. Die Software bedient sich auch der Informationen, welche die beiden anderen Objektive sammeln.

          Wir haben das Zoomobjektiv ein wenig ausprobieren können, gerade auch den zehnfachen Hybridzoom, der vom optischen Zoom profitiert und digitale Informationen dazurechnet. Bei unbeweglichen Objekten in der Ferne erreicht das P30 Pro mit seinem optischen Zoom noch eine Schärfe, wo andere Smartphones aufgeben müssen. Bewegt sich der Fotograf oder das Objekt, sind die Ergebnisse im Kurztest nicht mehr optimal. Möglicherweise bessert da Huawei mit einem Software-Update nach. Das wird der Test zeigen.

          Hohe Lichtempfindlichkeit

          Nicht nur der Fünffach-Zoom erforderte eine neue Konzeption des Kamera-Moduls, sondern auch Huaweis Vorhaben, die Lichtempfindlichkeit deutlich zu erhöhen. Dafür haben die Chinesen einen „Industrie-Standard neu definiert“. Es geht um den Farbfilter des sogenannten Bayer-Sensors, der die Grundlage für nahezu alle Kameras ist. Der Aufbau ähnelt einem Schachbrettmuster mit den Farben Rot, Grün und Blau. Durch das Mischen der Farbinformationen, die der Sensor aufgrund des einfallenden Lichtes bekommt, berechnet die Software die Farben des Bildes. Huawei hat nun die Farbe Grün durch Gelb ersetzt, weil gelbes Glas mehr Licht durchlässt. Durch die Verwendung von Gelb musste Huawei die Software neu programmieren. Die Chinesen nennen ihre neue Technik „Superspectrum-Sensor“ mit „RYYB-Filter“.

          Herausgekommen ist ein ISO-Wert von 409.600. Das ist der vierfache Wert, den Huawei beim Vorgänger P20 Pro erreicht hatte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Für den Kurztest hatte Huawei eine Art Dunkelkammer eingerichtet, in der ein Gemälde aufgehängt wurde. Macht man das Licht aus, sehen die Augen kaum noch etwas. Macht man ein Foto mit dem P30 Pro, ist das Gemälde deutlich zu erkennen. Überhaupt hat man das Gefühl, dass bei den meisten Bildern durch den neuen Sensor die Bilder einen Look haben, der an Fotos erinnert, die mit einer Spiegelreflexkamera gemacht wurden. Allerdings gab es auch Bilder, in denen dunkle Bereiche nicht aufgehellt wurden, weil die Software sich sozusagen für den falschen Bereich entschieden hatte.

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