https://www.faz.net/-gy9-9k6xd

Nokia 9 Pureview ausprobiert : Fünferpack von Nokia

Fünf Linsen im Siebenerverbund auf der Rückseite des Nokia 9 Pureview Bild: Hersteller

Was Nokia mit dem 9 View zeigt, scheint dem Motto zu folgen: Viel hilft viel. Das Smartphone hat fünf Objektive auf dem Rücken. Doch dahinter steckt ein durchdachtes Konzept.

          Nokia hat sich seit seiner Wiedergeburt vor zwei Jahren mit sehr günstigen Smartphones in der Einsteiger- und Mittelklasse hervorgetan. Ein echtes Flaggschiff in der Oberklasse, das vergleichbar wäre mit den teuren Geräten von Apple, Huawei, Samsung oder Sony gab es bisher nicht wirklich. Das Nokia 8 Sirocco klopfte zwar mit dem Preis von 750 Euro an der Tür zur Oberklasse an, wurde aber nie in den Olymp aufgenommen. Mittlerweile ist das Gerät für fast die Hälfte im Internet zu haben.

          Jetzt versuchen es die Finnen noch einmal auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Bilder wurden im Netz schon länger durch die Social-Media-Kanäle gereicht, und wie so oft waren die Leaks und Spekulationen richtig. Das Nokia 9 View hat nicht ein, zwei, drei oder vier Objektive auf dem Rücken, sondern fünf! Es scheint sogar, als wären es sieben. Die Anordnung ist wie ein Kreis aus sechs Linsen bestehend, in dem in der Mitte eine weitere sitzt. Doch Nummer 6 ist ein Blitz und Nummer 7 ein Sensor.

          Das „Fünf-Kamera-Array mit Zeiss-Optik“ stellt nicht ein Set aus fünf Brennweiten dar. Somit geht Nokia einen anderen Weg als Samsung und vor allen Dingen Huawei, das Ende März das P30 vorstellt, das vier verschiedene Brennweiten haben könnte, darunter einen Superzoom. Die fünf Linsen auf dem Rücken des Nokia 9 Pureview haben alle die gleiche Brennweite und nehmen alle mit 12 Megapixel Auflösung Bilder auf. Und sie tun es auch noch gleichzeitig aus der gleichen Perspektive. Was soll das also mit den fünf Objektiven?

          Das Display ist 5,99 Zoll groß. Bilderstrecke

          Die Finnen arbeiten mit dem Start-up-Unternehmen Light zusammen, das genau diese Technologie einsetzt. Entscheidend ist dabei die Software. Sie steuert die fünf Objektive, um möglichst viele Informationen für das Foto zu sammeln. Genügen diese der Software noch nicht, macht das Smartphone auch mal drei, vier oder mehr Aufnahmen hintereinander, ohne dass es der Nutzer merkt. Es liegen somit mindestens 60 Megapixel an Informationen vor, das Bild selbst bleibt bei einer Auflösung von 12 Megapixel. Die fünf Linsen machen zwar alle eine Aufnahme, bekommen jedoch von der Software verschiedene Aufgaben zugewiesen. Drei von ihnen sind im Übrigen reine Monochrom-Linsen, die beiden anderen nehmen auch in Farbe auf.

          Wie das Ergebnis aussieht, lässt sich schon aufgrund der technischen Beschreibung erahnen. Die Bilder sind vor allen Dingen detailreich, rauschen in dunkler Umgebung weniger und haben einen hohen Kontrastumfang. Es kommt noch eine weitere Funktion hinzu. In der Foto-App lässt sich die Schärfentiefe im Nachhinein bestimmen. Das können andere Smartphones von Apple, Samsung, Huawei und Sony auch. Doch beim Nokia 9 Pureview lässt sich die Schärfentiefe theoretisch zwischen 7 Zentimeter und 40 Meter setzen, weil die fünf Linsen so viele Tiefeninformationen sammeln, dass die Software die Tiefe des Raumes in mehrere hundert Ebenen unterteilen kann.

          Flexibler Bokeh-Effekt

          Wir haben diese Funktion bei dem neuen Gerät ausprobiert. Es ist erstaunlich, wie genau sich einzelne Personen und Gegenstände auf einem Foto mit einem Fingertipp auswählen lassen, um hinter ihnen den Rest des Bildes unscharf werden zu lassen und einen Bokeh-Effekt zu erreichen. Hin und wieder entstehen Effekte wie in der Tilt-Shift-Fotografie, was dem Foto einen leicht künstlichen Charakter verleiht. Die Funktionen lassen sich im Googles Photos Depth Editor ausführen.

          Wer noch ambitionierter vorgehen will, macht eine Aufnahmen im Raw-Format, öffnet und bearbeitet sie in der Lightroom-App, die allerdings nicht vorinstalliert ist. Auf den ersten Blick sehen die Bilder sehr gut aus, man wird sie allerdings noch mit den Bildern anderer Smartphones ausführlich vergleichen müssen. Angenehm in der Bedienung ist die neue Benutzeroberfläche „Pro Camera“.

          Die neue Kamera ist definitiv das Highlight des 9 Pureview. Etwas besonderes ist ebenso der Google-Assistant-Button. Mit ihm lässt sich der Sprachassistent direkt aufrufen. Eine ähnliche Funktion hat bisher nur das Pixel-Smartphone. Ansonsten hat Nokia sein neues Flaggschiff mit dem ausgestattet, was notwendig ist. Es hat ein Alu-Gehäuse mit Glasrücken in einer einzigen Farbe: Midnight blue. Mit 8 Millimeter ist es recht dünn. Der Bildschirm hat eine Diagonale von 5,99 Zoll. Unter ihm sitzt ein Fingerprintsensor, mit dem sich das Gerät entsperren lässt.

          Die Arbeit übernimmt der Prozessor Snapdragon 845 von Qualcomm. Mit 6 Gigabyte ist der Arbeitsspeicher üppig bemessen, der interne Speicher mit 128 Gigabyte könnte bei ambitionierten Fotografen an seine Grenzen stoßen, da eine Raw-Aufnahme zwischen 30 und 40 Megabyte groß ist. Kabelloses Laden nach dem Qi-Standard ist ebenfalls möglich. Mit 3320 Milliamperestunden Kapazität sollte die Batterie einen Tag durchhalten. Da alle Nokia-Smartphones Android One installiert haben und somit garantiert ist, dass man jederzeit auf aktuellstem Stand des Betriebssystems ist, kommt das 9 Pureview mit Android 9 Pie.

          Der Preis ist das einzige, was es für die Oberklasse nicht qualifiziert: Das Nokia 9 Pureview kostet „nur“ 650 Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.