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Smartes Türen-Schließsystem : Wisch und Zu

  • -Aktualisiert am

Der Hersteller Nuki aus Graz bietet diesen Bausatz an. Bild: Hersteller

Das Türen-Schließsystem von Nuki lässt sich ohne Profi-Hilfe nachrüsten. Es verbindet sich mit dem Heimnetz und folglich mit vielen Smarthome-Systemen.

          Türschlösser für das smarte Zuhause gibt es in großer Auswahl, aber nur wenige lassen sich ohne Profi-Hilfe mit ein paar Handgriffen nachrüsten, erhalten dem herkömmlichen Schlüssel seine Funktion und beziehen auch noch den Türschnapper am Eingang zu Mehr-Parteien-Häusern mit ein. Der Hersteller Nuki aus Graz bietet solch ein Utensil an – genauer gesagt einen Bausatz, der das Schloss, ganz nach Bedarf, sogar mit dem Heimnetz und folglich mit vielen Smarthome-Systemen verbinden kann. Selbst Sprachsteuerung und Fernkontrolle über das Internet sind auf diese Weise möglich.

          Das hat unser Interesse geweckt. Unsere Wohnungs- und Bürotüren wurden folglich zu Versuchsobjekten. Kernstück des Systems ist das Smartlock 2.0 zum Preis von 229 Euro. Es wird einfach über den vorhandenen Schließzylinder und den eingesteckten Schlüssel montiert, der dann mit Motorkraft, gespeist von vier Mignon-Batterien, gedreht wird. Der Charme der Lösung: Sollte die Elektronik jemals ausfallen, kann der konventionelle Zweitschlüssel einspringen und nach alter Väter Sitte die Tür aufschließen. Das funktioniert allerdings nur mit Schließzylindern, die es erlauben, dass ein Schlüssel von außen in Aktion tritt, während innen ein zweites Exemplar eingesteckt ist.

          Es gibt noch ein paar weitere Voraussetzungen für die reibungslose Montage und Funktion, die man auf der Website des Herstellers in einem Dialogpfad abfragen kann. Exotische Schlüssel zum Beispiel, die dicker sind als vier Millimeter, lassen sich nicht mit dem System kombinieren, ansonsten aber ist das Smartlock ziemlich flexibel. So verträgt es sich mit den gängigen Europrofilzylindern ebenso wie mit Schweizer Rundprofil-, Knauf- und Ovalzylindern. Außerdem lässt es sich mit mechanischen Adaptern an viele Schlüsselformen anpassen.

          Wir waren etwas besorgt

          In nur drei Minuten, sagt der Hersteller, ist das elektronische Schloss montiert. Die Zeit mag reichen, wenn alles ohne größere Experimente klappt; wir haben etwas länger gebraucht. Zunächst zieht man die Montagebasis aus dem Schloss heraus und befestigt sie nach einer von zwei Methoden: Ragt der Zylinder ein paar Millimeter aus dem Schlossschild, wird er von drei Klemmschrauben an der Basis in die Zange genommen. So ist für eine stabile Verbindung gesorgt. Endet der Zylinder auf einer Ebene mit dem Schlossschild, lässt sich die Montagebasis kleben. Sie trägt dazu bereits einen passenden, von einer Folie geschützten Klebstreifen auf ihrer Rückseite. Wir waren etwas besorgt: Unser Schließzylinder ragte etwa einen Millimeter aus dem Gehäuse, zu knapp, um in die Schraubzwinge zu passen.

          Doch die Basis ist tolerant genug, um sich auch in diesem Fall kleben zu lassen. Unser Probeschloss war ziemlich schwergängig: Man musste stets einige Kraft aufwenden, um den Schlüssel von Hand zu drehen. Würde ein kleines Elektromotörchen genug Energie aufbringen? Tatsächlich klappte die Sache dann ohne Hängepartie. Aber würde eine Klebeverbindung unter solchen Umständen dauerhaft halten? Bisher hat sie nicht nachgegeben, aber wer ganz sichergehen will, greift dann womöglich doch zum Bohrer und sorgt für eine Schraubverbindung mit der Tür.

          Sitzt alles, wie es soll, lädt man die passende App und stellt mit dem Smartphone eine Bluetooth-Verbindung her. Die einfachste Art, die Tür zu öffnen, klappt mit einem Wisch am Display. Es lassen sich aber auch etliche Automatik-Varianten programmieren, etwa „Auto Unlock“ und „Lock’n’Go“, also das automatische Schließen beim Verlassen der Wohnung und bei der Rückkehr. 200 verschiedene Zutrittsberechtigungen lassen sich vergeben, ein Protokoll hält fest, wer wann den Eingang passiert hat. Und wer eine Apple Watch oder ein Android-Modell am Handgelenk trägt, kann auch von dort aus schließen. Besonders interessant sind die Ergänzungen: Die Nuki Bridge, im Combo-Paket mit dem Schloss für 299 Euro zu haben, integriert den Türwächter ins W-Lan und damit in Systeme wie Apple Homekit oder stellt Verbindungen zu vielen Smarthome-Hubs her, auch zu Türklingeln wie den smarten Modellen von Doorbird oder Ring.

          Die Sprachassistenten Alexa und Google Assistant können die Tür auf Zuruf öffnen. Eine zusätzliche Hardware-Erweiterung ist demnächst zu haben: Sie stellt den Kontakt zu Gegensprechanlagen und Türöffnern her, um auch die Eingangstür im Mehr-Parteien-Haus smart zu öffnen. Und noch zwei weitere Komponenten erweitern das Programm: Ein Schlüsselanhänger mit Taste öffnet die Tür auch ohne Smartphone-Präsenz, eine Zehnertastatur zum Ankleben an den Türrahmen löst Schließfunktionen mit Zahlencodes aus.

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