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Smarte Uhren im Test : Für die Sportskanonen

15 verschiedene Sportarten werden automatisch erfasst

Fitbit, dereinst ein Pionier bei den Fitness-Trackern, liefert seit einigen Wochen seinen neuen Charge 3 aus. Er kommt mit Oled-Display, ist wasserdicht, die Akkulaufzeit beträgt sieben Tage, und 15 verschiedene Sportarten werden automatisch erfasst. Mit einem besonderen Sensor wird der Sauerstoffgehalt des Blutes gemessen, aber ein fest verbautes GPS hat das Gerät nicht.

Jenseits der Hardware wird die Software immer wichtiger. Dabei geht es zunächst um das Herausrechnen valider Bewegungsinformationen aus der Fülle der Sensordaten einer Uhr. Wurde der Arm beim Tippen am Computer bewegt oder während des Joggens? Es kommt also auf die Algorithmen an. Die Interpretation der Messwerte ist das große Geheimnis der Hersteller. Wenn das Armband falsche Werte liefert, hat die Software versagt. Auch lässt sich diese bisweilen täuschen, wenn etwa ein rhythmisches Klopfen des Armbandträgers auf den Tisch als Joggen interpretiert wird.

Neben diesen Finessen will der Hobby-Sportler verwöhnt werden. Reichten früher nackte Zahlen und Fakten, müssen es heute schöne Grafiken und anspruchsvolle Auswertungen sein. Alle großen Hersteller entwickeln ein Ökosystem rund um ihre Sportuhren. Die einzelnen Aktivitäten werden erfasst, man kann wie in einer Tabellenkalkulation mit den Daten spielen, Fortschritte im Laufe der Zeit sehen und vergleichend analysieren, wie sich etwa das Tempo oder die Herzfrequenz unter bestimmten Bedingungen ändern.

Garmin ist hier mit großem Abstand am weitesten. Garmin Connect im Web-Browser oder auf dem Smartphone ist ein Eldorado für alle Datenverliebten. Man kann seine Aktivitätskalorien über die Zeitachse aufbereiten, bekommt eine Kalenderansicht aller Ereignisse und kann Trainingspläne erstellen. Zwei Neuerungen der vergangenen Monate sind spektakulär: Die „Heatmap“ zeigt für einen beliebigen Standort in aller Welt die beliebtesten Rad- und Laufstrecken in der Nähe an. Es sind die meistverwendeten Wege anderer Garmin-Läufer und -Radfahrer. Es wird sogar zwischen drei Rad-Einsätzen (Rennrad, Mountainbike, Offroad) und dem Laufen sowie Trailrunning unterschieden, und man kann die Vorschläge unabhängig vom PC an der Fenix-Uhr abrufen. Nur die Sportart und die Streckenlänge sind einzugeben.

Ferner startet Garmin Challenges, Herausforderungen mit anderen Sportlern, die man nicht einmal kennen muss. Man sieht einen unverdächtigen Teil des Profils der Kontrahenten und ist aufgerufen, zum Beispiel innerhalb einer Woche mindestens 100 000 Schritte zurückzulegen. Das alles animiert zur Extrarunde.

Nicht die Detailtiefe eines EKGs in der Arztpraxis

Apple verzichtet leider auf eine schöne Visualisierung eigener Erfolge im Web-Browser, viel Analytik auf dem iPhone entschädigt dafür. In der Aktivitäts-App erhält man Auszeichnungen und Medaillen, kann seine Fortschritte mit anderen teilen. Seit Watch OS 5 gehört auch hier der Wettbewerb mit anderen dazu, wobei es nicht um die schiere Leistung geht. Das Wertungssystem erlaubt es nämlich, sogar Freunde herauszufordern, die ein viel höheres oder niedrigeres Bewegungs- und Trainingsniveau haben.

Wer sich damit anfreunden kann, alle Daten nur auf dem Smartphone zu sehen, bekommt in der Sportwelt von Apple den Vorzug weiter gehender medizinischer Daten. Demnächst kann man mit der Watch Series 4 ein Einkanal-EKG schreiben, das natürlich nicht die Detailtiefe eines EKGs in der Arztpraxis hat, aber zumindest darauf hinweisen kann, dass ernsthafte Probleme vorliegen. Auch will Apple das gefährliche Vorhofflimmern erkennen, es bleibt oft unbemerkt und kann zum Schlaganfall führen. Diese beiden spektakulären Funktionen sind jedoch noch nicht freigeschaltet.

Wer sich jetzt für eine Sportuhr entscheidet, muss also gewisse Prioritäten setzen und sollte beachten, dass die eigenen Daten nicht von einem Anbieter zum nächsten mitgenommen werden können. Garmin wuchert mit den Pfunden seiner seit jeher starken Analytik und bietet Dutzende von Smartwatches in unterschiedlicher Ausstattung, die durchaus nebeneinander eingesetzt werden können. Polar könnte mit seiner Vantage und der Leistungsmessung wieder zu einem neuen Höhenflug ansetzen, Apple ergänzt sein Portfolio in Richtung Gesundheit und Medizin. Schließlich spricht Fitbit jene an, die für wenig Geld einen Motivationsschub suchen. Man muss also nur wissen, was man will.

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