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Smart-Home-Türklingel im Test : Kein Klingelstreich

Damit der Postbote nicht zwei Mal klingelt: Video Doorbell von Arlo Bild: Hersteller

Schau mal, wer da kommt: Die Smart-Home-Türklingel von Arlo kommt mit Videoübertragung aufs Handy. Die ersten Schritte der Einrichtung funktionierten problemlos. Und dann ging es erst einmal nicht mehr weiter.

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          „Wir bauen den ganzen Mist wieder ab, und setzen die alte Türklingel abermals in Betrieb.“ Der Elektriker war von Anfang an skeptisch hinsichtlich unseres neuesten Plastikspielzeugs, und nun sollten sich alle Vorbehalte bestätigen. Die Videotürklingel mit Kamera, Bewegungserkennung, Cloud-Speicher und Alarmsirene lief einfach nicht.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Rede ist von der Video Doorbell des amerikanischen Herstellers Arlo. Sie soll mit den Überwachungskameras des früher zu Netgear gehörenden Unternehmens zusammenarbeiten, so dass sich Synergieeffekte ergeben. Die 200 Euro teure Kamera kommt als 13 Zentimeter hoher, ovaler Plastikriegel. Unten im Gehäuse befindet sich der Klingelknopf, oben die Optik. Der Unterschied zu einer besonders hochwertigen Videoanlage etwa von Siedle ist sofort zu sehen, indes kostet Letztere gern das Zehnfache.

          Im Arlo-Paket befindet sich neben der Türklingel auch ein 24-Volt-Transformator, der in den Sicherungs-Schaltkasten einzubauen ist. Dies ist eine Aufgabe für den Elektriker. Die Arlo benötigt 16 bis 24 Volt Wechselstrom, der typische Klingel-Transformator deutscher Häuser hat acht Volt. Damit nicht genug. Nach der Umrüstung muss auch ein neues Läutwerk für 24 Volt im Hausflur angebracht werden, und das ist in Deutschland kaum erhältlich. Der Elektriker ersetzte im ersten Schritt den Transformator und setzte dann am Türgong einen Widerstand ein, um das vorhandene Acht-Volt-Läutwerk weiternutzen zu können. Außerdem ist im Gehäuse der Klingel noch eine kleine Steuerungseinheit unterzubringen, mit deren Hilfe man den vorhandenen Gong ausschalten kann.

          Im Arlo-Paket befindet sich neben der Türklingel auch ein 24-Volt-Transformator, der in den Sicherungs-Schaltkasten einzubauen ist. Bilderstrecke

          Außen am Haus wurde die bestehende Türklingel abgebaut, und wir stellten fest, dass die vorhandene kreisförmige Aussparung im Mauerwerk breiter ist als der Arlo-Plastikriegel mit seinen 4,5 Zentimetern. Also musste eine Abdeckplatte gebastelt werden. Die beiden Klingeldrähte werden rückseitig mit der Video Doorbell verbunden, und dann nimmt man die Anlage per App auf dem Smartphone in Betrieb.

          Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wird die Türklingel als eigenständiges Produkt ins heimische W-Lan eingebunden, oder sie verbindet sich mit einer vorhandenen Arlo-Überwachungsanlage und deren Basisstation. Dass man keine gedruckte Anleitung vorfindet, sondern einzelne Schritte in der App abarbeiten muss, ist nicht unbedingt ein Vorteil.

          Bei uns funktionierten die ersten Schritte der Einrichtung problemlos, und dann ging es nicht mehr weiter. Die App fand die Doorbell nicht. Währenddessen leuchtete die LED im Klingelknopf abwechselnd rot und weiß.

          Wir wiederholten die einzelnen Schritte, schauten Einrichtungsvideos auf Youtube und probierten die Inbetriebnahme ohne Basisstation. Dazu wird ein QR-Code in der App eingeblendet, und dann soll man das Smartphone vor die Kamera halten. Abermals fanden beide Welten nicht zusammen.

          Das rot-weiße Leuchten ist weder als Fehlerursache in der App beschrieben, noch findet man dazu Erläuterungen in den Arlo-Hilfeforen. Dies war der Moment, in dem wir an den kompletten Rückbau der Anlage dachten. Wir ließen den Elektriker ziehen, schickten noch eine letzte E-Mail an den Arlo-Support und gingen am späten Abend die Einrichtung noch einmal an. Siehe da, jetzt funktionierte es, und später bestätigte die Hotline, der optische Hinweis bedeute, dass die Türklingel ihren eingebauten Akku lädt und noch nicht bereit ist.

          Seither macht die Türklingel, was sie soll. Klingelt es, erhält man einen Anruf auf dem Smartphone. Nimmt man ihn an, sieht man, wer vor der Tür steht und kann im Gegensprechmodus miteinander reden. Mit synthetischer Stimme kann man vordefinierte Texte („kein Interesse“) dem Besucher vorsprechen lassen. Die Videoaufzeichnungen landen in der Arlo-Cloud, die ein Abonnement erfordert. Man sieht also auch abends, wer vormittags geklingelt hat. Leider fügt sich die Videotürklingel nicht in Apples Homekit ein, und die eingebaute Sirene ist eher eine Tröte. Indes sind Bild- und Videoqualität mit 1536 × 1536 Pixel erstklassig. Nachts schaltet sich eine Infrarot-LED hinzu, und die Bewegungserkennung der Doorbell funktioniert auch dann, wenn jemand ums Haus herumstreicht, ohne zu klingeln. Wie bei den Arlo-Kameras lassen sich Aktivitätszonen festlegen, damit nur das aufgenommen wird, was vor der eigenen Türe spielt.

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