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Sleepbuds von Bose im Test : Sanftes Flugzeugrauschen für den süßen Schlaf

Die Sleepbuds-Ohrhörer sind winzig klein. Bild: Hersteller

Mit diesen Mini-Ohrenstöpseln soll man trotz Umgebungslärm schlafen können. Bose setzt für seine Sleepbuds auf originelle Technik.

          Einige Tage im Hotel. Unten auf der Straße fließt der Verkehr, sein monotones Grundrauschen stört kaum. Aber vom frühen Morgen an aktivieren sich die Folterinstrumente der Warn-Industrie, die Rückwärtsfahrpiepser der vor dem Hotel rangierenden Lastwagen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Bei anderer Gelegenheit sind es laute Musik oder der schnarchende Partner, die zur Insomnie führen. Gegen den Lärm können Kopfhörer mit Nebengeräuschreduzierung helfen. Mit Antischall löschen sie die Störgeräusche aus. Nur wird man mit diesen Boliden auf den Ohren wohl kaum die ganze Nacht verbringen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jetzt haben die Akustikspezialisten von Bose, dem amerikanischen Hersteller von Lautsprechern und Kopfhörern, eine ungewöhnliche Lösung entwickelt, die eine ganz Nacht lang für besseren Schlaf sorgen soll. Die Sleepbuds-Ohrhörer sind winzig klein, man kann sie auch auf der Seite liegend im Bett tragen – und sie verwenden eine neue Technik, die Geräuschmaskierung. Während Antischall den störenden Lärm mit einem Signal in entgegengesetzter Polarität auslöscht, beruht die Maskierung auf der Idee, dass ein Ton den anderen überdeckt. Laute Bässe können zum Beispiel leisere Töne im mittleren Frequenzbereich so maskieren, dass sie der Mensch nicht mehr wahrnimmt. Die Maskierungs-Effekte werden bei der Audiodatenkompression, etwa mit dem MP3-Musikformat, schon lange eingesetzt. Auch gibt es Geräuschmaskierungs-Lautsprecher für Großraumbüros und den Nachttisch, aber bislang nicht für den Einsatz im Ohr.

          Bose hat seine Sleepbuds so gestaltet, dass sie zum einen aktiv Außengeräusche abschirmen und zum anderen mit passenden Klängen das Ohr dahin gehend beschallen, dass der schnarchende Partner, die feiernden Nachbarn oder laute Motorräder den Schlafsuchenden nicht mehr stören.

          Die beiden Einsätze sind nur rund ein Zentimeter hoch und wiegen 1,4 Gramm.

          Die Bose Sleepbuds sind in jedem Fall ein interessantes Experiment. Man erhält zwei Ohrhörer in einer runden Ladebox, die auch als Tablettendose durchgehen könnte. Die beiden Einsätze sind nur rund ein Zentimeter hoch und wiegen 1,4 Gramm. Verschiedene Aufsätze zur Anpassung in drei Größen liegen bei. Die Sleepbuds werden per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und mit einer App gesteuert, geben aber keine eigene Musik wieder und erlauben keine Telefonie, sondern nur die Wiedergabe von gut einem Dutzend Schlaftracks, die in der Bose-App ausgewählt werden. Sitzen die Ohrenstöpsel richtig, dann tun sie es gut, man kann sie tatsächlich problemlos die ganze Nacht tragen, auch auf der Seite liegend.

          Die abspielbaren Töne sind in jene für die Entspannung und jene für die Geräuschmaskierung unterteilt. „Küstenlinie“ dient beispielsweise der Entspannung, man hört die auf den Strand und eine Felslandschaft aufprallenden Meereswellen, mal rollen Wellen mit tiefen Bässen heran, mal prasseln kleinere gegen die Felsen. Ähnlich „Windrascheln“ und „Lagerfeuer“, Letzteres mit dem Knacken der Holzscheite und zirpenden Grillen im Hintergrund. Wem diese Soundbibliotheken mit viel Klangvariation zu wenig einschläfernd sind, der kann monotone auswählen, etwa „Sanftes Rauschen“ oder gar „Höhenflug“ mit dem sonoren Geräuschteppich, wie er im Flugzeug zu hören ist.

          Man erhält zwei Ohrhörer in einer runden Ladebox, die auch als Tablettendose durchgehen könnte.

          Ohne jede Soundwiedergabe dämpfen die Sleepbuds die Umgebungsgeräusche schon gut. Mit aktiviertem Tonteppich nimmt man viele kleine Störgeräusche aus der näheren und weiteren Umgebung nicht mehr wahr. Ob man mit knackenden Holzscheiten und Lagerfeuersound oder sanftem Flugzeugrauschen besser schlafen kann als mit Ohropax im Ohr, muss jeder selbst ausprobieren. Wir waren überzeugt, wenngleich das Schlafen mit durchgängigem Klangteppich im Ohr gewöhnungsbedürftig ist. Doch sind Schlaf und Entspannung bei jedem Menschen unterschiedlich. Im lauten Büro dämpfen die Ohrstöpsel ein bisschen, man hört also nach wie vor, dass jemand redet. Aber vieles wird auch komplett ausgeschaltet, etwa Tastengeklapper oder ein in der Ferne spielendes Radio.

          Doch in erster Linie sind die Ohrhörer fürs Bett entwickelt. Hardware und Software sind dafür bestens gewappnet. Nach rund acht Stunden Schlaf war der Akku der Sleepbuds noch zur Hälfte gefüllt, Bose gibt eine Laufzeit von 16 Stunden an. Die Klänge werden nicht per Bluetooth vom Handy gestreamt, sondern direkt von den Ohrstöpseln abgespielt. Alle Einstellungen nimmt man am Smartphone vor, darunter die Einschlafautomatik mit der Option „Wiedergabe die ganze Nacht“ oder nur eine begrenzte Zeit, beginnend mit 30 Minuten und weiteren Stufen. Ferner kann man sich zu einer bestimmten Zeit wecken lassen. Was nicht funktioniert: Dass sich die Sleepbuds nur dann aktivieren, wenn der Lärmpegel ansteigt, etwa weil der Partner mit dem Schnarchen beginnt oder Lärm von draußen ins Schlafzimmer dringt.

          Das Telefon muss sich nicht neben den Sleepbuds befinden, wenn die Wiedergabe angestoßen ist. Die Lautstärke bleibt die ganze Nacht über konstant, es sei denn, man ändert sie am Smartphone. Meist stellt man schon nach wenigen Minuten fest, dass man sie zu hoch eingestellt hat, und regelt sie noch einmal zurück. Weitere Klangdateien von Bose lassen sich in die Ohrhörer laden, der Vorgang dauert allerdings pro Datei länger als eine halbe Stunde. Eigene Musik oder Klänge sind nicht verwendbar.

          Die Idee, Außengeräusche mit einem Klangteppich abzudecken, ist innovativ, es gibt kein anderes vergleichbares Produkt. Bose verlangt 270 Euro für seine Stöpsel, der Straßenpreis liegt deutlich darunter. Einige Tinnitus-Patienten berichten im Internet, die Sleepbuds hätten ihnen geholfen. Ein Nebeneffekt, der aber von Bose nicht kommuniziert wird. Jenseits dieses ersten Produkts darf man getrost annehmen, dass künftig weitere Technik in den Ohrmuscheln Platz nehmen wird, wir warten derzeit auf einen Laufcoach, der beim Joggen den Laufstil analysiert und gegebenenfalls mit Anweisungen korrigiert.

          Michael Spehr

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