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Skype : Mit Videotelefonie und Werbung an die Börse

  • -Aktualisiert am

Die Mehrheit nutzte Skype bisher als Telefonersatz Bild: dpa

Nach einer Bitkom-Umfrage nutzen bereits sieben Millionen Menschen in Deutschland Videotelefonie. Bevorzugt wird dabei Skype eingesetzt, allerdings meist im Festnetz. Vorstandschef Bates macht das Unternehmen nun fit für die Börse.

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          Der technische Fortschritt ist der große Freund des Internet-Telefoniedienstes Skype. Denn immer mehr mobile Geräte verfügen über zwei Kameras: Eine auf der Rückseite der Geräte, um Fotos zu schießen oder Filme zu drehen. Und eine auf der Vorderseite - für Videotelefonie. Zusammen mit schnelleren Mobilfunknetzen sieht der Skype-Chef Tony Bates darin den großen Markt für sein Unternehmen. „Videokommunikation wird ein großes Feld - vor allem in den LTE-Mobilfunknetzen der nächsten Generation. Daher investieren wir kräftig in dieses neue Geschäftsfeld“, sagte Bates dieser Zeitung.

          Nach einer Umfrage des deutschen Branchenverbandes Bitkom nutzen bereits sieben Millionen Menschen in Deutschland Videotelefonie. Bevorzugt wird dabei Skype eingesetzt, allerdings meist im Festnetz. Besonders beliebt ist Videotelefonie bei jungen Menschen. In der Altersgruppe von 14 bis 29 Jahren nutzt mehr als jeder Fünfte solche Angebote. Fast jeder vierte Schüler und Student telefoniert mit Bild über das Internet. Auch der Bitkom erwartet, dass der Boom bei Smartphones und Tablet-Computern bei gleichzeitiger Verfügbarkeit von Breitbandverbindungen die Nachfrage nach Videotelefonie weiter vorantreibt. „Videotelefonie auf mobilen Endgeräten wird ein Megatrend“, glaubt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Inzwischen ermöglichen auch internetfähige Fernseher Videotelefonate.

          Was Apple mit seinem Programm Facetime schon in Eigenregie geschafft hat, will Bates für alle Geräte anbieten und verhandelt dafür mit den Mobilfunkunternehmen. Noch im vergangenen Jahr war Skype der Feind der Mobilfunker, der die Datenleitungen für seine Sprachdienste nutzt und damit den Mobilfunkern die Umsätze kaputtmacht. „Unsere Beziehung zu den Mobilfunkern wird besser und besser. Mit Video haben sich die Dinge zum Guten geändert. Skype bringt viele Stärken für dieses Thema mit, die Mobilfunkunternehmen suchen“, sagte Bates - lässt aber durchblicken, dass die Gespräche trotzdem eher mühsam sind. „Wir würden gerne mit den Netzbetreibern in Deutschland zusammenarbeiten. Bisher wollen sie das nicht. Aber die Zeit wird kommen. Video ist die Chance für eine Zusammenarbeit“, sagte Bates.

          Dass die Gespräche auch scheitern können, zeigt eine andere Skype-Initiative: In dem Programm Access können Skype-Kunden rund 200 000 lokale Funknetze (W-Lan) für den Zugang ins Web nutzen. Die Mobilfunker schauen dabei in die Röhre.

          41 Prozent der Telefonminuten entfallen dabei schon auf die Videotelefonie

          Bates war erst im Oktober des vergangenen Jahres vom Netzwerkausrüster Cisco an die Spitze von Skype gekommen. Sein Wechsel war ein klares Signal für den Börsengang des Unternehmens nach der Abspaltung von Ebay. Bates soll aber auch die Entwicklung der Produkte vorantreiben, die Skype Geld bringen. Denn bisher buchen nur 6 Prozent der Nutzer kostenpflichtige Dienste. Jeden Monat wird Skype von 145 Millionen Menschen für die Telefonie genutzt; 41 Prozent der Telefonminuten entfallen dabei schon auf die Videotelefonie.

          Ein klares Zeichen, dass Skype vor dem Börsengang zusätzliche Erlösquellen finden muss, ist die Einführung von Werbung. Im Windows-Programm sollen zunächst in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland große Werbeflächen geschaltet werden. Zu den ersten Werbekunden gehören Volkswagen, Nokia und Groupon. „Wir sind überzeugt, dass Werbung auf Skype eine kreative Lücke füllen wird, da wir neben großer Reichweite und einer Verbreitung in aller Welt auch Unterstützung für großformatige, vielseitige und interaktive Werbung bieten“, sagte Doug Bewsher, Marketingchef von Skype.

          Bates soll zudem die Produktentwicklung vorantreiben, denn darin war das Unternehmen bisher eher träge. Dazu gehören Videotelefonie in HD-Qualität oder die Partnerschaft mit dem Web-Konferenzanbieter Citrix. Gerüchte über das ganz große Geschäft will Bates allerdings nicht kommentieren: eine Partnerschaft mit Facebook, die den 600 Millionen Facebook-Nutzern in aller Welt die Videokommunikation per eingebauter Skype-Technik erlauben soll. „Wir haben eine kleine Partnerschaft mit Facebook, integrieren Facebook-Feeds in unseren Client“, sagte Bates. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg haben die beiden Unternehmen die Gespräche über eine Kooperation wiederaufgenommen. Die Zusammenarbeit könnte Facebook-Nutzern kostenlose Videokommunikation bringen, gleichzeitig aber der Zugang zu den kostenpflichtigen Skype-Diensten sein. Eigene Ambitionen in diese Richtung hat Bates aber nicht: „Wir sind und werden kein soziales Netzwerk. Auch Check-in-Funktionen wie bei Foursquare machen für uns keinen Sinn“, sagte Bates.

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