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Kopfhörer mit Noise-Cancelling : Einer ist richtig gut

Sennheisers Neuer: Momentum Wireless Bild: Dettweiler

Kabellose Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung liegen voll im Trend. Sennheiser greift mit seinem Momentum Wireless die Konkurrenz von Bose und Sony an. Libratone will es sogar mit Apple aufnehmen.

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          Viel Platz ist im Verein der Hersteller geräuschunterdrückender und kabelloser Kopfhörer nicht mehr. Wir haben vor einigen Wochen elf Produkte miteinander verglichen und hätten die Liste um ein halbes Dutzend Mitbewerber ergänzen können. Nebengeräuschunterdrückung wird Standard. Überraschen kann Sennheiser mit seinem neuen Kopfhörer Momentum Wireless daher nicht. Die dritte Generation sieht aus wie die beiden Vorgänger. Der Kopfbügel mit Metall- und Lederlook und die üppig gepolsterten Ohrpolster erkennt man sofort wieder.

          Bei genauem Hinsehen entdeckt der Kundige einen Unterschied. Das Gehäuse der rechten Muschel ist voller Knöpfe. Damit lässt sich die Geräuschunterdrückung an- und ausschalten oder kurzzeitig auf Durchzug schalten. Ein Knopf für den Assistenten, wahlweise den von Google oder Siri, darf auch nicht fehlen. Die Vollausstattung mit Knöpfen ist übrigens nicht zwingend: Sennheiser hat mit dem PXC 550 selbst vorgemacht, wie sich vieles über ein Touchpad auf der Muschel einstellen lässt.

          Wir haben den Momentum Wireless getestet. Die Tasten an der Muschel sind etwas gewöhnungsbedürftig. Anfangs trifft man doch häufig die falsche. In diesem Punkt gefällt uns die Bedienung des guten alten Bose QC35 II besser, weil die Knöpfe markanter sind. Dafür hat Sennheiser, wie einige andere Hersteller auch, einen Sensor eingebaut, der die Wiedergabe der Musik in den Pausenmodus setzt, sobald man den Kopfhörer absetzt. Etwas exklusiver ist eine Ausschalt-Funktion beim Zusammenklappen.

          Mit diesen Polstern bekommt man richtig etwas auf die Ohren. Bilderstrecke

          Wir konnten bereits die Qualität des Noise-Cancelling testen. Nicht im Flugzeug, sondern im Zug. Auf der Fahrt nach Berlin wehrte der Momentum tadellos die Außengeräusche ab. Es war nahezu still im Zug. Nach unseren Erfahrungen gilt das dann auch für das Flugzeug. Was den Tragekomfort betrifft, ist der Momentum wohl der bequemste Kopfhörer, den wir bisher getragen haben. Während der vierstündigen Zugfahrt hat nichts gedrückt, auch gab es keinen Hitzestau in der Muschel.

          In puncto Klang muss man sich bei Sennheiser ohnehin keine Sorgen machen. Die Ingenieure aus der Wedemark haben wieder alles im Griff. Der Momentum spielt souverän auf und bleibt sich treu. Die Klangsignatur der Modellreihe ist sofort erkennbar. Jetzt versteht sich der Kopfhörer mit leicht reduziertem Tiefbass als Allrounder. Er rockt und dirigiert, baut eine stattliche Bühne auf und weist den Instrumenten ihren Platz zu. Weiche und softe Charakterzüge sind nicht zu hören. Der Momentum hat eher die Tendenz, die Membran nicht unnötig nachschwingen zu lassen. Auch mit einem Preis von 400 Euro liegt er gleichauf mit der Konkurrenz.

          Apples Lösung ist eleganter

          Der Verein, in den Libratone mit seinem Track + Air eingetreten ist, hat eine sehr überschaubare Zahl von Mitgliedern. Neben Sony gibt es kaum noch weitere Hersteller, die einen kabellosen In-Ear-Hörer mit Geräuschunterdrückung anbieten. Das Produkt der Dänen konkurriert also direkt mit dem WF-1000 XM3 der Japaner. Witzigerweise war das schon einmal vor sieben Jahren der Fall. Libratone hatte als einer der ersten Audiohersteller runde 360-Grad-Lautsprecher auf den Markt gebracht, mit denen viele Hersteller mittlerweile die Wohnungen fluten. Auch Sony erkannte früh diese Gattung als zukunftsfähig.

          Eigentlich hat Libratone einen anderen Hersteller im Blick. Die Track + Air orientieren sich vom Design und Namen her an den Airpods von Apple. Sie stecken im Ohr, und ein Steg ragt nach unten, in dem weitere Technik steckt. Um nicht zu nahe an Apple zu sein, hat Libratone eine andere Form gewählt. Das Teil, in dem die Membran sitzt, hat die Form eines großen schwarzen Dragees, auf dem ein voluminöses graues Dreieck sitzt. Ein Nupsi im Ohr; Apples Lösung ist eleganter.

          In puncto Funktionalität gilt es den Blick wieder auf Sony und seinen WF-1000 XM3 zu richten. Der In-Ear-Hörer hat sich in unserem Test so gut geschlagen, dass er die Referenz dieser Gattung ist. Als Lärmschutz tut der Track + Air ähnlich gute Dienste wie der Sony. In der App von Libratone lässt sich die Geräuschunterdrückung dosieren. Die Dänen bieten 30 Stufen an und wie viele andere Hersteller auch „Ambient Monitoring“. Dabei werde die Lautstärke reduziert und das Noise-Cancelling ausgeschaltet, falls die Stewardessen ins Gespräch kommen wollen. Über die App lässt sich diese Funktion zum Beispiel auf das linke Gehäuse legen, so dass sie durch einen Doppeltipp ausgelöst wird. Auf dem rechten Gehäuse liegt dann etwa die Pausenfunktion.

          Weniger praktisch ist die Bauform. Der graue Teil drückt an den unteren Teil des Ohres, weil man die Stöpsel doch fest ins Ohr pressen muss, um einen guten Bass zu erhalten. Und am Bass hapert es. Aus Erfahrung wissen wir, dass wenige Millimeter mehr im Ohr einige Dezibel bedeuten können. Aber so sehr der Finger drückte: Der Klang blieb etwas zu hell, zu bassarm, zu dünn. Die Höhen wirkten daher leicht spitz, Gitarren nervten hin und wieder. Aus der Abstimmung ergeben sich angehobene Mitten, so dass Stimmen von Sängern und Sängerinnen sehr klar und deutlich klingen. Es ist nicht so, dass die tiefen Frequenzen nicht da wären.

          Jedoch reicht der Track+ Air nicht ganz herunter in den Keller, und damit verliert er klar gegen den WF-1000 XM3 von Sony, der die Referenz bleibt.

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