https://www.faz.net/-gy9-11mwn

Secret-Talents-Award : Talentiert ist nicht gleich berühmt

  • -Aktualisiert am

Hauptgewinn des Secret Talent Wettbewerbs ist eine Gastrolle in einem seiner kurzen Filmclips, in denen Ulmen verkleidet als eine seiner Kunstfiguren in „Borat“-Manier für Peinlichkeiten sorgt. Uwe trägt zur Preisverleihung das übliche Outfit: eine riesige Nerd-Brille, einen struppigen Bart, ein kariertes Hemd mit Weste, hochgekrempelte Jeans und weiße Turnschuhe. In seiner Rede lobt er die Wettbewerbsteilnehmer dafür, dass sie ihre bürgerliche Existenz dem Talent opferten und sich gegen die Konventionen stellten.

Schüchterne Jungs von nebenan

Dabei traf dieser Satz eigentlich nur auf Uwe selbst zu, denn bei der Preisvergabe zeigte sich, dass die Talente von Platz eins bis drei allesamt nette, schüchterne Jungs von nebenan sind. Der drittplatzierte Friedrich Sacher (friedrichsacher: The Magic Touch), der mit digitalen Zaubertricks überzeugen konnte, gibt mit stark thüringischem Akzent zu, dass er schlichtweg ein „Computercrack“ sei. Das Einüben der auf dem Video gezeigten Tricks habe nur eine halbe Stunde gedauert. Ähnlich bescheiden treten Marc Plitt und Aaron Feit auf. Sie verdanken ihren zweiten Platz ihrer perfekt synchronen „Jumpstyle“-Performance (AMJumpen: The Ultimate Duojump). Mit viel Ausdauer präsentierten sie diesen Hüpftanzstil aus den Niederlanden.

Der erstplatzierte „BillMcSven“ (BillMcSven: Dice Stacking) gewann den Secret Talent Award für seinen geschickten Umgang mit Würfeln. Sein Video beweist, wie perfekt er den neuen Trend des „Dice Stacking“ beherrscht - das Übereinanderstapeln von etlichen Würfeln mit Hilfe eines Würfelbechers. Der schüchterne 12jährige erklärte, man benötige dafür spezielle „Casinowürfel“ ohne abgerundete Ecken und führte seine Künste dem Publikum live vor.

Sie haben es verdient

Aus der Schwemme der auf Youtube hochgeladenen Videos wurden hier drei heimliche Talente gekürt, die es verdient haben. Geheim sind sie nun nicht mehr, doch es wird kein Staranspruch vorgegaukelt, weil keiner vorhanden ist. Für einen Abend gilt alle Aufmerksamkeit ihnen, sie werden fotografiert, interviewt und gefeiert. Man merkt, dass ihnen die Anerkennung aus der echten Welt noch etwas fremd ist. Sie kannten sie bisher nur in Form von Klicks und Kommentaren aus der virtuellen Welt der User.

Die Gewinnerin des vergangenen Secret Talent-Wettbewerbs, Anna Coralee, erzählt, dass sich in ihrem Leben einiges geändert hat. Ein Geheimnis war ihr Talent schon vor dem Youtube-Wettbewerb nicht. Die 23jährige besuchte die „Hamburg School of Music“ und wurde als Keyboarderin für die Tour von Sarah Brightman engagiert. Einen eigenen Plattenvertrag hat die junge Sängerin noch nicht. Angebote habe es nach dem Secret Talent Award zwar gegeben, jedoch nichts, was ihr zusagte. Anna Coralee lässt sich nicht verbiegen. „Berühmt werden muss ich nicht“, sagt sie und ist glücklich darüber, dass sie inzwischen von der Musik leben kann.

Popexperte und Jurymitglied Jochen Schuster, der schon eine handvoll Demos mit sich herumträgt, sagt zwar, dass die Talentscouts heutzutage fleißig das Internet durchkämmen. Eine höhere Chance beachtet zu werden, hätten sie jedoch nur, wenn sie vor realem statt vor virtuellem Publikum auftreten. Kurz bevor sich die Party langsam auflöst, gibt Anna Coralee noch eine musikalische Kostprobe mit einem Song von Duffy. Daraufhin gibt Schuster ihr seine Karte. Das wahre Leben findet nun mal nicht im Internet statt.

Die Platzierungen:

1. BillMcSven
2. AMJumpen
3. friedrichsacher
4. Freestyleur24
5. LeaBecker
6. Airhan01
7. KokonuTdaynight
8. ElGuitaristo79
9. 000Slacker000
10. runeflax
11. michaelschulte
12. JanARnet
13. masataka953641
14. hardballattack
15. kbshowTV
16. pillidan
17. FabTheGap
18. Ciro129111
19. jbormann335
20. Froehlich89
21. andreasdietrich
22. cumioco
23. griesshexe23
24. andreasklein1978
25. emmilhc

Weitere Themen

Frankreichs liberales Gewissen

Jean-Marc Daniel : Frankreichs liberales Gewissen

Jean-Marc Daniel ist der Mahner unter den französischen Ökonomen, der meist gegen den Staat wettert. Seine Inspiration findet er in den liberalen Ökonomen des 19. Jahrhunderts, bei seinen heutigen Kollegen trifft er auf wenig Gehör.

Topmeldungen

Christian Lindner spricht und Robert Habeck wartet Anfang Oktober in Berlin.

Keine höhere Einkommensteuer : Kröten schlucken für die Ampel

Selbst Jürgen Trittin akzeptiert, dass die Steuern für Topverdiener nicht steigen werden. Und Christian Lindner kommt mit einem höheren Mindestlohn klar. Für ihn zeichnet sich ein Konkurrent als möglicher nächster Finanzminister ab.
Woran festhalten, was erneuern? Hendrik Wüst blickt nach vorne.

Kritik an Parteispitze : Die Abrechnung der Jungen Union

Fehlende thematische Positionierung, Störfeuer aus Bayern und eine Kampagne, die zum Teil „nur noch zum Haare raufen“ gewesen sei: Der Parteinachwuchs ist beim Deutschlandtag gereizt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.