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Schauspieler Christian Ulmen : „Mich langweilt reiner Gesang“

  • Aktualisiert am

Christian Ulmen beim Dreh in Italien mit „Klick-Schild”... Bild: a+o GmbH

Talentshows im Fernsehen gibt es viele, aber nicht im Internet. Bei Youtube kann man sein „Secret Talent“ wählen. Erstmals ist Christian Ulmen „Schirmherr“ dieses Online-Wettbewerbs. Ein Gespräch über das Fernsehen und das Internet.

          Christian Ulmens Talent wurde im offenen Kanal entdeckt. Youtube oder andere Videoportale gab es damals noch nicht. Er brauchte keine Supertalent-Show im Fernsehen, um Karriere zu machen. Dennoch sagt er im Interview, dass seine Entdeckung ein „Riesenglück“ war. Damit dieses auch andere Talente haben können, hat er zusammen mit Youtube den Secret-Talents-Award ausgerufen. 1700 Bewerber haben ihr Videoclip eingeschickt, 25 Finalisten wurden ausgewählt. Internetnutzer können ihr Talent wählen. Ob dem Gewinner eine große Karriere bevorsteht, liegt in der Verantwortung des Siegers. Denn Ulmen und Youtube wollen „nur eine Tür öffnen.“ Durchgehen müsse schon jeder selbst.

          Herr Ulmen, seit diesem Freitag können Internetnutzer auf Youtube Deutschlands „Secret Talent“ wählen. Videoclips von 25 Finalisten stehen zur Auswahl. Ende Januar wird der Sieger gekürt. Für diese Online-Talentshow arbeitet Youtube mit ihnen als „Schirmherr“. 1700 Bewerber hatten ein selbstproduziertes Video ins Netz stellt. Was haben all diese Talente eigentlich früher gemacht?

          Was früher der offene Kanal war, sind heute Videoportale wie Youtube. Der Unterschied ist, dass man mehr Chancen hat, im Internet gesehen zu werden, als damals im offenen Kanal. Bei mir fing alles dort an. Ich war vom Medium Fernsehen fasziniert und probierte mich im offenen Kanal aus. Heute würde ich das wohl bei Youtube machen.

          ... und irgendwann dann im Netz

          Was haben sie genau dort gemacht?

          Fernsehsendungen. Als ich 14 oder 15 Jahre alt war. Ich verteilte damals Flugblätter in der Schule oder heftete sie an die Pinwand, um dafür zu werben. Dann hatte ich das Riesenglück, dass ein Talentscout von MTV in seinem Hotelzimmer versehentlich meine Sendung im offenen Kanal guckte, weil die BBC tagsüber auf der gleichen Frequenz sendete.

          Sie haben den Aufstieg ohne diese Talentshows im Fernsehen und Internet geschafft. Doch selbst mit diesen Plattformen gelingt den dort gekürten Superstars keine Karriere. Warum eigentlich nicht?

          Das Problem bei den DSDS-Gewinnern ist, dass der Sender beim Anzünden des Strohfeuers mit behilflich ist. Sofort wird eine Single produziert, dann folgt wenige Wochen später die nächste, nach immer gleichem Schema. Das führt zum Ausbrennen der Talente. Bei uns läuft das eher nach dem Motto: Wir haben dir die Tür aufgemacht, durchgehen musst du schon selbst.

          Es gibt bei allen Talentshows die klassischen Vorführungen wie Gesang, Tanz oder Zaubertricks. Welche Vorführungsart gefällt ihnen am besten?

          Mich langweilt reiner Gesang. Um durch Gesang zu bestechen, muss man mittlerweile wegen der vielen Shows sehr, sehr gut singen. Unser Talent sollte aus einer ganz anderen Ecke kommen, die ich aber nicht benennen kann, weil sie mich eben überraschen soll. Das entscheidende Kriterium ist, dass man Leidenschaft spürt. Jemand muss beseelt an seine Sache gehen.

          In den TV-Talentshows setzen alle auf Emotionalität bei der Vorführung. Wie soll das bei einem Clip im Internet funktionieren?

          Die übersteigerte Emotionalität ist sowieso ein Indiz dafür, dass der Auftritt keine eigene Interpretation der Talentdarbietung ist, sondern diktiert wird durch die Dramaturgie der Show. Die Shows werden so konzipiert, dass es diese Emotionalität geben muss. Die Jury fordert von den Leuten immer wieder dieses Gänsehaut-Gefühl in Form einer negativ formulierten Manipulation. Nach dem Motto: „Ich habe keine Gänsehaut bekommen, da musst du noch dran arbeiten“. Die DSDS-Tränen-Mentalität gibt's bei Secret-Talents nicht.

          Wie lange wird es die Talent-Tränen-Shows im Fernsehen noch geben, wenn Prominente wie sie die Formate im Internet vorantreiben?

          Ich glaube nicht, dass das Fernsehen das Internet momentan als Konkurrenz ernst nimmt oder gar als Bedrohung sieht. RTL hat sicherlich keine Angst davor, dass DSDS nur noch 200.000 Zuschauer hat, weil die anderen acht Millionen sich den Secrettalents-Award bei Youtube anschauen. Die Sender sollten diese Angst allerdings haben. MTV und Viva sind das beste Beispiel. Musikssender schauen findet ja heute unter den Jugendlichen kaum noch statt. Deren Leitmedium ist das Netz. Das ist jetzt kein Abgesang auf das Fernsehen. Aber es wird neue Arten des Guckens geben.

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