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Routenplanung per App : Nützliche Navis nach Nirgendwo

Voll verpeilt: Irrweg durch den Wald in der Tourenaufzeichnung. Bild: Spehr

Verloren im Wald: Die erste Ausfahrt mit dem Rad ist ein Desaster. Kluge Köpfe planen vorab ihre Route mit der App. Doch nicht alle sind gut.

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          Im Februar ist es winterlich kalt, es geht mit dem Mountainbike in den verschneiten Wald. Nach einer Stunde sind alle Beteiligten bestens durchgefroren und treten die Rückfahrt an. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als die Frau, die meist ein gutes Orientierungsvermögen hat, den Vorschlag macht, doch „gleich hier rechts“ einen abkürzenden Weg zu nehmen. Nun führen Waldwege in der Regel nicht schnurgerade in bestimmte Himmelsrichtungen, sondern können einen Verlauf nehmen, mit dem man nicht gerechnet hat. Zwei Radler verirren sich.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dummerweise spielt die Episode im Land der Funklöcher. Apples Karten und Google Maps auf dem Smartphone halten die Landkarte nicht vorrätig, sondern holen sie über Mobilfunk ins Gerät. Immerhin, Google Maps beherrscht „Offlinekarten“ für bestimmte Regionen, aber man muss sie vorab laden, das war hier nicht der Fall. Wie sich schnell zeigt, haben zudem beide Apps das grundlegende Problem, dass sie bei fehlender Funkversorgung ihrem internen Zwischenspeicher zu viel vertrauen, also oft eine falsche Position oder falsche Richtung anzeigen. Ganz davon abgesehen, dass viele kleine Wege nicht verzeichnet sind.

          Als die Irrfahrt nach mehr als zwei Stunden mit kaum noch zu spürenden Zehen und Fingern endete, hatten die beiden Orientierungslosen nicht etwa längst vergessene Pfadfinderregeln reaktiviert, sondern es bewährte sich eine App, die alles anders macht. Maps 3D Pro haben wir seit einigen Jahren auf dem Handy, sie ist nur für das iPhone erhältlich und kostet fünf Euro sowie weitere Entgelte, wenn man zusätzliche Funktionen kauft. Die App des deutschen Herstellers Movingworld erlaubt das automatische Planen von Routen, indem man Wegpunkte setzt, und zwar wahlweise fürs Wandern, Radfahren, Mountainbiken, Rennradfahren und Auto. Die zu ladenden Karten sind für eine gelungene Planung das A und O. Die aus dem Freiwilligenprojekt Open Street Map lassen sich unentgeltlich verwenden und sind hinsichtlich des Detailreichtums überzeugend. Neben den Basiskarten gibt es etliche Varianten und Overlays, naheliegend für den Radfahrer natürlich die von Open Cyle Map. Zudem gibt es Nahverkehrskarten inklusive der Bus- und Bahnlinien, Skikarten und neuerdings sogar Seekarten. Dass man die Karten vorab laden muss, ist umständlich und langwierig, weil stets einzelne Kacheln geladen werden. In der Natur fehlendes Kartenmaterial zu laden funktioniert rein prinzipiell, ist aber so langwierig, dass selbst kleine Karten mit 100 Megabyte eine halbe Stunde erfordern.

          Die App Naviki ist allein fürs Radfahren

          Ist die passende Karte geladen, wählt man die Fortbewegungsart, einen Routing-Server und setzt Wegpunkte auf der Karte. Anschließend wird die Strecke unter Berücksichtigung der gewünschten Fortbewegung berechnet und ihr Höhenprofil eingeblendet. Die Route lässt sich als GPX-Datei sichern und anschließend per E-Mail exportieren, beispielsweise um sie in einer Smartwatch oder einem Navi zu verwenden. Die hohe Genauigkeit der Darstellung ist der große Pluspunkt dieser App. Was jedoch nicht funktioniert, ist die gewohnte Routenführung mit optischen Hinweisen und Sprachansagen. Man muss fortwährend auf die Karte schauen und sich selbst orientieren. Ein kleiner Pfeil weist die Richtung, die bereits zurückgelegte Strecke wird markiert. Nötigenfalls heißt das: An jeder Weggabelung die App aufrufen und kontrollieren, in welche Richtung abzubiegen ist.

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