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Nachfrage gestiegen : Pulsoximeter zur vermeintlichen Corona-Früherkennung

Einige Sportuhren von Garmin, Withings und Fitbit sind mit ihren optischen Sensoren auf der Rückseite in der Lage, ebenfalls die Sauerstoffsättigung zu messen. Bild: Spehr

Im Internet macht dieser Tipp die Runde: Regelmäßig die Sauerstoffsättigung messen, dann erfährt man frühzeitig von einer Covid-19-Infektion. Schon sind manche Geräte vergriffen. Hilfreich sind diese Hinweise indes nicht.

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          Ein Pulsoximeter als Frühwarnindikator für die Corona-Infektion: Diese steile These macht derzeit in den sich sozial nennenden Netzen und auf Youtube die Runde. Wer ein solches Gerät verwendet und regelmäßig misst, erfährt frühzeitig von seiner Infektion, heißt es. Schon hat einer der führenden Hersteller dieser Geräte Lieferschwierigkeiten.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Was steckt dahinter? Ein Pulsoximeter ist ein kleiner Clip, der wie eine Wäscheklammer auf den Finger aufgesetzt wird. Er misst die arterielle Sauerstoffsättigung des Bluts und den Puls mit Hilfe von zwei Lichtstrahlen unterschiedlicher Wellenlänge. Die Fingeroximeter kosten zwischen 25 und 200 Euro. Die Sauerstoffsättigung gibt an, wie viel Prozent des Hämoglobins im arteriellen Blut mit Sauerstoff beladen und gesättigt sind.

          Die kleinen medizinischen Messgeräte hat man vielleicht schon mal im Krankenhaus gesehen, sie werden auch in Arztpraxen und von Rettungsdiensten verwendet. Einige Sportuhren von Garmin, Withings und Fitbit sind mit ihren optischen Sensoren auf der Rückseite in der Lage, ebenfalls die Sauerstoffsättigung zu messen.

          Die Sportuhren bieten diese Funktionalität vor allem aus einem Grund an: Als Warnung vor der Höhenkrankheit im Hochgebirge. Mit der Höhe sinkt der Luftdruck, daher ist in der Atemluft weniger Sauerstoff enthalten. Der Körper muss mehr rote Blutkörperchen mit Sauerstoff beladenem Hämoglobin bilden, und das dauert. Selbst gut trainierte Bergsteiger können durch zu schnellen Aufstieg höhenkrank werden, wenn sie nicht regelmäßige Pausen einlegen, um sich zu akklimatisieren. Hier ist die Messung der Sauerstoffsättigung hilfreich.

          Pulsoximeter zur Messung am Finger werden von Ärzten bei Lungenkrankheiten oder Asthma empfohlen. Die Sauerstoffsättigung gesunder Menschen liegt bei über 90 Prozent. Bei der Covid-19-Infektion ist die Sauerstoffsättigung nur eines von vielen Vitalzeichen, das bei betroffenen Patienten überwacht wird. Eine zu geringe Sauerstoffsättigung ist kein Anhaltspunkt für eine Infektion, und umgekehrt hat auch nicht jeder Infizierte eine zu geringe Sauerstoffsättigung. Obwohl von einer Kausalität nicht auszugehen ist, explodiert die Nachfrage, wie auch ein Blick auf die entsprechenden Google-Suchen mit Google Trends zeigt. Demnach steigt das Interesse sprunghaft seit Mitte Februar in Europa und Amerika an.

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