https://www.faz.net/-gy9-9l7ll

Projektor von Benq im Test : Großes Kino für kleines Geld

  • -Aktualisiert am

Projektor Benq W1700 Bild: Hersteller

Der Projektor Benq W1700 kostet nur noch knapp über 1000 Euro. Damit ist der Beamer derzeit das günstigste Modell in der 4k-Klasse. Lohnt sich der Kauf?

          Zugegeben, dieser Beamer ist schon seit ein paar Monaten auf dem Markt, und wir haben ihn immer nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen, als eines von vielen ähnlichen Fabrikaten. Jetzt aber hat er unsere volle Aufmerksamkeit. Denn sein Preis – anfangs standen 1800 Euro auf dem Schildchen – fiel bis heute auf 1040 Euro in diversen Online-Shops. Und das ist ein heißer Tarif. Damit jedenfalls ist der Benq W1700, so heißt der Bildwerfer, derzeit das günstigste Modell in der 4k-Klasse. Und für alle, die hin und wieder noch gern 3D-Filme schauen, bringt er ebenfalls passende Ausstattung mit. Den HDR10-Standard, nach dem Filme mit sehr hohem Kontrast für die Pressung auf Bluray-Scheiben kodiert werden, beherrscht der Apparat obendrein. Also musste er kurzerhand in unseren Testraum.

          Zunächst ein paar Details zur Ausstattung. Als Bildquellen kommen alle Geräte in Frage, die Digitalsignale über HDMI-Schnittstellen anbieten. Zwei passende Anschlüsse hält der Beamer bereit. Eine, erkennbar an der Versionsnummer 2.2, taugt für die Zuspielung von hochauflösenden 4k-Signalen. Ältere PCs können über eine VGA-Schnittstelle andocken, zwei Klinkenbuchsen dienen als Ein- und Ausgabeschnittstellen für den Ton. Zwar hat das Gerät auch einen eigenen Lautsprecher an Bord, doch der taugt nur für die Sprach-Spur von Präsentationen. Im Heimkino müssen bessere externe Schallwandler mitspielen.

          Der Projektor arbeitet nach dem DLP-Prinzip: Eine 240 Watt starke Projektionslampe schickt ihr Licht zunächst durch rotierende Filter in den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau. Ein DLP-Chip formt daraus das Projektionsbild, indem er nacheinander die entsprechend eingefärbten Teilbilder Pixel für Pixel mit mikroskopisch winzigen Kippspiegeln reflektiert und so für kurze Zeit durch die Projektionslinsen schickt. Dabei gilt: Je länger der Lichtblitz eines Pixels, desto heller erscheint der entsprechende Bildpunkt auf der Leinwand. DLP-Chips für echte 4k-Wiedergabe müssten demnach mit 3840 × 2160, also mit mehr als 8 Millionen Mikro-Spiegeln blinzeln.

          Ein Trick namens Pixel-Shifting

          Tatsächlich gibt es solche Bauteile, doch sie sind sehr kostspielig und sitzen in wesentlich teureren High-End-Beamern. Der W1700 beschäftigt eine DLP-Version, die nur Full-HD-Auflösung mit 1920 × 1080 Spiegelchen bietet, damit aber dennoch höhere Auflösung erzielt – durch einen Pixel-Shifting genannten Trick: Die Mikro-Spiegel bekommen jedes 4k-Bild viermal nacheinander zugespielt, jeweils um ein Pixel nach oben, unten, rechts und links verschoben.

          Ergibt sich damit volle 4k-Schärfe? Wir haben es mit professionellen 4k-Testbildern, die vertikale und horizontale Zebrastreifenmuster in unterschiedliche engen Abständen zeigen, überprüft: Liegen die Streifen in Distanzen von nur einem Pixel nebeneinander, verschwimmen sie zu leicht strukturiertem Grau. Schafft der Beamer also doch nur Full HD? Filmmaterial zeigt: Er kann mehr. So quittiert er die höhere Auflösung von 4k-Filmen mit klarerer Feinzeichnung und höherer Schärfe; der Pixel-Trick zeigt also durchaus Wirkung.

          Einer gewissen Relativierung allerdings bedarf auch das HDR-Versprechen. Fernsehgeräte, die sich mit diesem Kürzel schmücken, schaffen hohe Werte für die Spitzenhelligkeit und zeigen, wenn sie sollen, tiefes Schwarz auf der Bildfläche. Unserem Beamer gelingen, prinzipbedingt, selbst in vollständig abgedunkelten Räumen keine absolut finsteren Bildpartien, weil der DLP-Chip immer noch ein wenig Restlicht durchs Objektiv schickt. Und seine Helligkeit – der Hersteller spezifiziert sie mit 2200 ANSI Lumen – erreicht nicht das Niveau der brillantesten TV-Strahlemänner. Allerdings bieten die Einstellmenüs des W1700 etliche Optionen der HDR-Anpassung, um das Kontrastangebot entsprechender Bildquellen so gut wie möglich auszureizen.

          Und so bleibt unter dem Strich eine Menge Heimkino-Spaß. Schöne Farben und hohe Detailschärfe beeindrucken, vor allem aber wirkt die Suggestivkraft großer Bildformate: Diagonalen über drei Meter, einstellbar mit einem Zoom-Ring am Objektiv, machen Kinoabende im Wohnzimmer zum Vergnügen – zu einem Preis, der in dieser Klasse nur schwer zu schlagen ist.

          Weitere Themen

          Galaktisch gut!

          FAZ Plus Artikel: Fahrbericht Mondauto : Galaktisch gut!

          Vor fünfzig Jahren landete der Mensch erstmals auf dem Mond. Wenig später waren schon die ersten außerirdischen Autofahrer unterwegs. Wie ließ sich damit fahren? Und: Hätte das Mondauto auch auf der Erde eine Chance? Ein nicht ganz ernst gemeinter Test.

          Lunar Roving Vehicle Video-Seite öffnen

          Fahrtest auf dem Mond : Lunar Roving Vehicle

          Vor 50 Jahren landete der Mensch erstmals auf dem Mond. Wenig später waren schon die ersten außerirdischen Autofahrer unterwegs. Wir haben die Fahrt gedanklich nachgestellt.

          Topmeldungen

          Der Markt für Smartphone-Hersteller wie Apple, Huawei und Samsung kannte lange nur eine Richtung: nach oben. Diese Ära ist jetzt vorbei.

          Absatz von Smartphones : Handybesitzer zögern Neukauf immer länger hinaus

          Umweltschützer freut es, die Hersteller sind frustriert: Handybesitzer warten immer länger, bis sie sich ein neues Gerät kaufen. Die Top-Marken müssen ein Minus von fast 4 Prozent verkraften – 5G soll das ändern.

          EU-Urheberrecht : Von wegen keine Uploadfilter!

          Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss Deutschland das neue EU-Urheberrecht umsetzen – ohne Uploadfilter. Das verspricht jedenfalls die CDU. F.A.Z.-Redakteur Hendrik Wieduwilt hat daran seine Zweifel.

          Video von Trump und Epstein : „Sie ist scharf“

          Donald Trump hat in den vergangenen Wochen immer behauptet, den des Sexhandels beschuldigten Milliardär Jeffrey Epstein kaum zu kennen. Ein Video von 1992 zeigt die beiden jedoch bei einer von Trumps Partys in Florida.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.