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Prime Instant Video : Amazons neue Liebe zum Film

„Men in Black 3“ wird auch bei Prime Instant Video zu sehen sein Bild: Sony Pictures

Das neue Angebot von Amazon klingt zunächst attraktiv. Für jährlich 49 Euro eine Video-Streaming-Flatrate. Doch noch ist die Konkurrenz stärker. Bis auf eine Ausnahme.

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          Amazon steigt in Deutschland ins Videostreaming-Geschäft ein. Das Angebot gilt allerdings nur für Prime-Kunden. Wer jährlich 49 Euro zahlt, kann aus einem Repertoire von 12.000 Filmen und Serienepisoden auswählen und diese beliebig oft anschauen. Bei einer Anmeldung bis zum 26. Februar bezahlt man für „Prime Instant Video“ ein Jahr lang nur 29 Euro. Für bestehende Prime-Kunden kostet die Dienstleistung bis zum Ende der Laufzeit ihrer jeweiligen Jahresverträge keinen Aufpreis.

          Die Grundlage dieses Angebots bietet der Dienst „Lovefilm“, den Amazon Anfang 2011 komplett übernommen hat. Das Unternehmen formuliert das so: „Amazon Prime und der Lovefilm Video on Demand-Service [werden] ab dem 26. Februar [kombiniert].“ Es ändert sich für Lovefilm-Mitglieder letztlich nur der Preis. Bisher bezahlte man monatlich mindestens 6,99 Euro für eine Flatrate. Man kann also beliebig oft beliebig viele Filme und Serien schauen. Schon für 7,99 Euro konnte man den Vertrag ergänzen, um eine DVD oder Bluray ausleihen zu können. Schickt man diese zurück, was kostenlos ist, bekommt man den nächsten Titel. Doch dieser Zusatz ist in der Prime-Mitgliedschaft nicht enthalten. Prime Instant Video ist dennoch günstiger als die bisherige Mitgliedschaft bei Lovefilm.

          Die Auswahl ist entscheidend

          Das klingt zunächst attraktiv. Doch die Qualität von Video-Streaming-Diensten steht und fällt mit der Auswahl der Titel. Und genau in diesem Punkt war Lovefilm im Vergleich zur Konkurrenz bisher am schwächsten. In unserem Vergleichstest von 2013 hatte sich gezeigt, dass iTunes, Maxdome oder Watchever mehr Titel - und vor allem populäre Filme - zur Auswahl hatten.

          Grundsätzlich sollte man bei Videostreaming-Diensten darauf achten, ob sie eine Flatrate anbieten oder ob man pro Film bezahlt. Das ist bei Lovefilm und Watchever der Fall. Doch solche Dienste begreifen sich nicht als Archiv, in dem man möglichst viele Filme findet. Sondern als eine Art wöchentliches Videoprogramm, dessen Angebot wechselt und viele Filme nur für eine bestimmte Zeit zur Verfügung stehen. In puncto aktuelle Filmauswahl ist es schon etwas verräterisch, dass Amazon in der Pressemitteilung Titel wie den Film „Men in Black 3“ von 2012 bewirbt.

          Bei Maxdome oder iTunes findet man meist die neuesten Titel. So waren bei unserem Vergleichstest bis auf eine Ausnahme alle Filme der Top Ten der aktuellen DVD-Charts vorhanden. Dafür bezahlt der Nutzer aber auch jeden Titel einzeln. Und das sind meist um die fünf Euro für 48 Stunden. Mit durchschnittlich vier Euro in SD-Qualität (DVD) und fünf Euro in HD-Qualität (Bluray) kosten sie allerdings immer noch weniger als in der klassischen Videothek.

          Die Flatrate beim neuen Amazon-Angebot lässt sich auch auf deren Plattform ergänzen. Unabhängigkeit von einer Prime-Mitgliedschaft wird es ab 26. Februar 25.000 Filme und Serienepisoden zum Leihen und Kaufen geben. Das wäre dann - sofern die Titelauswahl entsprechend aktuell ist - eine Alternative zu Maxdome oder iTunes.

          Bis zu 30 Dienste in Deutschland

          Welcher Dienst für wen geeignet ist, hängt also sehr von den Sehgewohnheiten ab. Häufig bietet sich eine Kombination aus einer Flatrate und einem Dienst wie iTunes oder Maxdome an. Serienfans werden möglicherweise auch mit Watchever glücklich, weil dieses Angebot dort seine Stärken hat.

          Weil meist nur die Großen wie Maxdome, iTunes, Watchever und Lovefilm genannt werden, sollte man sich auf der Seite Video-on-Demand anschauen, welche Alternativen es noch gibt. In der Liste werden immerhin 30 Unternehmen aufgeführt.

          In einer Hinsicht ist der Service von Amazon und anderer großer Anbieter attraktiv. Sie bieten alle Apps für iPad und Android-Tablets an. So gibt es zum Beispiel den Offline-Modus. Wenn man weiß, dass man unterwegs sein wird, lädt man sich den Film einfach vorher herunter und schaut ihn etwa im Zug ohne Internetverbindung.

          Amazons Prime Instant Video unterscheidet sich allerdings in einem Punkt von den eben genannten. Das Unternehmen bietet Eigenproduktionen an. Die Serien „Alpha House“ und „Betas“ werden nur auf Amazons Dienst zu sehen sein. Ähnlich wie Netflix in den Vereinigten Staaten will Amazon also Serien produzieren, die nur über den neuen Kanal beziehbar sind. Ebenfalls neu wird sein, dass Eigenproduktionen auch in 4K-Auflösung gedreht werden sollen.

          Sollte die Eigenproduktionen ähnlich erfolgreich werden wie „House of Cards“ von Netflix, könnte das ein Alleinstellungsmerkmal und die Stärke von Prime Instant Video werden. Solange es Netflix noch nicht in Deutschland gibt. Und das soll sich noch in diesem Jahr ändern. Dann muss Amazons neue Liebe zum Film noch stärker werden.

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