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Powerbeats Pro im Test : Ein Paar hinter die Ohren

Wer sonst außer einem Boxer, sollte Werbung für Beats machen!? Anthony Joshua mit den Powerbeats Pro. Bild: Hersteller

Apple hat Beats endlich im Griff. Die neuen In-Ear-Hörer Powerbeats Pro klingen ziemlich gut. Verantwortlich für den exzellenten Klang ist ein Bauteil aus den Airpods.

          3 Min.

          Als Apple vor fünf Jahren den Kopfhörerhersteller Beats für drei Milliarden Dollar kaufte, wurde viel über das Warum spekuliert. Die Kopfhörer waren populär, aber nicht gut. Jedes Lied klang nach Hip-Hop, weil der Bass zu sehr dominierte. Es gab damals viele bessere Kopfhörer. Apple ging es vermutlich nur um die Marke und ihre Popularität. Die klangliche Wende kam vor etwa zwei Jahren mit dem Studio 3 Wireless. Das Design und das „b“ auf der Muschel zeigten noch, dass es ein Beats-Modell ist. Doch bei Technik und Klang hatte nun Apple seine Finger im Spiel. Der W1-Chip, den Apple in seinen ersten Airpods einsetzt, übernahm ebenso im Studio 3 Wireless das Soundtuning und die Geräuschunterdrückung. Mit Erfolg: Der Kopfhörer klingt ziemlich gut.

          Nun sitzt der nächste Beats-Kopfhörer mit dem Nachfolger des W1-Chips, dem H1, auf unseren Ohren, der ebenso den Klang in den neuen Airpods tunt. Die Werbung, die auf allen Social-Media-Kanälen hoch und runter läuft, klingt noch wie damals: „Die Powerbeats Pro In-Ear Kopfhörer revolutionieren deine Workouts. Ohne Kabel kann dich nichts mehr aufhalten.”

          Yeah! Jetzt mal alle wieder runterkommen und hinsetzen. Es geht hier zunächst um einen sogenannten True-Wireless-Hörer, deren Verbreitung sich momentan kaum aufhalten lässt. Solche Kopfhörer kommen ganz ohne Kabel aus. Ein Teil wird ins linke, das andere ins rechte Ohr gesteckt, und kommuniziert wird per Bluetooth. Ein Akku versorgt die Technik. Aufgeladen und aufbewahrt werden sie in einem Etui. So auch die Powerbeats Pro.

          Unser Favorit unter den vielen erhältlichen Farben. Bilderstrecke
          Test : Powerbeats Pro

          Der Unterschied zu den Etuis von Apple, Samsung, Sennheiser, Bose und anderen sind die ungewöhnlich großen Maße. Das Kistchen ist 4,5 Zentimeter hoch, 7,5 Zentimeter breit und wiegt inklusive Hörer fast 130 Gramm. Damit beult die Hosentasche zu sehr aus. Die Größe erklärt sich durch die Bauform der Hörer. Das Gehäuse ist viel größer als bei den Modellen der Konkurrenz, zudem ist ein Bügel angebracht, der hinters Ohr geklemmt wird. Dadurch lassen sich die Hörer sicher tragen und taugen auch für Sport oder, wie Beats sagen würde, für Workouts.

          Der Bügel besteht aus einem Kunststoff, der sich biegen lässt und die neue Form behält. Den Powerbeats Pro genau anzupassen ist wichtig, weil der Bügel bei schlechtem Sitz das Gehäuse wieder etwas herausziehen würde. Eine Veränderung des Abstands zum Trommelfell von wenigen Millimetern wirkt sich mit mehreren Dezibel auf den Bassbereich aus. Bei gutem Sitz garantiert der Bügel, dass der Klang immer der gleiche sein wird, und verhindert, dass die Stöpsel im Ohr verrutschen oder herausfallen.

          Beide Hörer arbeiten mit der gleichen Technik

          Letzteres ist eine Eigenschaft der Powerbeats Pro, die für all jene interessant sein dürfte, die mit den Airpods von Apple nicht klarkommen, weil sie zu locker im Ohr sitzen. Beide Hörer arbeiten mit der gleichen Technik: dem H1-Chip. Dadurch nimmt ein iPhone sofort Verbindung mit den Hörern auf, sobald man sie aus dem Etui holt. Zudem lassen sie sich freihändig bedienen, indem man „Hey Siri“ sagt.

          Doch es gibt auch Unterschiede. Während die Airpods weitestgehend einhändig bedient werden können, indem man das Etui aufschnippt und die Teile flott ins Ohr setzt, brauchen die Powerbeats Pro zweihändige Zuwendung, sei es, um sie aus dem Kistchen zu holen oder sie ins Ohr zu setzen. Die Neuen mit dem Bügel haben aufgrund ihre größeren Maße einen Akku mit mehr Ausdauer. Beats verspricht neun Stunden Dauerbeschallung, was in etwa hinkommt. Die Akkus der Powerbeats werden automatisch geladen, wenn sie im Etui liegen.

          Und wohl ebenfalls der Bauform geschuldet, klingen die Powerbeats noch besser als die Airpods. Man muss sich das vorstellen wie mit einer Lautsprecher-Serie in verschiedenen Größen. Die Klangsignatur ist ähnlich, aber die größeren Modelle haben aufgrund eines größeren Tiefentöners noch mehr Bassfundament, das größere Gehäuse macht den Klang etwas voller. So auch der Sound der Powerbeats. Für einen In-Ear-Hörer machen sie unten herum ordentlich Druck mit einem knackigen, trockenen Bass. Der gefällige Sound der Airpods wird etwas analytischer, geht mehr in die Breite, ist differenzierter. Sie sind leicht heller abgestimmt und klingen feiner.

          Macht sich Apple letztlich Konkurrenz im eigenen Haus? Eigentlich nicht. Die Airpods kosten 180 Euro, die Powerbeats 250. Wer True-Wireless-Hörer für den Sport haben will, wird sich für die Neuen mit dem Bügel interessieren. Freunde der länglichen weißen Stöpsel haben schon guten Klang, da lohnt es nicht, noch einmal 250 Euro auszugeben. Und wer noch gar keinen kabellosen In-Ear-Hörer besitzt und bereit ist, so viel Geld auszugeben, findet wenig Alternativen bei der Konkurrenz.

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