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Polar Vantage im Test : Die neue Leistung ist die Leistungsmessung

Das neue Polar-Produkt heißt Vantage und ist in einer großen Version V und einer abgespeckten namens M erhältlich. Bild: Hersteller

Polar ist zurück. Der einstige Pionier der Pulsmessung am Handgelenk verspricht viel: Dies ist die erste Sportuhr mit Wattmessung beim Laufen.

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          Polar ist wieder da. Viele Läufer, Sportbegeisterte und professionelle Athleten sind mit einer Sportuhr von Polar oder einem Polar-Brustgurt zur Herzfrequenzmessung groß geworden. Polar war einer der Pioniere in diesem Bereich und brachte erste Produkte seit Beginn der 80er Jahre auf den Markt. In den vergangenen Jahren wurde es ruhig um das finnische Familienunternehmen, obwohl Fitnesstracker, Pulsuhren und Radcomputer derzeit geradezu einen Höhenflug erleben. Die letzten Neuerscheinungen von Polar stammen aus den Jahren 2014 und 2015, etwa die Polar V800 Multisportuhr für professionelle Ansprüche.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch nun ist Polar wieder da. Das neue Produkt heißt Vantage und ist in einer großen Version V und einer abgespeckten namens M erhältlich. Wir haben die Vantage V einige Zeit ausprobiert. Sie kostet 500 Euro und ist damit weitaus günstiger als die Topprodukte des Mitbewerbers Garmin. Das Gehäuse besteht aus Edelstahl, hat seitlich fünf physische Tasten, bedient wird die Uhr aber zusätzlich mit dem farbigen Touchscreen, der wiederum unter Gorilla Glas liegt. Saphirkristallglas wie bei der Konkurrenz ist nicht zu haben. Die Verarbeitungsqualität ist ordentlich, allerdings benötigt man Werkzeug zum Wechsel der Plastikarmbänder, und die Helligkeit der Anzeige lässt zu wünschen übrig.

          An der Unterseite befinden sich die grünen Leuchtdioden zur Messung des Puls, dazu kommt eine rote LED zur Erhöhung der Messgenauigkeit. Vier Metallknubbel dienen zur Ankopplung der Ladeschale mit kleinen Kontaktknöpfchen an einem USB-Kabel. Ladeschale und Uhr passend aufeinanderzusetzen, kann eine Geduldsprobe sein. Induktives Laden wäre die bessere Lösung. Mit einer Dicke von 13 Millimetern lässt sich die Polar kaum unter einem Hemd tragen, und das Anlegen des Armbands könnte schneller vonstattengehen.

          Die fortwährende Balance zwischen Trainingsbelastung und Erholung ist ein Kernbestandteil der Analytik-Software Flow.

          Wer die Uhr in Betrieb genommen hat, staunt über die große Leere auf dem Bildschirm. Man kann die Darstellung der Uhr ein wenig anpassen, und mit einem Fingerstreich über das Display wechselt man zwischen der Anzeige der letzten Sportaktivität, einigen Herzfrequenzdaten, der Anzeige der gesamten Tagesaktivität sowie der des Trainingsstatus. Viel mehr gibt es nicht, hier wurde die Chance vertan, zusätzliche Informationen bereitzustellen.

          Aber was nicht ist, das kann noch kommen. Denn etliche Funktionen der neuen Vantage sollen als Software-Update nachgeliefert werden. Eingebaut sind Empfänger für GPS und Glonass, Galileo fehlt. Ein Barometer ist vorhanden, Sensoren zur Messung der Sauerstoffsättigung nicht. Was die Uhr derzeit nicht kann: GPS-Navigation, Messung der Herzfrequenz-Variabilität, es gibt keine Stoppuhr, keine Intervall-Timer und keine Push-Meldungen vom Smartphone. Die Beleuchtung der Anzeige schaltet sich auch nachts bei jeder Bewegung ein, es nervt. Hier heißt es also warten auf neue Firmware.

          Doch nun genug gemeckert: Im praktischen Einsatz beim Laufen misst die Vantage V Herzfrequenz und zurückgelegte Strecke überaus präzise, die GPS-Routenaufzeichnung ist deutlich besser als mit den teuren Garmin-Uhren, die regelmäßig in der Großstadt patzen. Dazu kommt ein Alleinstellungsmerkmal der Polar: Sie misst ohne jedes weitere Zubehör die Leistung beim Laufen, wobei die Berechnung mit Hilfe von Tempo, Beschleunigung und Anstieg erfolgt. Man kann sich die Werte absolut (in Watt) oder relativ in Watt je Kilogramm anzeigen lassen, nicht nur nachträglich, sondern auch während des Laufs. Man sieht dann sehr schön: Tempo und Leistung liegen ohne zeitlichen Versatz parallel, die Herzfrequenz hingegen hinkt hinterher. Vor allem auf hügeligen Strecken erschließt sich der Vorteil der Leistungsmessung sofort, und man kann üben, mit einem niedrigen Pulswert eine höhere Leistung zu erzielen.

          Die Herzfrequenz (oben) ändert sich nur langsam, aber die Leistung (unten) passt sich sofort dem Tempo (Mitte) an.

          Nicht nur beim Laufen will Vantage ein verlässlicher Begleiter sein, sondern auch danach. Die fortwährende Balance zwischen Trainingsbelastung und Erholung ist ein Kernbestandteil der Analytik-Software Flow, die im Web-Browser und in der App läuft sowie auch auf dem iPad in schöner Darstellung. Dazu werden die aktuellen Trainings mit jenen der letzten Monate verglichen, um Empfehlungen für die weiteren Aktivitäten abzuleiten. Was Polar hier in der Analytik vorlegt, ist überaus faszinierend. Mit Cardio Load soll die Herz-Kreislauf-Reaktion einer Trainingseinheit vergleichend erfasst werden, und die muskuläre Belastung wird als Menge mechanischer Energie, die man während eines Laufs produziert hat, ebenfalls angegeben.

          Wie bei Garmin kann man Stunden mit der Auswertung seiner Trainingsdaten verbringen, und man ahnt schnell, warum so viele Spitzensportler zu einer Polar greifen. Die Darstellung im Web-Interface gefällt, ist schnell und ordentlich strukturiert. Auch eine Schlafanalyse ist dabei, sie detektiert automatisch die Schlafzeit und misst nächtliche Unruhe sowie Wachzeiten.

          Neben dem Laufen, das klar im Vordergrund steht, unterstützt die Uhr mehr als 100 weitere Sportprofile, die bereits fertig konfiguriert sind und jeweils einzeln in das eigene Portfolio aufgenommen werden können. Eine besondere Finesse ist die Option, jedes Profil bearbeiten zu können. Man kann nicht nur die jeweilige Trainingsansicht auf der Uhr selbst bearbeiten, sondern auch individuelle Tempo- oder Leistungseinstellungen vorgeben. Der Uhrenakku hält bei einem Workout pro Tag ungefähr eine Woche durch. Schaltet man die kontinuierliche Herzfrequenzmessung ab, verspricht der Hersteller drei Wochen.

          Insgesamt ist die neue Vantage eine Wette auf die Zukunft. Vieles ist faszinierend, spannend, innovativ. Das Sportlerherz ist hocherfreut. Doch ebenso viel muss noch nachgeliefert werden, Feinarbeit ist angesagt, auch bei der Bedienung, die nicht immer konsistent erscheint. Nun muss Polar schnell bessere Software liefern, das ist das Gebot der Stunde.

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