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Playbook von Rim : Zum Spielen für Brombeeren

Klein und schnell ist das Playbook zur Blackberry-Anbindung im Format eines Taschenbuchs Bild: Hersteller

Die Bauform gefällt und die Verarbeitungsqualität überzeugt: Rim, der Hersteller des Blackberry, bringt mit dem Playbook einen eigenen Tablet PC auf den Markt. Schwächen zeigt das Gerät bei der virtuellen Tastatur und dem WWW-Browser.

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          Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Das neue Playbook von Blackberry-Hersteller Rim ist kein Rivale des iPad oder der jungen Tablet PC mit ihrem Android-Betriebssystem. Es ist ein Nischenprodukt, das erst dann seine Stärken ausspielt, wenn es mit einem Blackberry-Smartphone verbunden wird. Aber es ist unzweifelhaft ein innovatives Gerät - nur eben nicht für jedermann. Das Playbook macht einiges besser als die Konkurrenz, es ist ein Produkt aus einem Guss, und sein Betriebssystem beschreitet neue Wege.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zunächst ein Blick auf die Hardware: Das Playbook gehört wie das erste Galaxy Tab von Samsung in die Kategorie der kleinen Tablet PC, seine Bildschirmdiagonale beträgt 17,5 Zentimeter, und das Display löst mit 1024 × 600 Pixel auf. Wenn man nach Breite und Höhe geht (19,5 × 13 Zentimeter) passen zwei Playbook auf die Fläche eines iPad. Das Rim-Gerät ist jedoch dicker als das iPad 2, nämlich rund einen Zentimeter.

          Indes: Die Bauform gefällt, und wer als Pendler in den engen Abteilen der Bahn einen dezent auftretenden Tablet sucht, ist hier gut beraten. Auch die Verarbeitungsqualität überzeugt. Ein dünner Metallrahmen ist rund um das Display gezogen, der Rest besteht aus robust wirkendem Kunststoff. Die transreflektive Anzeige erreicht eine enorme Helligkeit und überzeugt auch bei Kontrast, Farbdarstellung und Blickwinkel. Die Anschlüsse sind schnell aufgezählt: Micro-USB und -HDMI sowie Kontakte für eine Docking-Station liegen unten, Lautstärkeregler und ein 3,5-Millimeter-Audioausgang oben am Gehäuse. Dort ist ferner der winzige Ein- und Ausschalter versteckt, den man am besten mit einem spitzen Fingernagel betätigt. Der Akku des Playbook ist, wie beim iPad, nicht vom Besitzer zu wechseln, und es gibt drei Modellvarianten mit 16, 32 oder 64 Gigabyte Speicher. Alle bringen Bluetooth und Wireless-Lan mit. Nur eine Version mit eingebautem Mobilfunkmodul ist nicht erhältlich.

          Sehr fein, homogen, gut gezeichnet und flott wirkt das QNX-Betriebssystem des Playbook
          Sehr fein, homogen, gut gezeichnet und flott wirkt das QNX-Betriebssystem des Playbook : Bild: Hersteller

          Apps in einer Karussell-Darstellung

          Sehr fein, homogen, gut gezeichnet und flott wirkt ferner das QNX-Betriebssystem des Playbook. Die einfache Bedienung überzeugt: Eine Fingerbewegung in der Vertikalen ersetzt die fehlende Home-Taste, wischt man vertikal von oben nach unten, erscheint das Optionsmenü. Alle laufenden Apps sind in einer Karussell-Darstellung schnell erreichbar, und vor allem: hier kommt ein durchgängiges Multitasking zum Einsatz, die Anwendungen laufen also stets im Hintergrund weiter. Auch die beiden Kameras mit 3 und 5 Megapixel sowie 1080p-Videoaufzeichnung gefallen. Der Prozessor ist ein mit einem Gigahertz getakteter Doppelkern von Texas Instruments. Die Akkulaufzeit liegt ungefähr drei Stunden unter dem typischen Durchschnitt von iPad & Co., die bis zu zehn Stunden schaffen.

          Erste Schwächen zeigen sich bei der virtuellen Tastatur, die im Vergleich mit iPad oder Android deutlich zurückfällt: Wortergänzung und Fehlerkorrektur sucht man vergeblich, und selbst wichtige Dinge wie das Markieren, Kopieren und Ausschneiden von Text sind nicht durchgängig implementiert. Im Browser-Fenster schaut man in die Röhre, im mitgelieferten Office-Paket von Data Viz (mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentations-Software) klappt es hingegen.

          Grisseliges Bild

          Der WWW-Browser hat im Vergleich mit dem iPad oder einem Honeycomb-Androiden klar das Nachsehen. Auf komplexeren Seiten mit viel Javascript stößt man schnell an Grenzen, manches funktioniert nicht, etwa die Navigation in Spalten, häufig gibt es längere Pausen beim Laden, und ein kurioser Fehler war mit unserem Gerät stets reproduzierbar: Dreht man das Playbook vom Quer- ins Hochformat, sieht man ein grisseliges Bild, das an ein Fernsehgerät auf Kanalsuche erinnert. Noch unerfreulicher gestaltet sich das Stöbern im Netz in Verbindung mit dem fest eingebauten und nicht deinstallierbaren Flash von Adobe. Von vielen Internetseiten sieht man übergroß zunächst nur die Werbung, die meist in Flash programmiert ist, und sobald man mit dem Finger nur in die Nähe kommt, passiert Unbeabsichtigtes. Nach diesen Erfahrungen versteht man, warum Apple kein Flash auf seinem iPad zulässt.

          Abstriche sind ferner bei den Apps zu machen, also den Zusatzprogrammen. Besteht in dieser Hinsicht bei Apples iOS und für Android-Geräte die Qual der Wahl aus einem nahezu unerschöpflichen Angebot, bleibt die „App World“ von Rim sehr übersichtlich. Kein Wunder, es gibt ja nur dieses eine Gerät. Der kanadische Hersteller hat den wunden Punkt im Auge und verspricht, dass demnächst Android-Apps auf dem Playbook laufen sollen, und bis dahin muss der frühe Käufer warten.

          500 Dollar in der kleinsten Variante

          Der spannendste Aspekt ist jedoch die Smartphone-Anbindung. Wer das Playbook ohne Blackberry in Betrieb nimmt, findet weder E-Mail noch Kalender oder Kontaktverwaltung vor. Man kann bestenfalls im Web-Browser seine neue Post lesen. Aber mit der Ankopplung eines Blackberrry über Bluetooth entsteht ein spannendes Szenario: Sofern beide Partner mit dem Blauzahn-Funk verbunden sind, stellen sich alle Smartphone-Inhalte nahezu sofort auf dem Tablet dar. Man kann also beispielsweise in der Bahn die schon abgerufenen E-Mails lesen oder den Kalender bearbeiten. Wie gesagt: alles wird unmittelbar synchronisiert, der Datenbestand liegt indes nur auf dem Smartphone und nicht auf dem Tablet PC.

          Das zeigt sich sofort und drastisch mit dem Kappen der Verbindung: die entsprechenden Menüs werden grau dargestellt, es gibt keinen Cache (Zwischenspeicher), mit dem man arbeiten könnte, und damit ist das Konzept klar umrissen: Das Playbook kann man sorglos aus der Hand geben, nur die eigenen Medien (Fotos, Musik) sind lokal gespeichert. Das verhindert allerdings ein autonomes Arbeiten ohne den zugehörigen Blackberry, und deshalb ist dieser Tablet nur eine schöne Ergänzung für die Freunde der Marke. In den Vereinigten Staaten kostet das Playbook in der kleinsten Variante 500 Dollar, die europäischen Preise stehen noch nicht fest. Ob er auf diesem Niveau erfolgreich sein wird, sei dahingestellt.

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