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AVM Rotation R 5.3 im Test : Wenn Digitalprofis Vinyl entdecken

  • -Aktualisiert am

Wer die Finessen seiner Vinylsammlung ganz neu entdecken möchte, könnte mit dem Rotation R 5.3 Erhellendes erleben. Bild: Hersteller

Der badische HiFi-Hersteller AVM nahm sich fünf Jahre Zeit für den Bau seines ersten Plattenspielers. Eine starke Mechanik soll für klare Klänge sorgen.

          In der HiFi-Szene grassiert die Nostalgie. Selbst Hersteller, die bisher ihre Vorliebe für Streamer und andere digitale Hightech-Apparate mit beachtlicher Modellvielfalt kultivierten, besinnen sich plötzlich auf den Retro-Charme der analogen Welt und heben nun, fast vier Jahrzehnte nach der Einführung der CD, erstmals Vinylplattenspieler aus der Taufe – Spotify hin, Tidal her. Die badische Edel-Manufaktur AVM gehört zu dieser Fraktion. Schon vor fünf Jahren begann das AVM-Team mit ersten Entwicklungsarbeiten, jetzt sind die fertigen Scheibendreher zu haben – und zwar gleich in zwei Varianten: Ein kleineres Modell für 3400 Euro hört auf den Namen Rotation R 2.3, die größere Variante heißt Rotation R 5.3 und kostet selbst nach High-End-Maßstäben unbescheidene 5500 Euro – ohne Tonabnehmer, versteht sich.

          Wir haben gleich die ambitioniertere Version zum Vorspiel geordert. Bereichert das analoge Spätwerk, das vom tschechischen Fach-Konfektionär Eat gefertigt wird, die feine Marke, oder sollten die bewährten Digital-Schuster doch lieber bei ihren Leisten bleiben? Puristisch unscheinbar jedenfalls gibt sich das große Rotationswerk nicht. Es schmückt sich mit einem transparenten, fünf Kilogramm schweren Acrylplattenteller, der von unten mit einem Kranz aus blauen Leuchtdioden illuminiert wird. So leuchtet der komplette Rundling fast unwirklich in die HiFi-Landschaft. Wer es schlichter mag, kann die himmelblaue Erscheinung auch dimmen oder ganz abschalten.

          Für den musikalischen Auftritt sind andere Konstruktionsdetails wichtiger. Der Korpus des Plattenspielers besteht aus einem fünf Zentimeter starken Block aus hochdichter Faserplatte (HDF), einem Material mit hoher innerer Dämpfung, fest verklebt mit einem Oberdeck und einer Front aus starken Aluminiumplatten. Die Sandwich-Konstruktion erfüllt ihren Zweck. Auf Anklopfen reagiert der Körper des Plattenspielers kaum hörbar, das Material stellt sich tot. Vor Trittschall-Einflüssen schützen zudem vier Absorberfüße. Auch sie funktionieren, wie sie sollen. Äußere Erschütterungen haben kaum Chancen, bis zum Tonabnehmer vorzudringen.

          Diese Art des Purismus ist weit verbreitet

          Interessant ist der Antrieb des Laufwerks. Der schwere Acrylteller ruht auf einer Metallscheibe, deren Stahlachse in ein Bronzelager taucht und mit ihrem halbkugelförmig abgerundeten Ende auf einem Teflonspiegel ruht – für nahezu reibungslose Rotation. Die Metallscheibe wiederum wird vom Motor, der in möglichst großer Entfernung vom Tonarm sitzt, über einen Riemen angetrieben. Dabei wirken keine unerwünschten Kräfte auf die Plattentellerachse. Eine Umlenkrolle, dem Motor direkt gegenüber montiert, nimmt den Zug des Gummiriemens auf. Die Drehzahl des Motors wird elektronisch geregelt. Manuelle Justagemöglichkeiten für Tempo 33 oder 45 gibt es nicht, sie sind aber auch überflüssig. Der Check mit einer Stroboskopscheibe belegt penible Einhaltung der über Tipptasten gewählten Soll-Drehzahl. Auf eine Endabschaltung muss man bei diesem Plattenspieler verzichten; diese Art des Purismus ist in der High-End-Klasse jedoch weit verbreitet.

          Eine feinmechanische Delikatesse ist der gerade, 25,4 Zentimeter lange, in seiner Arbeitshöhe verstellbare Tonarm aus poliertem Aluminium. Das gilt etwa für seine robust wirkende und dennoch hochpräzise kardanische Lagerung und für die filigrane Antiskatingeinrichtung, die einen hauchzarten Faden über eine Rolle lenkt, die wiederum ein verstellbares Gewicht über einen Hebel in die Höhe zieht. Das gilt aber auch für das exakt einstellbare Gegengewicht. Einschließlich des integrierten, gekröpften Tonarmkopfs hat der gesamte Ausleger eine bewegte Messe von 15 Gramm. Es handelt sich also um einen mittelschweren Tonarm, zu dem die meisten Tonabnehmer passen.

          Kleiner Exkurs für die digital sozialisierte Generation: Die bewegte Masse des Tonarms bestimmt gemeinsam mit der Nachgiebigkeit des Nadelträgers im Tonabnehmer, also der Elastizität der Nadelträger-Aufhängung, die Resonanzfrequenz des gesamten schwingfähigen Systems. Sie liegt idealerweise zwischen 8 und 12 Hertz – hoch genug, um nicht durch Verwellungen der Schallplatte angeregt zu werden, und niedrig genug, um nicht auf die tiefsten Schwingungen der Musik mit unerwünschtem Eigenleben zu reagieren. Andernfalls würden nicht nur dröhnende Bässe den Spaß verderben. Intermodulationen könnten auch die Wiedergabe höherer Töne verfälschen.

          Wir haben einer Kombination des Arms mit dem hochkarätigen MC-Abtaster Cadenza Black von Ortofon gelauscht (2300 Euro), angeschlossen an den Phono-Vorverstärker P30 von AVM (700 Euro). Mittelmaß kann man von diesem Analog-Ensemble kaum erwarten – und tatsächlich spielte es perfekt, fast schon ein bisschen „digital“. Denn so straff, so präzise, so kernig und so ganz ohne jene Neigung zu etwas wolkiger Weichheit, die gelegentlich als vinyltypisch gilt und sogar hin und wieder mit Räumlichkeit verwechselt wird, haben wir lange keine Schallplatten mehr gehört. Wer also die Finessen seiner Vinylsammlung ganz neu entdecken möchte, könnte mit dem Rotation R 5.3 Erhellendes erleben – selbst dann, wenn der dekorative Leuchtkranz Pause hat.

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